LiteraturhausBücher, die die Welt bedeuten

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Es lebe die Freundschaft: Die Schauspieler Lisa Wagner (links), Thomas Loibl und Marion Bösker-von-Paucker vom Literaturhaus.
Es lebe die Freundschaft: Die Schauspieler Lisa Wagner (links), Thomas Loibl und Marion Bösker-von-Paucker vom Literaturhaus. (Foto: Catherina Hess)

Die „Freunde des Literaturhauses München“ feiern ihr 25-jähriges Bestehen – mit einer literarischen Collage, einer Ode an die Isar und einem Freundschaftsschwur.

Von Christian Mayer

Freundschaft ist etwas Wunderbares, Geheimnisvolles, sie ist eine Bande, die nur für kurze Zeit oder ein ganzes Leben hält. Dafür braucht man nicht unbedingt einen Schwur und keine schaurig-schöne Höhle am Ufer des Mississippi wie im Buch „Die Abenteuer des Tom Sawyer“, aber etwas Pathos schadet eben auch nicht. An diesem Freitagabend kann man dieser unvergesslichen Freundschaftsbeschwörung lauschen und sich in diese zwei jugendlichen Helden hineinversetzen, die einen Bund fürs Leben schließen wollen. Tom Sawyer und Huckleberry Finn – eine Piraten-Freundschaft, die mit heiligem Ernst, aber auch mit lustvoller Ironie inszeniert wird. Mark Twain eben: ein Autor für Leseabenteurer jeglichen Alters.

Und was für ein Glücksfall für die „Freunde des Literaturhauses“, die für ihr Geburtstagsfest zum 25-jährigen Bestehen zwei Ausnahmevorleser gefunden haben: Die Schauspieler Lisa Wagner und Thomas Loibl sind in wechselnden Rollen zu hören, glänzend moderiert von Marion Bösker-von-Paucker vom Literaturhaus. Gemeinsam reisen die drei durch die Welt der Literatur, einmal von Cicero, Shakespeare und Nietzsche zu Tucholsky und Elena Ferrante. Das ist allerbeste Unterhaltung, weil man in dieser Collage erfährt, was Freundschaft alles bedeuten kann: durchzechte Nächte (Elke Heidenreich), die Schwierigkeit, rechtzeitig nein sagen zu können (Lily Brett), oder das gemeinsam erlebte Außenseitertum (Wolfgang Herrndorfs „Tschick“).

Was die „Freunde & Förderer des Literaturhauses München“ verbindet, wird an diesem Abend deutlich: die Liebe zu den Büchern und zu den Autorinnen und Autoren. Ohne den Freundeskreis, sagt Tanja Graf, die Leiterin des Literaturhauses, wäre der Betrieb dieser Institution mit seinen 220 Veranstaltungen im Jahr gar nicht mehr denkbar. Die Schriftstellerin Yuko Kuhn, deren Buch „Onigiri“ gerade erschienen ist, findet für das alles poetische Worte, sie fragt: „Kann ein Haus uns Menschen glücklich machen? Unbedingt, wenn es voller Bücher ist.“ Eine Welt voller Abgründe und voller Glücksmomente, das könne man hier gemeinsam erleben.

Horst Lauinger, Verleger des Manesse-Verlags, feiert die literaturbegeisterten Münchner, eine „höchst sympathische Form des bibliophilen Bekennertums“. In diesem Freundeskreis sei die nicht unbedingt zeitgemäße Tugend sehr verbreitet, einander zuzuhören und nicht übereinander herzuziehen. Hans-Peter Rien, Vorstand des Fördervereins, kann in seiner Dankesrede nur beipflichten: „Literatur ist uns etwas wert!“

Die Liebe zur Isar: Josef Brustmann (links), Sebastian Horn (Mitte) und Benni Schäfer auf der Bühne des Literaturhauses.
Die Liebe zur Isar: Josef Brustmann (links), Sebastian Horn (Mitte) und Benni Schäfer auf der Bühne des Literaturhauses. (Foto: Catherina Hess)

Und dann spielt, wie zu Beginn der Feier, noch einmal das Trio, das diesen Abend mit bairischem Wortwitz und poetischen Volksmusikstücken zu einem Erlebnis macht. Wer die Gruppe Brustmann-Schäfer-Horn noch nicht gehört hat: unbedingt nachholen! Josef Brustmann, Benni Schäfer und Sebastian Horn spielen zu Zither, Gitarre und Bass mächtig auf, sie erzählen in ihren Liedern tragi- bis saukomische Geschichten. Von der Liebe in der freien Natur und ihrer Heimat, von einem Fluss als Lebensform („Isara Rapidus“), vom Glück des Pilzesuchens und -findens. Ein großartiges Finale.

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