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Lieder über München:Wie Willy Astor den FC Bayern zum "Stern des Südens" machte

Rotkehlchen: Dort, wo heute Rugby-Tore stehen, hat Willy Astor im Sommer 1998 seine Hymne erstmals live für die Fans der Roten gesungen.

(Foto: Robert Haas)

Der Münchner Künstler hatte genau einen Hit in seiner Karriere. Der aber wurde zur Hymne und sogar von Lang Lang gecovert.

Schon sein Name ist eine Hymne auf den Fußball. Er endet auf Tor, und die zwei Buchstaben davor kann man durchaus als kleines Ass interpretieren. Sportlich übersetzt könnte Astor also bedeuten: der beste Verwerter. Der Budenkönig. Eins-a-Abstauber.

Im Olympiastadion ragen Rugby-Tore in den Himmel, aber das ist Willy Astor herzlich wurscht. Der Kabarettist und Musiker hat nur Augen für den Fußball, den der Fotograf als Requisit mitgebracht hat. Mit einem passablen Steilpass bringt er seine Buben ins Spiel, die aufs Feld flitzen wie Schalker Stürmer, die eine Meisterschaft bejubeln, die dann doch keine wird. Luis und Lenn, drei und sechs Jahre alt, dürften ihren Papa an diesem Augusttag noch ein bisserl mehr lieb haben als sonst.

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Einmal dort Bälle kicken, wo Beckenbauer & Co. Fußballgeschichte geschrieben haben, das elektrisiert generationenübergreifend. Garantiert. Dass der Rasen, auf dem sich die Astorsche Dreierkette gerade bewegt, längst nicht mehr heilig ist, geschenkt. In ein paar Wochen, zur Wiesn, werden hier bei einem Länder-Turnier Rugby-Eier getreten, während der FC Bayern in Fröttmaning das Gewinnen perfektioniert.

Der 55-Jährige schnauft durch und lässt den Blick hinüber zur Südkurve des Stadions schweifen. Die Sonne strahlt, der Himmel so blau wie der andere Verein. "Hier haben wir den Stern zur Saisoneröffnung 1998 zum ersten Mal vor Publikum gespielt. Ich war nervös, aber er wurde sofort angenommen. Nicht ekstatisch gefeiert, aber angenommen."

Willy Astor wird noch öfter "der Stern" sagen, wenn er vom "Stern des Südens" erzählt. Jenem Lied, das er vor beinahe 20 Jahren geschrieben hat. Jenem Lied, das in ein Dutzend Sprachen übersetzt wurde und dessen Zeilen Hunderttausende Fans, wenn nicht gar Millionen kennen. Jenem Lied, das er zehn Mal auf dem Münchner Rathausbalkon und bei Geburtstagsfeiern des FC Bayern anstimmen durfte.

"Der Stern" ist der einzige Chart-Hit seiner Karriere, er verkaufte sich im ersten halben Jahr etwa 100 000 Mal. Kein Wunder, dass Willy Astor den Song als "Geschenk in meiner Künstlerkarriere" bezeichnet. Er sagt: "Das ist ein Teil meiner Kunst, für den ich mich nicht schämen muss."

Gut, da dürften die Meinungen auseinandergehen, zumindest unter Fußballfans, weil Fußballfans nun mal gerne giften. Fakt ist aber, dass Astor eines der populärsten München-Lieder und ein zeitloses Stück Fan-Kultur gelungen ist. "FC Bayern, Stern des Südens, du wirst niemals untergehen. Weil wir in guten wie in schlechten Zeiten zueinander stehen."

Der Refrain war als erstes da, die Melodie schnell gefunden. Eine Eigeninitiative war das, keine Auftragsarbeit, wie hier und da zu lesen ist. "Man darf nicht nach Glanz und Ruhm schielen", sagt der Komponist, "man macht es einfach". Der FC Bayern hatte ja in den Neunzigerjahren bereits "Forever Number One", das andere Stück. "Aber mir war die alte Hymne zu langsam, ich habe mich gelangweilt. Ich wollte was Rockiges", erzählt Astor, der schon ein Roter war, als er als Straßenfußballknirps im Hasenbergl einen auf Karl-Heinz Rummenigge machte.