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Lesereihe "LIX":Ortswechsel

Team Lix

Wollen das Kulturleben erhalten: die LIX-Organisatorinnen Rebecca Faber, Raphaela Bardutzky und Christina Madenach (von links).

(Foto: Franziskus Büscher)

Die Lesereihe "LIX" findet nun online statt. Im Fokus stehen dabei drei dezidiert politische Autoren

Von Marleen Beisheim

Bei der sechsten Ausgabe von "LIX", einer Art Picknicklesung im Juli, hat das Publikum den vorbeiziehenden Wolken und den Lesenden zugeschaut. Nun steht die achte Ausgabe der Lesereihe an - mit Zuschauern vor dem Bildschirm, die gleichzeitig zum Beispiel auch noch Nudeln kochen könnten. Vier Mal im Jahr findet "LIX - Literatur im Hoch X" statt, diesmal online aus dem Theater Hoch X, der Münchner Galerie Fructa Space, der Leipziger Bibliothek Monaliesa und der Schumann's Bar am Münchner Hofgarten. Die Organisatorinnen Rebecca Faber, Raphaela Bardutzky und Christina Madenach wollen "von Orten streamen, wo Kultur jetzt gerade nicht stattfinden kann". Diese Orte sollen belebt werden, damit das Kulturleben trotz Lockdown erhalten bleibt.

LIX ist eine unabhängige Lesereihe für gegenwärtige Texte unterschiedlichster Gattungen: Lyrik trifft auf Prosa oder Theatertext. Als Teil des Netzwerkes "Unabhängige Lesereihen" wollen die Organisatorinnen zeitgenössische, avantgardistische und unabhängige Literatur zeigen; insbesondere Texte mit gesellschaftlich relevanten Fragen. Zur Online-Ausgabe kommen nun drei Autorinnen und Autoren aus München und Leipzig, die diesmal einen "dezidiert politischen Schwerpunkt" haben, so die Organisatorinnen.

Hrvoje Milković liest aus seinem ersten Roman "Agram", für den er das Literaturstipendium der Stadt München erhalten hat. Über Heimat, Flucht, Krieg und Verbrechen schreibt er aus einer ausgefallenen Perspektive: Der Protagonist ist ein junger Produktdesigner, der nicht nach ethischen und moralischen Prinzipien handelt, sondern nach ästhetischen. Zugeschaltet aus Leipzig liest Kaśka Bryla aus ihrem Romandebüt "Roter Affe" (2020). Sie wechselt zwischen verschiedenen Perspektiven und Genres - ihr Buch ist Familiendrama, Thriller, Road Movie, Buddy Movie und stellenweise Theaterstück. Mit ihren Figuren zeigt sie Lebensentwürfe, die jenseits bürgerlicher Konventionen stehen. Illi Anna Heger zeichnet Comics und stellt "Herero Ecke Waterbergstraße" vor, einen Comic zur Kolonialgeschichte Deutschlands. Das erste Bild des Comics zeigt Heger vor dem Münchner Straßenschild der Hererostraße und stellt die Frage, was Deutschland mit den Ovaherero zu tun hat. Die Lesungen werden von Einführungen und Gesprächen mit den Organisatorinnen begleitet.

Kleine Literaturveranstalter gehen unterschiedlich mit der derzeitigen Situation um, einige bieten wie LIX kostenlose Streams an, andere verkaufen Tickets. So findet gleichzeitig mit LIX auch die "RationalFernsammlung" statt, so nennt sich die Online-Version der Lesebühne "Rationalversammlung". Tickets können bis um 19 Uhr auf der Website des Milla Clubs gekauft werden.

LIX - Literatur im Hoch X, Dienstag, 17. November, 20 Uhr, Anmeldung zum Livestream unter reservierung@theater-hochx.de

© SZ vom 17.11.2020

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