Was läuft in der Literatur in MünchenLesungen von Salman Rushdie bis Siri Hustvedt

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Salman Rushdie ist nicht nur ein Meister der Schreibkunst, sondern auch der Resilienz.
Salman Rushdie ist nicht nur ein Meister der Schreibkunst, sondern auch der Resilienz. Bernd von Jutrczenka/picture alliance/dpa

Resilienz zeigen in allen Lebenslagen: Schriftsteller wie Salman Rushdie, Siri Hustvedt oder Tupoka Ogette demonstrieren das Ende März und in der ersten Aprilhälfte in ihren Lesungen in München.

Von Antje Weber

Aufstehen, wenn man am Boden liegt: Wenn jemand diese Fähigkeit immer wieder bewiesen hat, im wörtlichen wie übertragenen Sinne, dann Salman Rushdie. Der Schriftsteller hat sich nicht von der Fatwa beirren lassen, die ihn seit 1988 mit dem Tod bedroht. Er überlebte, wenn auch schwer verletzt, ein Attentat im Jahr 2022. Und immer machte, immer schreibt Salman Rushdie einfach weiter.

Nach dem Messerangriff, bei dem er ein Auge verlor, ist vor Kurzem bereits das dritte Buch von ihm erschienen. Den Erzählband „Die elfte Stunde“ stellt Rushdie nun in München vor – und er scheint darin, so der SZ-Kritiker, seinen „erschütternden Lebensoptimismus“ auch auf den Tod ausdehnen zu wollen. Die Lesung am Samstag, 21. März, im Literaturhaus (Saal ausverkauft, Stream verfügbar) wird ihn einmal mehr nicht nur als Meister der Schreibkunst, sondern auch der Resilienz zeigen.

Diese Resilienz hat auch Tupoka Ogette bewiesen. 1980 in Leipzig als Tochter eines tansanischen Studenten und einer deutschen Studentin geboren, wurde Rassismus für sie früh zum Thema. Wie es sich anfühlte, als Schwarzes Kind in der DDR und später im Westen aufzuwachsen, beschreibt die Bestsellerautorin („Exit Racism“) und Antirassismus-Trainerin nun im Memoir „Trotzdem zuhause“. Am 25. März stellt sie es an den Münchner Kammerspielen vor.

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Gleich zu fünft versuchen die Schwestern Tekkal, ihre Erfahrungen zu bündeln: „Wut und Wärme“ heißt das Buch von Düzen, Tezcan, Tuğba, Tülin und Tuna Tekkal, die mit inniger Schwesternschaft „Deutschland verändern“ wollen. In einer kurdisch-jesidischen Flüchtlingsfamilie aufgewachsen, tun sie dies schon seit Langem: als Publizistin, Fußballerin, Aktivistinnen. Ihr Buch will ein Manifest für ein neues Miteinander in schwierigen Zeiten sein (Literaturhaus, 25. März).

Wie man weitermacht in harten Zeiten, beschäftigt seit Langem auch die Autoren und Journalisten Hadija Haruna-Oelker und Max Czollek. Im Gespräch mit der Autorin und NS-Dokuzentrum-Leiterin Mirjam Zadoff („Wie wir überwintern“) besprechen sie im Live-Podcast „Trauer und Turnschuh“ in der Münchner Stadtbibliothek im HP 8 am 24. März, wie man es schafft, die Hoffnung nicht zu verlieren.

Hoffnungslosigkeit kann einen ja auch niederdrücken, blickt man in den Nahen Osten. Das will der Nahost-Experte Daniel Gerlach ändern: Zusammen mit Natalie Amiri spricht er im Carl-Orff-Saal des alten Gasteig am 31. März anhand seines Buches „Die Kunst des Friedens“ darüber, wie dieser aussehen könnte.

Wie lebt man in Diktaturen – und wie geht es weiter, wenn diese auseinanderfallen? Das beschäftigt auch die Schriftstellerin Dana Grigorcea, Kuratorin des kommenden Literaturfests München, in ihrem neuen Roman „Tanzende Frau, blauer Hahn“, der nur vordergründig von der Liebe handelt (Literaturhaus, 26. März).

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Von Antje Weber

Gewalt verarbeiten, indem man von ihr erzählt – das ist das Grundprinzip von Kriminalliteratur. Am 13. April beginnt der Krimi-Frühling. Der Auftakt-Abend zu True Crime ist bereits ausverkauft, doch auch Lesungen mit Peter Probst (23. April, Buchhandlung Glatteis), Anne Stern (23. April, Lehmkuhl) oder Alexander Eden (26. April, Eden Hotel Wolff) versprechen spannend zu werden – und hoffentlich die Resilienz gegenüber realer Gewalt zu stärken.

Resilienz hat viele Facetten – wenn der Schriftsteller Christoph Peters in seinem autofiktionalen Roman „Entzug“ über den Weg aus der Alkoholsucht schreibt, ist sie zweifellos vorhanden (Literaturhaus, 14. April).  Auch Trauer in Literatur zu verwandeln, wie dies Siri Hustvedt tut, zeugt von einiger Resilienz. Wie immer in ihren Werken durchziehen viele kluge Gedanken ihr Memoir „Ghost Stories“, das die New Yorker Star-Schriftstellerin über Krankheit und Tod ihres nicht minder berühmten Ehemanns Paul Auster geschrieben hat – erstaunlich viele intim wirkende Details inklusive. Welche Aspekte sie bei ihrer Lesung in der Großen Aula der LMU am 28. März wohl hervorheben wird?

Von Trauer durchwirkt ist auch der Lyrikband „Tagebuch einer Invasion“ von Oksana Maksymchuk, den sie am 15. April im Lyrik Kabinett vorstellt. Die ukrainische Lyrikerin, die zwischen den USA und Lwiw pendelt und demnächst drei Monate als Stipendiatin in der Villa Waldberta in Feldafing verbringen wird, verarbeitet darin den anhaltend grausamen Kriegsalltag in ihrer Heimat. Und doch scheint auch in ihren traurigen Zeilen vorsichtig der Sieg des Lebens inmitten von Leid und Tod durch: „Was das Leben angeht, es sagt ja / Immer – ja / Zwecklos, / das zu leugnen“.

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