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Lichtplanerbüro präsentiert die Effekte:Generalprobe mit dem Handscheinwerfer

Pasings Zentrum bekommt ein seit Jahren erwünschtes Beleuchtungskonzept. Im Frühjahr soll die Installation der Lampen beginnen, von Herbst an wird die Achse zwischen Bahnhof und Rathaus in neuem Glanz erstrahlen

Von Kilian Beck

Mit einem Strahler in der Hand steht Florian Zach auf einem Parkplatz an der Bäckerstraße. Sobald der Architekt vom Lichtplanerbüro 3lpi seine starke Lampe anschaltet, ist das aufwendige Wandgemälde von Martin Blumöhr hell erleuchtet. "So wird es ungefähr aussehen, wenn die Strahler montiert sind", sagt er. Blumöhrs Kunstwerk ist ein Teil des Ambiente-Beleuchtungsprojektes im Pasinger Zentrum. Das bestehe, so Zach, aus zwei Elementen: beleuchteten Fassaden und zusätzlicher Beleuchtung von Sichtachsen, die den Pasinger Marienplatz, an dem sie enden, "einladender" gestalten sollen.

"Das ist ein wichtiger Baustein zur Aufwertung des Pasinger Zentrums", sagt der Bezirksausschuss-Vorsitzende Frieder Vogelsgesang (CSU). Die Idee eines besonders ausgeleuchteten Pasinger Zentrums in der Weihnachtszeit sei schon mehr als ein Jahrzehnt alt. 2019 habe sich dann wegen der stadtweiten Erhöhung der Bezirksausschuss-Budgets und der Zusammenarbeit mit der Münchner Gesellschaft für Stadterneuerung (MGS) die günstige Gelegenheit geboten, sie umzusetzen, resümiert Vogelsgesang. Aus der ursprünglichen Idee eines weihnachtlichen Licht-Spektakels ist inzwischen ein ganzjähriges Beleuchtungskonzept geworden. Das lässt sich der Bezirksausschuss (BA) 147 000 Euro kosten. Das seien, wie Vogelsgesang betont, Mittel, die sonst nicht abgerufen worden wären. Weitere 30 000 Euro kommen aus dem Städtebauförderprogramm "Aktive Zentren Pasing", das die MGS verantwortet. Vertreter aus dem Viertel sind über eine Projektgruppe in die Pläne einbezogen worden. Die Initiatoren haben zwei Angebote eingeholt; den Zuschlag haben die Lichtplaner um Florian Zach bekommen.

Der beginnt die Demonstration seiner Pläne vor dem Pasinger Rathaus. Da noch keine Lampe installiert ist, arbeiten die Lichtplaner mit Handscheinwerfern. Nach einem kurzen Telefonat mit seinem Kollegen auf dem Hubsteiger neben dem Rathaus fällt Licht auf das Türmchen. "Bisschen höher. So ist's gut", instruiert Zach seinen Kollegen. Das Rathaus-Türmchen hebt sich durch das Licht vom inzwischen schwarzen Nachthimmel ab. Wenn er und seine Kollegen ihren Plan in die Tat umgesetzt haben, werde der Turm von innen heraus beleuchtet, erklärt Zach. So gebe es dann auch kein Streulicht in den Nachthimmel hinein. Zur Umsetzung des Konzepts werde 3lpi, so Zach, LED-Lampen verwenden. "So werden wir zur Beleuchtung des Türmchens weniger als zehn Watt brauchen."

Im Karree um den Pasinger Marienplatz erklärt Zach die Blickachsen, die die zweite Hälfte des Projekts ausmachen. Kronleuchter, wie er die von einem Aluminiumring umspannten Lampen nennt, sollen oberhalb der Straße eine Beleuchtung schaffen, "die dazu einlädt, ihr zu folgen". Zu Demonstrationszwecken leuchtet über dem Marienplatz ein warm-weißes LED-Band einen Blechring an. "Der ist noch viel zu hell, aber das wird wahrscheinlich die ungefähre Farbe", kommentiert Zach.

"Ich dachte, hier wird es blau ausgeleuchtet", echauffiert sich Klaus Herber, Vorsitzender des Kulturforums München-West. Er habe sich in der Projektgruppe dafür eingesetzt, dass die Beleuchtung auch "künstlerisch wertvoll" werde. Die Marienfarbe Blau wäre deshalb auf dem Platz wünschenswert gewesen, sagt Herber. Das sei auch der ursprüngliche Plan gewesen, entgegnet Zach. "Nur nutzt sich farbiges Licht im öffentlichen Raum schnell ab." Allerdings wäre eine farbige Beleuchtung zu bestimmten Anlässen durchaus denkbar und technisch möglich. "Eine endgültige Entscheidung dazu ist auch noch nicht gefallen", fügt Zach hinzu.

Am Ende der Kronleuchter-Blickachse, die vom Bahnhof zum Marienplatz verläuft, steht das denkmalgeschützte Kring-Haus. Dessen Fassade werde das Lichtplanungsbüro über drei Stockwerke in Szene setzen, erklärt Zach. Die Präsentation beginnt wieder vom Steiger aus, beim Turm auf dem Dach. Bereits das Licht eines Scheinwerfers zieht den Turm aus dem Dunkel des Nachthimmels. "Da werden wir mit drei Strahlern arbeiten", sagt Zach. Ein Stockwerk darunter soll die Kontur des Stuckbogens über einem Fenster hervorgehoben werden. Aus der Hand beleuchtet, strahlt noch Licht ins Fenster. "Bei der Installation werden wir darauf achten, dass kein Streulicht in die Fenster fällt", versichert der Architekt. Die Firma will die Fassade mit insgesamt zehn LED-Strahlern mit einer Gesamtleistung von 80 Watt beleuchten.

Aus der Erfahrung von anderen Projekten könne er sagen, dass es kein größeres Problem sei, eine Genehmigung für die Installation solcher Lampen an einer denkmalgeschützten Fassade zu bekommen, da sie sehr klein und einfach zu kaschieren seien. Man habe über die Auftraggeber bereits informell bei der Unteren Denkmalschutzbehörde angefragt, könne aber, bevor die Planung konkreter werde, keine Genehmigung beantragen. "Wir haben bisher bei keinem Projekt die Genehmigung nicht bekommen", sagt Zach. Konkret wird es im kommenden Frühjahr, dann wird laut Frieder Vogelsgesang die Installation der Lampen beginnen. Im Herbst soll Pasings Zentrum in ungekanntem Glanz erstrahlen. "Ich hoffe", sagt der Bezirksausschuss-Vorsitzende, "dass das den ein oder anderen Einzelhändler nach Pasing bewegt und es für die Bürger einladender wirkt".

© SZ vom 28.09.2020

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