Premiere:Der beste Trainer der Welt

Premiere: Die Freude ist groß bei der Filmpremiere zu "Lionhearted" von Regisseurin Antje Drinnenberg (Mitte) über den Box-Trainer Ali Cukur (links) und Schützlinge wie Raschad Pekpassi.

Die Freude ist groß bei der Filmpremiere zu "Lionhearted" von Regisseurin Antje Drinnenberg (Mitte) über den Box-Trainer Ali Cukur (links) und Schützlinge wie Raschad Pekpassi.

(Foto: Robert Haas)

Nach einigen Anläufen nun endlich im Kino: Der Film "Lionhearted" über Ali Cukur, der mehr als nur ein Coach im Boxring ist

Von Sophia Oberhuber, München

Vier Mal musste der Filmstart wegen der Pandemie verschoben werden. Und als am Montagabend im Rio Filmpalast nun endlich die Lichter gedimmt wurden, die Musik begann und die erste Szene von "Lionhearted" über die Leinwand flackerte, blieb das Bild hängen. Genau dann, als Ali Cukur das erste Mal zu sehen war. In der Aufnahme, schwarz-weiß, ein Porträt, sagt der Boxtrainer des TSV 1860 München: "Ich spüre manchmal, dass diese Menschen eine Hand brauchen, die sie führt." Applaus brandet auf. Eigentlich hatte man nur die Begrüßung der Premierengäste vergessen, stoppte und wollte von Neuem beginnen. In Wirklichkeit aber war der Fokus nun genau dort, wo er sein sollte: auf dem Mann, der Hunderte Jugendliche aus mehr als 90 Nationen durch sein Boxtraining integrierte, teils aus der Kriminalität holte und auf einen besseren Weg brachte.

Cukur leitet seit mehr als zwei Jahrzehnten die Boxabteilung des TSV 1860. Dort ist er für die Jugendlichen mehr als nur ein Trainer. Er ist Lehrer, Vater und Bruder. Regisseurin Antje Drinnenberg entschied sich, diese Geschichten in einen 90-minütigen Dokumentarfilm zu verpacken.

"Mir war nicht klar, dass das so ein riesen Film wird, der in den Kinos läuft", sagt Cukur. Er habe da mehr an einen Kurzfilm mit zehn oder 15 Minuten gedacht. "Ansonsten hätte ich mir noch eine andere Frisur zugelegt." Über die Scherze des Boxtrainers lacht der ganze Kinosaal. Viele der Menschen, die bei der Publikumspremiere sind, kennt Cukur persönlich. Da sind junge Menschen, die bei ihm trainieren. Oder eine Dame, die Sozialarbeiterin an einer Schule ist und mit der Cukur zusammenarbeitet. Nach dem Handschlag gibt es eine Umarmung. Ein Mann grölt im Foyer des Kinos: "Ali ist der beste Trainer der Welt." Im Hintergrund zustimmendes Zurückgegröle. Der Abend im Rio Filmpalast wirkt wie ein großer Familienausflug.

So präsentiert sich auch der Film "Lionhearted", der Cukur und seine Schützlinge zunächst beim Training in München und dann in ein Trainingslager nach Ghana begleitet. Das jährliche Boxcamp hatte Cukur nach Afrika verlegt, um seine Sportler aus ihrer Komfortzone zu holen. Dort trainieren sie zusammen mit ghanaischen Sportlern in einem Slum. Das Filmteam folgt ihnen auf diese Reise inmitten von Armut, Mülldeponie, persönlichen Krisen - und ist dabei mit der Kamera ganz nah dran an den jungen Menschen, für die Cukur so viel mehr als nur ihr Boxtrainer ist.

Saskia Bajin trainiert bei Cukur. Ihr Vater ist früh verstorben. Im Film sagt sie über ihren Coach: "Wenn er mich in den Arm nimmt, dann weiß ich, dass das mein Vater auch gemacht hätte." Für Cukur selbst sind die jungen Boxer ebenfalls mehr als nur Teilnehmer seines Trainings: "Ich habe zwei Kinder. Aber diese Jugendlichen im Verein sind genauso meine Kinder."

Die Publikumspremiere ließ sich neben Michael Köllner, Cheftrainer der Löwen-Fußballer, auch Hans Sitzberger, Vizepräsident des Vereins, nicht nehmen. "Integration geht nicht durch Worte", sagte Sitzberger im Anschluss an den Film. Integration gehe durch Ali Cukur.

© SZ
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