Süddeutsche Zeitung

Literaturhaus München:Werk und Wirkung

Kristof Magnusson widmet sich in seinem neuen Roman dem Kunstbetrieb. Im Literaturhaus München stellt der isländisch-deutsche Schriftsteller die Komödie persönlich vor, die mit witzigen Dialogen und aberwitzigen Begegnungen überzeugt.

Von Yvonne Poppek

"Es gibt einfach zu viel Kunst. Heute kann doch jeder Kunst machen, der eine Handykamera bedienen kann." KD Pratz schleudert diese Worte mitten in seinen Burghof hinein, einer bildungsbürgerlichen Reisegruppe direkt vor die Füße. In das Gemäuer hat sich der misanthropische Künstler vor Jahren zurückgezogen, um eigenbrötlerisch an seinem Werk zu arbeiten. Doch dann taucht eben dieser Museums-Förderverein aus der Nähe von Frankfurt auf. Kunstbeflissene Leute, die KD Pratz eventuell einen Museumsbau hinstellen, dafür aber "ihren" Künstler schon einmal kennenlernen wollen.

Der isländisch-deutsche Schriftsteller Kristof Magnusson, der 2014 mit "Arztroman" einen Bestseller schrieb, hat in seinem neuen Roman "Ein Mann der Kunst" (Verlag Antje Kunstmann) diese spannungsgeladene Ausgangslage erschaffen. Beide Seiten sind nicht ausreichend aufeinander vorbereitet, KD Pratz sieht sich als Wochenendspaß vereinnahmt: "Ich bin nicht der Pausenfüller in Ihren langweiligen Leben." Der Förderverein ist wie vor den Kopf geschlagen, fühlt sich beschimpft, aber "unter Niveau". Zwischen ihnen steht der Ich-Erzähler, der Architekt Constantin Marx, selbst Fördervereinsmitglied, der oft nur Beobachter ist in dieser Komödie über den Kunstbetrieb.

Darin wird weder das gediegene Kunstpublikum noch der Künstler vorgeführt. Magnusson mag seine Figuren, lässt ihnen ihre Würde in den witzigen Dialogen und den oft aberwitzigen Begegnungen, die wohl nur dann entstehen, wenn sich Menschen unter ganz unterschiedlichen Prämissen entgegentreten. Am Ende erwächst daraus jedenfalls im besten Sinne: unterhaltsame Kunst.

Kristof Magnusson: Ein Mann der Kunst, Lesung, Fr., 9. Okt., 20 Uhr, Literaturhaus, Salvatorplatz 1, Saal und Stream, Telefon 01806/700733

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Quelle:
SZ vom 08.10.2020
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