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Lkw-Verkehr:Gegen den toten Winkel

Testlauf mit Trixi-Spiegeln soll Abbiege-Unfälle verhindern

Zunächst soll es nur ein Versuch sein: 100 Trixi-Spiegel will die Stadt vorerst an 40 ausgesuchten Kreuzungen aufstellen. Sie sollen verhindern, dass Fußgänger oder Radfahrer beim Rechtsabbiegen von Fahrzeugen überrollt werden - sie ermöglichen Lastwagenfahrern, auch ohne eingebautes Assistenzsystem Menschen im toten Winkel zu sehen. Vorerst will die Stadt die Spiegel ein Jahr lang testen. Doch schon jetzt ist in der Diskussion, mehr als 8000 Trixi-Spiegel an mehr als 1100 Kreuzungen aufzuhängen. Das diese Maßnahme alleine aber wirklich Erfolg haben wird, davon ist der Allgemeine Deutsche Fahrradclub nicht überzeugt. Der ADFC lehne Trixi-Spiegel zwar nicht grundsätzlich ab, schreibt die Organisation in einer Pressemitteilung, warne aber vor überhöhten Erwartungen. Viel effektiver seien bauliche Verbesserungen der Kreuzungen und die Ausstattung der Fahrzeuge mit Abbiegeassistenten.

In München kommt es immer wieder zu schweren Unfällen, wenn Lastwagen rechts abbiegen und dabei einen Radfahrer im toten Winkel übersehen. An der Corneliusbrücke starb im Mai ein Elfjähriger, weil ein Lkw-Fahrer ihn übersehen hatte. Im Juni wurde eine 31-Jährige bei einem ähnlichen Vorfall schwer verletzt. An die 400 Abbiegeunfälle verzeichnete die Polizei im vergangenen Jahr. Jedes Mal entspannt sich eine Debatte, wie die Stadt Kreuzungen sicherer machen könnte. Abbiegeassistenten in den Fahrzeugen sind erst von 2024 an Pflicht in allen Neufahrzeugen. Bis dahin braucht es andere Lösungen, etwa die Trixi-Spiegel.

"Die Realität zeigt leider, dass Lkw-Fahrer oftmals ob der vielen Spiegel überfordert sind, die Spiegel falsch eingestellt sind oder sogar verdeckt sind", sagt Andreas Groh, erster Vorsitzender des ADFC München. Seien die Lkw-Spiegel vorschriftsmäßig eingestellt, gäbe es theoretisch gar keinen toten Winkel mehr, argumentiert Groh. Das eigentliche Problem sei demnach der unaufmerksame Fahrer, weshalb keine allzu großen Verbesserungen durch Trixi-Spiegel zu erwarten seien. Abbiegeassistenten mit Kollisionserkennung und eine Notbremsfunktion seien wesentlich wichtiger. Darüberhinaus müsse die Radinfrastruktur sicherer gestaltet sein. Abbiegeunfälle passierten nämlich nicht nur an Kreuzungen, sondern überall dort, wo Fahrzeuge beim Abbiegen auf den Radverkehr träfen, vor Einmündungen etwa oder vor Grundstücksausfahrten. Zudem fordert der ADFC, dass Lastwagen nur mehr in Schrittgeschwindigkeit abbiegen dürften.