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Literaturhaus:Dam dam, dam dam

Von den Comedian Harmonists bis Helene Fischer: Rainer Moritz führt im Literaturhaus durch die Geschichte des Schlagers.

Der Inhalt ist von gnadenloser Schlichtheit, die Grammatik fragwürdig. Dennoch, die wenigen Zeilen, die 1965 unter dem Titel "Marmor, Stein und Eisen bricht" wochenlang unter den Top-10-Hits zu hören waren, haben irgendwie Unsterblichkeitscharakter. Und Drafi Deutscher, Sänger dieses Schlagers, dürfte sich ebenfalls ins Gedächtnis ausreichend vieler Generationen gebrannt haben. Warum? Das scheint eine mehr als berechtigte Frage zu sein.

Die Antwort indes ist komplexer, so dass auch Rainer Moritz, Autor und Leiter des Hamburger Literaturhauses, nur leise Hinweise geben mag. Moritz ist Schlager-Fan. Und seine Leidenschaft für dieses Genre hat ihn dazu veranlasst, ein Buch darüber zu schreiben, das er am Freitag, 9. Februar, im Literaturhaus vorstellt und wo er zudem Platten auflegt. In "Schlager. 100 Seiten" (Reclam) hat selbstverständlich auch das Phänomen Drafi Deutscher seinen Platz, der, anders als die "für den Nierentisch gezähmten Deutschrocker", die "aseptische Szene" des Schlagers seinerzeit veränderte.

Der 1958 geborene Moritz, der schon als Kind im Bäckerladen "Pigalle" sang, führt seine Leser so durch die Geschichte des Schlagers, von den Zwanziger- und Dreißigerjahren ("Veronika, der Lenz ist da!") über die Durchhalte-Kompositionen im Zweiten Weltkrieg ("Davon geht die Welt nicht unter"), die Ferne-und-Heimat-Songs der Nachkriegszeit bis zu Helene Fischer, "die adrett verpackte, dem Einheitsgeschmack angepasste Rollenkräuterbutter des Showgeschäfts". Und das macht Moritz natürlich: atemlos.

Weine nicht, wenn der Regen fällt - eine Schlagerreise mit Rainer Moritz, Fr., 9. Feb. 20 Uhr, Literaturhaus, Salvatorplatz 1, 089/29193427

© SZ EXTRA vom 08.02.2018/amm

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