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Literatur:Spurensuche im Maximilianeum

Erstes Kinderbuch des Bayerischen Landtags

Flo, Feinschmecker Balu, seine Nachhilfelehrerin Metti und Elias (von links).

(Foto: Stefan Leuchtenberg)

Der Bayerische Landtag hat sein erstes Kinderbuch herausgegeben. Autorin Anja Janotta lässt darin die "Isar-Detektive" ermitteln

Von Barbara Hordych

Politische Bildung kann Spaß machen. Davon ist jedenfalls Landtagspräsidentin Ilse Aigner überzeugt, seit sie in Hamburg die Buchreihe "Alster-Detektive" kennenlernte. Diese umfasst mittlerweile sechs im Oetinger Verlag erschienene Bände. Die Kriminalgeschichten sollen Kinder motivieren, sich für das Geschehen in ihrer Stadt zu interessieren, sich einzumischen und mit Abgeordneten Kontakt aufzunehmen. Was im hohen Norden funktioniert, sollte doch auch im tiefen Süden möglich sein, hat sich Aigner wohl gedacht. Und beauftragte die Münchner Kinderbuchautorin Anja Janotta und den Augsburger Illustrator Stefan Leuchtenberg mit dem Buchprojekt "Isar-Detektive". Auch hier stehen jugendliche Spürnasen zwischen elf und dreizehn Jahren im Mittelpunkt, es sind die Geschwister Elias und Flo und deren Freunde Metti und Balu. Elias, Flos großer Bruder, ist der Älteste der Nachwuchsdetektive. Sie wohnen in direkter Nachbarschaft des Maximilianeums, in Haidhausen. Deren blitzgescheite Freundin Metti stammt aus Landshut. Ihr großer Bruder Severin, der als Stipendiat im Maximilianeum wohnt, sollte eigentlich dem vierten der Jungdetektive, Balu, Nachhilfe in Mathe geben. Den aufreibenden Job, den quirligen Sohn des Chefkochs im Landtag zu unterrichten, hat er nur allzu gerne an seine jüngere Schwester Metti abgetreten. Und weil Balu mit Flo in eine Klasse geht, wurden aus den beiden Mädchen bald beste Freundinnen.

Treffpunkt der jungen Helden ist die Kantine des Landtags. Dort werden sie in ihrem ersten Abenteuer "Falscher Alarm" Zeuge, wie während eines Feueralarms ein Gemälde aus der Präsidentengalerie gestohlen wird. Die Nachwuchsdetektive gehen der Sache nach und werden dabei von einem Abgeordneten aus Bamberg, von der Hausmeisterin des Landtags und von einem Wachdienst-Mitarbeiter der Ostpforte unterstützt. Dabei lernen sie das Maximilianeum kennen und erfahren zugleich einiges über die Aufgaben der Parlamentarier. Am Schluss können die "Isar-Detektive" einen Kunstfälscher entlarven und somit den verzwickten Fall lösen.

Wie muss man sich die Arbeit an diesem politisch motivierten Auftragswerk vorstellen? "Als ich die Rohfassung des Textes fertig hatte, stellten wir ihn Frau Aigner in einer Videokonferenz vor", erzählt Anja Janotta, die früher einmal selbst in Haidhausen wohnte, mittlerweile aber mit ihrer Familie in Weßling lebt. "Stefan und ich saßen im Maximilianeum, Frau Aigner schaltete sich dazu. Während wir einige Details besprachen, sah ich, wie Stefan ein entzückendes Meerschweinchen auf das Manuskript kritzelte. Von da an stand für mich fest: Das muss in den Text hinein!"

