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Lerchenau:Mobil gegen den Bahnlärm

Recht auf Ruhe - das fordern die Demonstranten in der Lerchenau. Sie haben sich mit ihren Transparenten eigens an den Gleisen postiert.

(Foto: Stephan Rumpf)

Demonstranten fürchten mehr Güterzüge in der Feldmochinger Kurve

Gunda Reindl lebt seit ihrer Geburt in der Lerchenau und genauso lange kann sie ungehindert auf das Bahngleis blicken, das nur wenige Schritte von ihrer Wohnung in der Berberitzenstraße entfernt ist - ohne Lärmschutz, der beim Trassenbau vor vielen Jahrzehnten offensichtlich ausgelassen wurde. Das durchs Wohnviertel verlaufende Gleis nutzt die Bahn für den Güterverkehr. Früher, sagt die 76-Jährige, sei die Belastung minimal gewesen. In den vergangenen Jahren habe sich der Verkehr aber vergrößert, auf etwa 20 bis 25 Züge pro Tag. "Ein Lärmschutz wäre ein Segen." Den Wunsch nach Schutz hegt Reindl auch wegen ihrer Befürchtung, dass der Gleisverkehr noch weiter ansteigen werde, wenn die sogenannte Feldmochinger Kurve reaktiviert wird, die einige Meter südlich von Reindls Haus liegt.

Seit einem Jahr verunsichert die Bewohner der Lerchenau die Planung der Deutschen Bahn, im Zuge eines Neubau eines elektronischen Stellwerks in Milbertshofen die Feldmochinger Kurve wieder zu befahren; die Kurve ist ein derzeit noch lückenhaftes, kurzes Verbindungsgleis zwischen dem Bahnnordring und der Güterverkehrsstrecke in Richtung Feldmoching. Am Samstagmittag sind Gunda Reindl und, laut der Polizei, 250 weitere Bewohner durch das Viertel und entlang der Gleise gewandert, um ihrer Verunsicherung Ausdruck zu verleihen. Zum Protest aufgerufen hatte der wegen der Bahn-Pläne entstandene "Aktionskreis contra Bahnlärm München Nord" (AcB), der bei der Demo eine Neuigkeit auf sein bisheriges Engagement zurückführte: Die Reaktivierung soll laut Planungsreferat in einem gesonderten Verfahren genehmigt werden, abgekoppelt vom Verfahren für das Stellwerk.

Mehr Lärmbelastung befürchten die Bewohner etwa, weil eine ältere Planung der Bahn 40 zusätzliche Züge vorsehe; bei der jüngsten Bürgerversammlung hatte ein Mitarbeiter der Verwaltung erklärt, die Stadt rechne mit 19 Zügen mehr pro Tag. Der Landtagsabgeordnete Joachim Unterländer (CSU) sagte, er werde aus dem Bayerischen Landtag von der Bahn Klärung verlangen, wie die Neutrasse tatsächlich genutzt werden soll - denn bisherige Angaben ähnelten eher einer "Verschleierungstaktik".

Ein Demo-Transparent verlangte ein "Recht auf Ruhe". Der AcB fordert etwa eine Beschränkung auf maximal 30 Züge pro Tag und ferner Maßnahmen wie Schutzwände und lärmdämpfende Techniken an Schienen und Zügen. Ob ein Lärmschutz kommt, ist offen. Stefanie Bartle vom AcB hat in den Unterlagen der Bahn für das Planfeststellungsverfahren entdeckt, dass bezüglich eines Lärmschutzes "Entfällt" geschrieben steht: Bei Bestandsstrecken ist die Bahn zu keinem Lärmschutz verpflichtet.