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Literatur:Das Leben selbst bestimmen

Tove Ditlevsen

Die Dänin Tove Ditlevsen.

(Foto: Ateljé Uggla)

Das Residenz­theater­ensemble liest Tove Ditlevsens Trilogie

Von Egbert Tholl

Tove will Dichterin werden. Das ist keine gute Idee, wenn man vor hundert Jahren in einem Arbeiterviertel in Kopenhagen aufwächst, der Vater seinen ohnehin lausigen Job verliert, die Familie sich von altem Brot ernährt und die Mutter nicht weiß, was sie mit den Flausen ihrer Tochter anfangen soll. Die Nachbarskinder zeigen Tove das raue Leben, sie schreibt Gedichte.

Ende der vergangenen Jahres erschien die "Kopenhagen-Trilogie" von Tove Ditlevsen zum ersten Mal vollständig auf Deutsch. Der dritte Teil, der nun "Abhängigkeit" heißt, erschien, weitgehend unbeachtet, bereits vor mehr als 40 Jahren. In Dänemark war Tove Ditlevsen, die von 1917 bis 1976 lebte, längst ein Star, nun wird sie auch hier gefeiert als Vorläuferin von Autorinnen wie Annie Ernaux. Die wundervolle Trilogie ist die autofiktionale Erzählung vom Leben einer Frau, die immer selbst bestimmen wollte, was aus ihr wird, die nicht nur Glück mit den Männern hatte, sich in einen mit schiefen Zähnen verliebte, weil der Drogen zur Hand hatte.

Ditlevsen schreibt warm, unprätentiös, ist gegenüber sich selbst schonungslos, berichtet von Abtreibungen, Sucht, aber auch dem Schreiben und ihrem Mangel an Bildung. Und weil jetzt eh nichts geht, stellt man sich von Montag an vors Residenztheater. Dessen Ensemble vier Abende die Kopenhagen-Trilogie live in der Schönen Aussicht zeigt. Die Aufführung wird per Stream und durch Lautsprecher auf den Max-Joseph-Platz übertragen: 22., 23., 26., 27. März, 18 bis 22 Uhr.

© SZ vom 22.03.2021
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