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Literaturzeitschrift "Krachkultur":Trost oder Extremerfahrung

Krachkultur, Ausgabe 21/2020: Musik, 200 Seiten, 14 Euro, www.krachkultur.de

Die Literaturzeitschrift "Krachkultur" widmet sich der verschiedenster Musik

Von Jürgen Moises

Lange Zeit galt Metal für viele als Krach oder Gekreische. Seit einigen Jahren ist das anders. Nun berichten auch die Feuilletons über Black- oder Thrashmetal und das Fernsehen live vom Wacken Open Air. Dass man sich zudem literarisch, essayistisch oder wissenschaftlich damit befassen kann, das zeigt die aktuelle Ausgabe der Münchner Literaturzeitschrift Krachkultur. Darin setzt sich unter anderen der Kunsthistoriker Jörg Scheller mit dem sogenannten Extreme Metal, das heißt mit Stilrichtungen wie Black Metal oder Noisecore auseinander. Womit er gleichzeitig auf eine gewisse Art ins Herz der Krachkultur vorstößt. Leitet sich der Name der 1993 gegründeten Zeitschrift doch von der Genrebezeichnung "Noisecore" ab.

Auch in den anderen Beiträgen geht es um Musik, dem Thema dieser sehr lesenswerten und abwechslungsreichen Ausgabe. So führt zum Beispiel Barbara Zemann in ihrem schönen Prosatext "Das Mädchen" in Beethovens Sterbezimmer, dessen Fußboden ein tierisches Eigenleben entwickelt. In Eva Schmidts "Sommerregen" deutet sich zum Soundtrack von Charlie Parker eine Mordgeschichte an, und Peter Wawerzinek erinnert an den Schriftsteller Matthias Holst alias BAADER, der mit Rammstein-Musiker Flake zur Band Frigitte Hodenhorst Mundschenk gehörte. Heimito von Doderer wiederum widmet sich in einem wiederentdeckten Gedicht der "Trösterin Musik", Tanja Dückers erzählt, wie sie über den Tod eines Nachbarjungen zu den Beatles fand, und der in den Neunzigern mit gefakten Star-Interviews bekannt gewordene Tom Kummer schildert die "Wiederauferstehung" von Bob Dylan vor sieben Jahren in den Flammen Malibus.

© SZ vom 20.01.2021
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