Hinter der Elisabeth-Mann-Borgese-Straße geht es zum Katia-Mann-Platz. Dahinter kommt gleich die Thomas-Mann-Allee, und auch Erika, Klaus und Golo Mann sind mit eigenen Wegen und Plätzen vertreten. Die Straßenschilder stehen erst seit kurzem auf dem Salvatorplatz hinter dem Literaturhaus, abends beleuchtet von unterschiedlichsten Straßenlaternen. Als Ensemble soll dieses Denkmal, wie Kulturreferent Marek Wiechers bei der Eröffnung sagte, „die Strahlkraft des Lebens und Werks der Manns“ zeigen.
Fragt sich also jemand, was in den stillen Tagen zwischen den Jahren in der Münchner Literaturszene läuft, hier die Antwort: Man kann sich die Literatur wortwörtlich erlaufen. Und, am besten nach Einbruch der Dunkelheit, einen Spaziergang zum Literaturhaus unternehmen, um das neue Denkmal für die Familie Mann gebührend andächtig zu umkreisen und zu durchqueren. Mit einem stillen Dank an alle Beteiligten vom Stadtrat über Public Art München bis hin zum Künstler Albert Coers dafür, dass diese Installation nun endlich leuchten darf: Es dauerte sieben Jahre von der Ausschreibung bis zur glücklichen Fertigstellung im Thomas-Mann-Jubiläumsjahr.

Deutscher Alltag:Das Düstere und das Leichte
Die Bücher von Thomas Mann, der vor 150 Jahren geboren wurde, sollte man immer lesen. Gerade in ungemütlichen Zeiten.
Die ungewöhnlich lange Entstehungszeit (unter anderem aufgrund archäologischer Funde unter dem Salvatorplatz bei Baubeginn) passt zur komplizierten Beziehung zwischen der Stadt München und der Familie Mann. Bekanntlich gingen Thomas Mann, seine Frau, Kinder und Schwiegereltern in den Dreißigerjahren nicht ohne Grund ins Exil. Auch tat sich die Stadt nach dem Krieg lange schwer damit, den Nobelpreisträger und seine nicht minder illustren Künstler-Kinder angemessen zu würdigen. Am einstigen Wohnsitz in Bogenhausen steht heute eine Luxusimmobilie, im Literaturhaus immerhin ein ausgestopfter Bär aus dem einstigen Hausstand. Und nun also hinter dem Literaturhaus ein leuchtendes Signal dafür, dass München seinen berühmtesten Schriftsteller nicht vergisst.
„Straßen Namen Leuchten“ heißt das Denkmal von Albert Coers, der bestehende Erinnerungszeichen in Form von Straßenschildern weltweit aufgegriffen hat – und damit von der Internationalität der Familie, aber auch vom Schmerz des Exils erzählt. Auch die Laternen haben alle mit den Wohn- und Wirkstätten der Familie zu tun, stammen etwa aus Kilchberg in der Schweiz oder Sanary-sur-Mer in Frankreich. Nur ein Schild ist Fake, wie der Künstler verrät: Einen Katia-Mann-Platz gibt es nirgendwo, dabei war sie es, die als Ehefrau, Mutter, kluge Managerin die Familie zusammenhielt. Es ist eine schöne Idee, ihr im Gewirr der Schilder und Lampen einen Platz in der Mitte zu geben.

Übrigens sind auch die Kinder Monika und Michael sowie die deutsch-brasilianische Großmutter Julia über Leuchten aus New York oder Sao Paulo indirekt präsent. Der Künstler hat sich überdies nicht nur von Thomas Manns berühmtem Satz „München leuchtete“ inspirieren lassen, sondern dazu von einem Buch des Enkels Frido Mann: „Es werde Licht“. Und so lässt dieses wohldurchdachte Denkmal neben der Familie Mann auch die Erinnerungskultur der Stadt München in warmen Tönen schimmern.
Wer beim Bewundern trotzdem kalte Füße bekommen hat: Gleich daneben lässt eine neue Ausstellung im Literaturhaus über Tove Janssons „Welt der Mumins“ vermutlich nicht nur Kinderherzen höherschlagen. An Literaturveranstaltungen ist ansonsten bis Anfang Januar in der Stadt wenig geboten, allein Axel Hacke fühlt zwischen den Jahren im Volkstheater den Puls der Münchner Leserinnen und Leser und fragt: „Wie fühlst du dich?“ (28. Dezember, Restkarten).
Wer eine direkte Antwort scheut, lässt das Jahr vielleicht mit anderen Büchern ausklingen, etwa der Jubilare Thomas Mann und Rainer Maria Rilke. Da letzterer im nächsten Jahr nahtlos weitergefeiert wird (nach dem 150. Geburtstag steht schon der 100. Todestag an – der Dichter wurde nur 51 Jahre alt), bietet sich beispielsweise das überaus feine Marbacher Magazin Rilke international an, das in Kooperation mit dem Münchner Lyrik Kabinett entstand. Auch Rilke war rege international unterwegs, und so reagieren hier zeitgenössische Dichter aus aller Welt, von Aleš Šteger bis Lavinia Greenlaw, auf sein Werk. Allein in diesen Band kann man sich für Tage versenken: Auch Denkmäler, die in Sprache gegossen sind, können strahlen.

