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Liedermacher:Gefeiert wird auf der Bühne - wie immer

Auch das wurde er mehr oder weniger durch einen Nasenstüber des Schicksals. Denn seine eigenwilligen frühen Songs ("Die sadopoetischen Gesänge des Konstantin Amadeus Wecker" hieß seine erste LP von 1973) waren kein durchschlagender Erfolg: "Das kam in den Kleinkunstbühnen wie dem Song Parnaß" nicht so gut an. Aber in der Schwulenbar der Chansonette Micaela. Die habe ich begleitet, und sie hat mich intensiv zu Brecht und Hollaender geführt."

Bald darauf ist ihm dann "Der Willy" passiert. Das Lied über den totgeschlagenen Querdenker, gleichzeitig ein Abgesang auf das, was aus der Achtundsechziger-Bewegung geworden war, ist bis heute Weckers berühmtestes. Entstanden während einer Probe mit seinem Team Musikon in einem Nebenraum an einem alten Klavier, binnen einer Viertelstunde. "Meine Musiker haben mich dann gezwungen, das eigentlich private, für mich atypische Lied mit auf die Platte zu nehmen." Fortan war Wecker auch ein politischer Sänger.

Doch wenn ihn bis heute viele für einen radikalen Linken oder einen Kommunisten halten, ist das ein Missverständnis. "Meine großen Feinde waren damals ja nicht die Konservativen, sondern die Linken, also KPD/ML und wie die alle hießen. Die haben die Bühne gestürmt." Das war damals auch der Grund, sich in der Toskana ein Refugium zu schaffen, wo er bis heute seine kreativsten Schübe hat.

Nie war Wecker in einer Partei, und trotz seiner langjährigen Verbundenheit zur Lach- und Schießgesellschaft oder dem "Scheibenwischer" sieht er sich auch nicht als politischer Kabarettist: "Beim Kabarett war ich nur wegen meiner Freundschaft zu Dieter Hildebrandt, der meine Lieder mochte und mich als musikalischen Beitrag eingebaut hat." Vielmehr war der - von der Lektüre Henry Millers befeuerte - Anarchismus früh Weckers Grundhaltung, die Sehnsucht nach einer "herrschaftsfreien Gesellschaft", verbunden mit einem radikalen Pazifismus und einer zunehmenden Hinwendung zum Mystizismus.

So scheint Wecker seinen Frieden mit sich gemacht zu haben, was sich auch in seiner Gefühlslage äußert: "Der 50. Geburtstag war furchtbar für mich. Das war irgendwie das Ende der Jugend, alles ist vorbei, dachte ich. Der sechzigste war genauso schrecklich. Die Zahl hältst du nicht aus, dachte ich mir. Beim siebzigsten ist es jetzt anders: Irgendwann nimmt man sein Alter an und freut sich, dass man noch fit ist. Dieses Problem der entschwundenen Jugend stellt sich nicht mehr."

Wie schon so oft feiert Wecker seinen Geburtstag nicht zu Hause oder mit einer Party, sondern auf der Bühne des mit so vielen Triumphen verbundenen Circus Krone. Gleich an drei Abenden rund um seinen Ehrentag am 1. Juni (plus einem Zusatztermin am 21. Juli) schart er seine Musiker, sein Publikum und viele befreundete Kollegen um sich.

Beschenkt hat er sich schon selbst, mit der im April erschienenen Autobiografie "Das ganze schrecklich schöne Leben" und der neuen Doppel-CD "Poesie und Widerstand", die auch den Stamm des Repertoires der Konzerte bildet. "Das ist nicht nur ein Best-of mit zwei neuen Liedern", betont Wecker, "wir haben meine Lieblingstitel, über 30, nach dem heutigen Stand komplett neu eingeübt und aufgenommen."

Auch nach 2500 Konzerten, 25 Studio- und 17 Live-Alben, 52 Film- und Fernsehmusiken, 28 Musicals, zwölf Bühnenmusiken, 31 Büchern und zwölf Hörbüchern bleibt Wecker unermüdlich: "Die Bühne hält mich lebendig. Das ist ein enormer Antrieb. Ich werde nie vergessen, wie ich zwei Jahre vor seinem Tod, also so 1997, bei August Everding in seinem Büro im Prinzregententheater war und in seinen Terminkalender schauen konnte: Da waren Eintragungen bis 2014 drin."

Konstantin Wecker: "Poesie und Widerstand", Donnerstag und Freitag, 1. und 2. Juni, und Freitag, 21. Juli, Circus Krone, Marsstraße 43

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