Doch nicht nur das Meerschweinchen Edmund, auch die Schildkröte Horst, die zwei Wellensittiche Franz und Josef, der Hamster Günther und der Kater Max hielten über die Tierliebhaberin Flo Einzug in das Buch und sorgen für bayerisches Lokalkolorit. Irgendwelche Einwände? "Nein, Frau Aigner war mit allem einverstanden", sagt Janotta und lacht. "Toll finde ich an dem Buch, dass es sich nicht um eine notdürftige Geschichte handelt, die um ein Marketing-Projekt herum gestrickt wurde, sondern dass Anja eine wirklich eigenständige, lustige und spannende Geschichte geschrieben hat. Die eher nebenbei einen Einblick in die politische Arbeit des Landtags vermittelt", sagt Leuchtenberg. Er stammt aus einer Künstlerfamilie aus Herrsching, wohnt mittlerweile aber mit seiner Familie in Augsburg. Über den Oetinger Verlag, der nach den "Alster"- nun auch die "Isar-Detektive" betreut, kam er zu dem Projekt hinzu.

Eine Führung im Maximilianeum vermittelte Autorin und Illustrator das nötige Hintergrundwissen. "Der Rundgang war total spannend, weil er auch zu verborgenen Schauplätzen führte, die Besucher normalerweise nicht zu sehen bekommen. Wir konnten in die Katakomben hinuntersteigen, in denen heute Ersatzteile und Stuckelemente lagern. Die Verließe mit Gittern waren ganz schön gruselig", erinnert sich Janotta. Und Leuchtenberg ergänzt: "Alle Orte, die ich in dem Buch illustriert habe, gibt es im Maximilianeum wirklich."

Die Recherche vor Ort brachte allerdings auch Edmund um seine tragende Rolle. "Eigentlich sollte das Meerschweinchen entwischen und unsere Helden in die Katakomben locken", sagt Janotta. Doch nach der Führung wurde ihr klar, dass die Wege zu weit wären für den kleinen Nager. Stattdessen übernahm Kater Max diese Rolle. Für Meerschweinchen Edmund dachte sich Janotta dann eine kleinere Aktion aus. "A Ratz!, da is a Ratz!", japst Hausmeisterin Irene entsetzt, als sie das pelzige Etwas durch die Kantine in Richtung Küche flitzen sieht. Erst als sie erfährt, wie Flos "Viecher" alle heißen, ist die resolute Hausmeistern versöhnt - und bricht über die Namenswahl in schallendes Gelächter aus.

Das Genre Kinderkrimi erfreut sich seit Jahrzehnten ungebrochener Beliebtheit - man denke nur an die Buchreihen um die "Fünf Freunde" und die "Drei Fragezeichen" oder die Fernsehserie mit den "Pfefferkörnern". Von daher stehen die Chancen für eine politisch motivierte bayerische Kinderkrimi-Reihe gut. Zudem Janotta eine lebensnah und anschaulich erzählte Geschichte gelingt dadurch, dass die Funktionen und Zuständigkeiten im Landtag nicht nur über Polit-Profis wie die Landtagsabgeordneten geschildert werden, sondern auch die Perspektiven von Mitarbeitern wie dem Kantinenchef oder dem Pförtner in den Fokus rücken. Die Idee, dass Balu ein besonderes Faible für Speisen hat und alle Landtagsabgeordneten nach ihrem Lieblingsessen fragt, habe Frau Aigner besonders gut gefallen, sagt Janotta. Dieses Mal sind es die "Bamberger Bierzipfel". Aber das Prinzip sei "ausbaufähig", sie denke an Abgeordnete aus der Oberpfalz, aus Niederbayern und Schwaben.

Nicht nur Aigner, auch der Wachdienst sei hoch zufrieden mit dem Krimi, erzählt Janotta. "Ich habe gehört, dass wir eine richtig große Rolle in dem Buch spielen", habe ihr ein Pförtner stolz erklärt, als sie die druckfrischen Exemplare an der Pforte abholte. Das Buch wurde erst einmal mit 10 000 Exemplaren gedruckt. Sie sind nicht im Handel, sondern kostenlos über den Landtag erhältlich, für Schulen und Einzelpersonen. Der Stoff werde ihr jedenfalls nicht ausgehen, beteuert Janotta. Die Hamburger Detektive ermittelten ja nur in einer Stadt. Da habe Bayern noch einiges mehr zu bieten.

© SZ vom 12.01.2021
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