Prozess am Landgericht MünchenSchenkung oder Darlehen? Lilly Becker streitet ums Geld

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Auftritt im Münchner Justizpalast: Sharlely Becker nimmt am Mittwoch Platz vor der 14. Zivilkammer am Landgericht München I.
Auftritt im Münchner Justizpalast: Sharlely Becker nimmt am Mittwoch Platz vor der 14. Zivilkammer am Landgericht München I. (Foto: Robert Haas)

Hat ein TV-Produzent der aktuellen Dschungel-Königin tatsächlich eine halbe Million Euro geschenkt? Und war er nun der „Boyfriend“ von Lilly, oder nicht? Die 14. Zivilkammer muss im Dickicht der unterschiedlichen Aussagen die Wahrheit finden.

Von Susi Wimmer

Die Uhr zeigt zehn vor Lilly und die Queen of Jungle kommt eilenden Schrittes nicht über den von Kameras ausgeleuchteten Haupteingang, sondern von hinten: Sharlely Becker, RTL-Dschungel-Königin und Ex von Bum-Bum-Boris Becker, sucht ausnahmsweise nicht den großen TV-Auftritt. Zwar böte der pompöse Justizpalast ausreichend Kulisse, doch vor der 14. Zivilkammer am Landgericht München I geht es um ganz andere Dinge. Um ein vermeintliches Darlehen, das ihr ein Freund gegeben haben soll in Höhe von 180 000 Euro, um die Definition von „Boyfriend“ und „Friend“ und um zwei Darlehensverträge, die Lilly Becker so nicht unterzeichnet haben will.

Es ist nicht das erste Mal, dass Lilly Becker, niederländisches Model, und TV-Produzent Pierre Uebelhack vor Gericht aufeinandertreffen. Vor genau einem Jahr hatte der Vorsitzende Richter Robert Englmann „the same procedure“ schon zu verhandeln. Die Parteien waren nach Darlegung der Sachlagen willens, den Streit außergerichtlich beizulegen. Allerdings, so verkündet Englmann nun, hätten Becker und Uebelhack recht unterschiedliche Ansichten an den Tag gelegt, was die Höhe der Zahlungen anbelange.

Lilly Becker wollte „eine große Lösung“, was heißt, dass sie die Forderung am deutschen Gericht in Höhe von 220 000 Euro (Zinsen und vorgerichtliche Anwaltskosten eingerechnet) verknüpfen wollte mit Uebelhacks Ansprüchen, die er in England vor einem Gericht einklagen will. Gut eine halbe Million Euro soll da zusammengekommen sein. Becker bot im außergerichtlichen Vergleich 150 000 Euro an, der Produzent wollte 350 000.

Nun wurde erneut verhandelt, und der Richter mahnte gleich zu Beginn die Wahrheitspflicht von Kläger und Beklagter an: „Es kann nicht sein, dass sie beide hundert Prozent die Wahrheit gesagt haben.“

Waren sie ein Paar nach der Trennung von Boris Becker?

Es scheiden sich allein schon die Geister bei der Frage, ob Lilly Becker und Pierre Uebelhack nach ihrer Trennung von Boris 2018 ein Paar waren. „Ich war verliebt“, sagt Uebelhack, man habe sich schöne Nachrichten geschrieben. Aber sie seien beide „sehr schnell“ der Meinung gewesen, dass eine Beziehung jetzt keinen Sinn mache, „sie im Scheidungsprozess und die viele Presse“. Lilly Becker spitzt die Lippen, fixiert ihn und wird später auf Englisch erwidern, dass das „beleidigend und sehr verletzend“ sei. Es sei eine „sehr enge und ernste Beziehung“ gewesen, sogar die Kinder von beiden seien involviert gewesen.

Aus Lilly Beckers Sicht habe sie ihr Ehemann nach der Trennung samt Kind auf die Straße gesetzt. „Und Boris hat versucht, mir Amadeus wegzunehmen.“ Finanziell sei sie damals über die Runden gekommen, aber dann seien hohe Anwaltsrechnungen ins Haus geflattert. Uebelhack erzählt, dass Becker die Miete für das neue Haus in London ein Jahr im Voraus zu zahlen hatte. Und dann war da noch der Privatdetektiv, der für Lilly das Vermögen ihres damaligen Noch-Mannes ausspionieren sollte.

„Von Rückzahlungen war nie die Rede“, behauptet Becker. „Wir waren ein Team, Pierre hat alles für mich bezahlt.“ Sie habe auch nie einen Darlehensvertrag unterschrieben und nie ihre Agentur damit beauftragt, ihre Signatur unter diese Dokumente zu setzen. Denn Uebelhack legte zwei Darlehensverträge vor, die Lilly Becker unterschrieben haben soll.

Im Jahr 2017 stehen Boris Becker und seine damalige Ehefrau Lilly für die ARD-Quizsendung „Paarduell“ im Studio.
Im Jahr 2017 stehen Boris Becker und seine damalige Ehefrau Lilly für die ARD-Quizsendung „Paarduell“ im Studio. (Foto: Rolf Vennenbernd/dpa)

Auftritt Sascha Rinne: Der Künstlermanager hatte Lilly Becker unter Vertrag und ist auch bestens bekannt mit Pierre Uebelhack. „Pierre musste eine Hypothek auf eine Immobilie aufnehmen, um Lilly das Geld zu geben“, erzählt er vor Gericht. Im Jahr 2019 sei Pierre zu ihm gekommen, er habe sich unwohl gefühlt mit den großen Geldsummen. Und er habe ihn gebeten, Lilly bei der Aufzeichnung der Fernsehproduktion „Stars im Spiegel“ in Köln die Darlehensverträge zur Unterschrift zu übergeben. Die Dokumente seien dann aber verschwunden.

Bei Lilly sei es üblich gewesen, dass sie bei Job-Verträgen eine eingescannte Blanko-Unterschrift nach Rücksprache mit ihr eingesetzt hätten. Also habe er Lilly angerufen und gefragt, ob er ihre Unterschrift für die Darlehensverträge verwenden könne und sie habe Ja gesagt. „Ich dachte immer, dass sie Pierre alles zurückzahlt, wenn sie Geld hat. Aber das war wohl eine Fehlannahme.“

Mit blutigem Rinderhirn und Ziegenanus zwischen den Zähnen schluckte sich Lilly Becker im Januar bis zur Dschungel-Krone, gewann 100 000 Euro. Dazu noch die RTL-Gage für ihren Camp-Aufenthalt. Ob sie einen Löwenanteil davon an ihren Ex oder Nicht-Ex abgeben muss, wird Richter Englmann im April verkünden.

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