Gedenkkonzert:Der Klang der Hoffnung

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Isabelle Faust spielt Mozart, begleitet vom Mahler Chamber Orchestra. (Foto: Felix Broede)

Vor 77 Jahren spielten jüdische Musikerinnen und Musiker nach ihrer Befreiung ein Konzert in St. Ottilien. Das "Liberation Concert" mit der Geigerin Isabelle Faust und dem Bratschisten Antoine Tamestit erinnert daran.

Von Sofia Pavlu, Geltendorf

Mit dem heuer zum vierten Mal stattfindenden "Liberation Concert" erreicht das Klassikfestival "Ammerseerenade" den Höhepunkt seiner Erinnerungsarbeit und seiner musikalischen Raffinesse: Vor genau 77 Jahren gaben hier, in der bayerischen Erzabtei der Missionsbenediktiner, aus den Konzentrationslagern befreite jüdische Musikerinnen und Musiker ihr "Befreiungskonzert". Mit ihren notdürftig reparierten Instrumenten standen sie, noch in ihrer KZ-Häftlingskleidung, auf der provisorisch errichteten Bühne. Nur drei Wochen nach Kriegsende versammelten sich dafür am 27. Mai 1945 etwa 400 Zuschauer auf dem Rasen vor dem DP-Hospital St. Ottilien. In diesem eigens für Holocaust-Überlebende eingerichteten Hospital wurden zwischen 1945 und 1948 Hunderte sogenannte Ottilien-Babys geboren. Nun wird am 1. September in der Ottilienkapelle wieder an das historische Befreiungskonzert erinnert.

Zum Konzert am Originalschauplatz, das der gemeinnützige Verein Kultur am Ammersee e.V. seit 2018 organisiert, werden die Violinistin Isabelle Faust und der Bratschist Antoine Tamestit erwartet. Das renommierte Mahler Chamber Orchestra unter der Leitung von Matthew Truscott, begleitet die beiden international bekannten Musiker. Sie spielen Mozarts Sinfonia Concertante und die Linzer-Sinfonie.

Die litauische Kulturhauptstadt Kaunas entsendet zu diesem Anlass ihr Kaunas String Quartet. Denn zu dem "Liberation Concert" hat die zweitgrößte Stadt Litauens eine besondere Beziehung: Die Holocaust-Überlebenden und Musiker des Befreiungskonzertes von 1945 kamen ursprünglich aus dem jüdischen Kaunas-Ghetto. Auf dem Programm steht ihre Interpretation von "Svajoné/Dream" des litauischen Komponisten Juozas Naujalis. Zuerst spielen sie aber als Welturaufführung die Komposition "Liberation" des israelischen Komponisten Eliav Kohl.

Der Komponist ist der Enkel eines Holocaust-Überlebenden

Sein Werk hat der 38-jährige Komponist und Enkel einer Holocaust-Überlebenden während eines zweiwöchigen Aufenthalts im Kloster St. Ottilien geschrieben. Eine elfköpfige Jury hatte den ersten Künstler für das Projekt "Artist in Residence" im Vorjahr ausgewählt. Alle zwei Jahre sollen künftige Residenzkünstler auf dem Klostergelände für mehrere Wochen im Rahmen eines Stipendiums arbeiten. Eliav Kohl ließ seine Eindrücke der Atmosphäre in St. Ottilien in die Komposition einfließen.

Auf einer künstlerischen Ebene die Botschaft des Befreiungskonzertes aufrechterhalten, das will Doris M. Pospischil, die Veranstalterin des "Liberation Concert": "Der zweite Artist wird aus dem Bereich der Fotografie kommen." Aber auch andere Künstler oder Autoren seien gewünscht. Die Schirmherrschaft übernimmt seit jeher Charlotte Knobloch, Präsidentin der israelitischen Kultusgemeinde München und Oberbayern. Auch der Antisemitismusbeauftragte der Bundesregierung, Felix Klein, wird erwartet.

Liberation Concert, Erzabtei St. Ottilien , 1. Sept., ab 19.30 Uhr

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