Kritik:Aufblühen

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Ein Liederabend mit "Blumenliedern": die Sopranistin Lauren Urquhart und der Pianist Gerrit Prießnitz im Kleinen Konzertsaal des Gasteig.

Von Klaus Kalchschmid, München

24 Jahre jung ist sie, die französisch-amerikanische lyrische Sopranistin Lauren Urquhart. Gerade wurde sie gefeiert als Sophie im "Rosenkavalier" an der Wiener Volksoper und singt dort bald Adele in der "Fledermaus". Zuvor gab sie in der Reihe "Winners & Masters" im Kleinen Konzertsaal des Gasteig mit Gerrit Prießnitz am Flügel einen feinen, kleinen Liederabend mit einer Lied-Blütenlese in des Wortes doppelter Bedeutung.

Urquhart begann mit dem immer noch unterschätzten und in Konzerten eher selten vertretenen Franzosen Reynaldo Hahn und dessen berühmtestem und eingängigstem Lied "À Chloris". Fünf weitere folgten, darunter das launige "C'est à Paris" und effektvoll aufrauschend "La Douce Paix". Auch in vier Liedern von Lee Hoiby nach Gedichten der wunderbaren Emily Dickinson war nicht nur Diktion und Artikulation der lyrischen Sopranistin herrlich klar, vielmehr verströmte ihr heller, leichter Sopran feine Farbschattierungen. Ebenfalls auf Englisch, nun mit Liedern des Briten Roger Quilter, beendete Urquhart ihr offizielles Programm.

Dazwischen sang sie mit fünfzehn "Blumenliedern" gegen die Tristesse des frühen Winters an. Schubert ("Heidenröslein", "Frühlingsglaube") und Schumann ("Du bist wie eine Blume", "Erstes Grün") durften nicht fehlen, aber es gab auch Entdeckungen wie das sanft melancholische "Zur Rosenzeit" von Edvard Grieg oder Zemlinskys "Das Rosenband" nach Klopstock im direkten Vergleich mit der Version von Richard Strauss. Der kleine Zyklus "Mädchenblumen" des 24-jährigen Strauss war vielleicht der Höhepunkt des ganzen Konzerts. Da konnte sich der silbrig schimmernde Sopran von Lauren Urquhart, der in der hohen Mittellage am schönsten und raffiniertesten klingt, in verschiedenen Liedern frei entfalten. Sei es in den schlichten "Kornblumen", den exaltierten "Mohnblumen", zauberisch leuchtend in "Epheu" oder in der berühmten, traumhaft schwebenden "Wasserrose". In der sonnenhell glitzernden Klavierbegleitung zu diesem Lied erwies sich der fabelhafte Gerrit Prießnitz wie im übrigen Programm als ebenso subtil wie prägnant mitgestaltender Klavierpartner.

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