Nichts bleibt im Leben, wie es ist. Man nehme nur die Liebe: „Wahrscheinlich geschieht es nur einmal, dass man sich voller Begeisterung für jemand anderen aufgibt. Diese Verwandlung im Namen der Liebe.“ So schreibt es Julia Schoch in ihrem neuen Roman „Wild nach einem wilden Traum“.
Das ist eine interessante These, doch der Anschluss ist womöglich noch interessanter: Mit historischen Großereignissen, so Schoch, verhalte es sich genauso: „Im Leben eines Menschen ist nur Platz für ein Riesenereignis (eine Revolution, einen Krieg, eine Nachkriegszeit, eine Utopie.)“ Auch wenn man danach ja nicht erstarre, sondern weiterlebe, habe man sich doch verausgabt: „Wir sind nicht gemacht für endlos viele Gefahren und Gegner, für tausend verschiedene Ängste oder immer neue Zukunftsphantasien.“
Darüber lässt sich lange nachdenken, besonders in der heutigen Zeit. Anfangen könnte man damit, die Münchner Lesung von Julia Schoch zu besuchen, die in all ihren Romanen klug und differenziert über die Liebe und das Leben nachdenkt (Literaturhaus, 19. Februar). Ansonsten steht angesichts der aktuellen politischen Lage auch das Sachbuch hoch im Kurs, und da ist insbesondere im Literaturhaus in den nächsten Wochen ebenfalls viel geboten.
Ein kleiner Ausschnitt: Die Soziologin Eva Illouz denkt dort über die „explosive Moderne“ nach (3.2., nur noch Stream-Tickets). Mit Jens Bisky kann man die Entwicklung begleiten, die vor einem Jahrhundert die Nazis an die Macht brachte: „Die Entscheidung. Deutschland 1929 bis 1934“ heißt sein Buch (5.2.). Einen Tag später erkunden die Schriftsteller Ines Geipel, Lukas Rietzschel und der Politiker Wolfgang Thierse die deutsch-deutsche Demokratiegeschichte nach dem Fall der Mauer. Und wenn ein Abend im Gedenken an die im Krieg getöteten ukrainischen Schriftsteller Volodymyr Vakulenko und Victoria Amelina den Titel „Ich verwandle mich“ trägt, dann ist das eine Verwandlung im Schmerz (20.2.).
Politisch wird es auch an anderen Veranstaltungsorten der Stadt. Im Salon Luitpold kann man sich zusammen mit dem Politiker Karl-Theodor zu Guttenberg und dem Diplomaten Eric Nelson fragen: „USA quo Vadis?“ (3.2.). Die Bayerische Akademie der Schönen Künste erinnert an den Schriftsteller und Holocaust-Überlebenden Jean Améry (12.2.), im Marstall arbeitet die Autorin Carolin Emcke „Gegen den Hass“ an (13.2.), im Muffatwerk die Aktivistin Luisa Neubauer für mehr Engagement fürs Klima (21.2.).
Ein bisschen Entspannung liefert ein Abend mit dem wunderbaren slowenischen Schriftsteller Aleš Šteger, der auch den Akkordeon-Spieler Jure Tori ins Lyrik Kabinett mitbringt (19.2.). Spannend ist es wiederum sicherlich, beim Tukan-Kreis in der Seidlvilla den Schriftsteller Feridun Zaimoglu zu erleben, der in seinem neuen Roman „Sohn ohne Vater“ vom Abschied vom Vater erzählt, von Schmerz und von Liebe (20.2.).
Liebe ist, untergründig, auch ein Thema des neuen Romans „Verzauberte Vorbestimmung“ von Jonas Lüscher, den er am 26. Februar im Literaturhaus vorstellt. Er erzählt auf verschiedenen Ebenen vom komplizierten Verhältnis zwischen Menschen und Maschinen, das für den Erzähler während einer Corona-Erkrankung eine existenzielle Bedeutung bekommt. Als Motto steht seinem Roman ein Liedtext von Peter Licht voran: „Die Technik wird uns retten und die Liebe auch.“

