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Lieferservices:Das sind die unbeliebtesten Menschen der Stadt

Ein Fahrradkurier ist für den Lieferservice Foodora unterwegs.

(Foto: Catherina Hess)

Sie tragen Kleider in grellen Farben und einen Kasten. Man trifft sie in Burrito- und Burgerläden, aber eben leider nicht in der Warteschlange.

Kolumne von Laura Kaufmann

Es gibt Berufsgruppen, die rangieren in der allgemeinen Beliebtheitsskala ganz weit unten. An einer dieser Gruppen bleiben neuerdings die genervten Blicke hungriger Stadtbewohner hängen. Sie sind in schrille Farben gekleidet, in Türkis oder Pink, und diese Farben sind den Wartenden ein rotes Tuch. Die Wartenden stehen zum Beispiel in einem der neuen Bowl-, Burrito- oder Burgerläden an, und sie wollen vor allem eines: bald etwas essen.

Dafür sind sie an diesem kalten Frühlingsabend in den Sprühregen hinausgegangen, statt vom Sofa aus etwas zu bestellen. Aber die, die sich für die Essensbeschaffung nicht weiter bemühen, die nur im Warmen mit ihren Fingern in einer App herumtippen, die werden jetzt scheinbar bevorzugt. Denn der türkis oder pink gekleidete Bote geht wie selbstverständlich an der Schlange vorbei und bleibt in dem schmalen Laden an allen hängen mit seinem sperrigen Kasten.

Nun kann er natürlich am allerwenigsten etwas dafür, "don't kill the messenger" heißt es im Englischen, töte nicht den Boten. Die Blicke aus der Schlange sagen das Gegenteil. Dieser Bote ist mit Übertreten der Schwelle der unbeliebteste Mensch im Laden. Wie viele Gerichte holt der wohl ab, rätseln alle, und plötzlich erscheint die Schlange doppelt so lang wie eben noch, unerträglich. Mit hungrigen Menschen ist nicht zu spaßen. Zum Glück ist bisher nichts von Angriffen auf unschuldige Lieferservicefahrer bekannt, ebenso wenig wie vom plötzlichen Hungertod eines Wartenden; am Ende ist dann doch für alle etwas übrig.

Hat der Bote den Spießrutenlauf durchs Lokal gemeistert, ist er wieder durch die halbe Stadt gefahren, mit abgefrorenen Händen, wartet endlich der gute Teil auf ihn. Das Essen einem hungrigen Wartenden entgegenzustrecken. Mit Glück hat der ein Lächeln übrig. Mit Pech ein: "Das hat aber lang gedauert!"

© SZ vom 04.05.2017/libo

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