bedeckt München 22°

Literaturfest München:Die Nacht bringt's an den Tag

Jaroslav Rudis/Nicolas Mahler: Nachtgestalten

Die Geschichte ist an allem schuld – und sie hat viele Facetten in der Graphic Novel "Nachtgestalten" von Jaroslav Rudiš und Nicolas Mahler.

(Foto: Luchterhand Verlag)

Eine Graphic Novel von Jaroslav Rudiš und Nicolas Mahler sowie weitere Lesungen bei der Sommeredition des Literaturfests München.

Von Antje Weber

"In der Geschichte gibt es keine Zufälle", sagt ein Biertrinker zum anderen, während beide durch die nächtliche Stadt wandern, auf der Suche nach einer letzten geöffneten Kneipe. Die Geschichte ist seiner Meinung nach schuld an allem: "Die Geschichte macht mich fertig." Eine nicht geringen Anteil an seiner Niedergeschlagenheit hat allerdings auch die Geschichte mit Hana: Die hat der melancholische Biertrinker geliebt, aber nicht bekommen. Ein Schicksal, das er mit seinem Zechkumpanen teilt.

Das Leben ist nicht einfach, das wird in der berauschenden Graphic Novel "Nachtgestalten" (Luchterhand) mal wieder deutlich. Getextet hat sie Jaroslav Rudiš, der tschechische Großmeister für schwarzen Nachthumor, für Historisches zwischen Austerlitz und Königgrätz und für Prager Bierkneipen. Gezeichnet hat sie der Wiener Illustrator Nicolas Mahler, der sich mit den reduzierten, pointierten Bildern und hinreißend tragikomischen Figuren dieses Bandes ebenfalls einmal mehr als Großmeister seines Fachs präsentiert. Die Zusammenarbeit der beiden: ein Glücksfall. Dass die beiden nun bei der Sommeredition des Literaturfests am Mittwoch, 23. Juni, im Literaturhaus zu erleben sind, ist ebenfalls ein Glücksfall für die Zuschauer.

SZ-Extra-Titel eingeplant sind. Bitte alle Fotos mit dem
Vermerk: Wortspiele

Credit: Wie jeweils bei den Fotos angegeben

In die LB SZ-Extra stellen. Die Rechte sind Print und online freigegeben.

Hengameh Yaghoobifarah stellt in einer Soiree ihren Roman "Ministerium der Träume" vor.

(Foto: Tarek Mohamed Mawad)

Die werden zu diesem Zeitpunkt, so sie das dichte Festprogramm mit jeweils zwei Lesungen pro Abend intensiv verfolgen, bereits Geschichte und Geschichten in ihren unterschiedlichsten Ausprägungen erlebt haben: am Donnerstag, 17. Juni, den französischen Schriftsteller Mathias Énard sowie Büchner-Preisträger Arnold Stadler, am Freitag Kolonialismus-Debatten mit Katharina Döbler und Bénédicte Savoy, am Samstag Pandemie-Gedanken von Markus Gabriel und Volker Reinhardt. Um Familiengeschichten geht es bei Alena Schröder am Sonntag sowie bei Helga Schubert und Monika Helfer am Montag. Ein historisches Thema hat Monika Czernin gewählt, und auch Christoph Ransmayr geht im neuen Roman in die Vergangenheit zurück; beide lesen am Dienstag. Am Donnerstag, 25. Juni, endet das Fest mit einer Québec-Nacht, bei der in Lesungen und Videos Autoren des diesjährigen Gastlands der Frankfurter Buchmesse vorgestellt werden.

Warum allerdings die junge Autorin Hengameh Yaghoobifarah am Mittwoch mit Rudiš und Mahler an einem Abend zusammengespannt wird? Das lässt sich vielleicht mit dem Titel ihres Romans erklären: "Ministerium der Träume". Unerfüllte Träume liegen ja auch dem trunkenen Geplauder der beiden Kneipenfreunde im Comic zugrunde. Und trotz allem wird die Geschichte weitergehen. Vielleicht bei einem allerletzten Bier.

Jaroslav Rudiš/Nicolas Mahler: Nachtgestalten, Mittwoch, 23. Juni, 20 Uhr, Literaturhaus. Live-und Stream-Tickets sowie Infos über alle weiteren Veranstaltungen: literaturhaus-muenchen.de

© SZ vom 17.06.2021/van
Zur SZ-Startseite

Lesen Sie mehr zum Thema

Süddeutsche Zeitung
  • Twitter-Seite der SZ
  • Facebook-Seite der SZ
  • Instagram-Seite der SZ
  • Mediadaten
  • Newsletter
  • Eilmeldungen
  • RSS
  • Apps
  • Jobs
  • Datenschutz
  • Kontakt und Impressum
  • AGB