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Drama:Bis dass der Tod sie scheidet

Anne Lenk inszeniert Becketts "Endspiel" am Residenztheater. Der Klassiker erzählt von vier Menschen, die nicht miteinander können - aber erst recht nicht ohne einander.

Nie hat jemand wieder so faszinierend über den Stillstand geschrieben wie Samuel Beckett. Seine Figuren sind Erstarrte, in Mustern Gefangene, denen ihre poetische Sprache eine große Erhabenheit verleiht. Das Stück "Endspiel", uraufgeführt 1957 in London, ist zum Beispiel eigentlich hochgradig deprimierend - Endzeitstimmung, verkrüppelte Menschen, Unglück - und dennoch von großer Leichtigkeit. Schauspieler mögen meist gern Becketts Stücke spielen, gerade wegen dieser Leichtigkeit. Für Regisseure wiederum ist Beckett knifflig. Denn ein Regisseur muss sich festlegen, interpretieren, Aussagen treffen - wo Beckett sich stets gegen Deutungsversuche gewehrt hat.

Anne Lenk probiert es nun mit "Endspiel", das sie am Residenztheater inszeniert. Nicht im Marstall oder im Cuvilliés-theater, sondern auf der großen Bühne. Ihre vier Schauspieler sind Oliver Nägele, Franz Pätzold, Ulrike Willenbacher und Manfred Zapatka. Die Situation in Endspiel ist folgende: Vier Menschen sind in einem Raum zusammen, abgeschieden von der Außenwelt. Draußen könnte vielleicht das Ende der Welt angebrochen sein, man weiß es nicht, jedenfalls ist niemand sonst mehr am Leben. In Mülltonnen hausen Nagg und Nell, ein altes Ehepaar, das seine Beine bei einem Fahrradunfall verloren hat. Gelähmt und blind sitzt ihr Sohn Hamm (Nägele) in einem Stuhl, versorgt vom wesentlich jüngeren Clov (Pätzold), seinem Diener. In Sprache und Spiel ringen sie um die Fortführung ihres gemeinsamen, tristen Alltags. Sie hassen sich, sie brauchen, sie drohen, sie beschuldigen einander. Clov, der am wenigsten physisch versehrte unter den Vieren, kündigt immer wieder an, Hamm verlassen zu wollen. Tut er aber nicht. Vielleicht auch, weil Hamm über die letzten Lebensmittel verfügt.

"Endspiel" erzählt, und das mit feinster Komik, von der Ausweglosigkeit des menschlichen Daseins, vom komplizierten Verhältnis einem Diener und seinem Herren, von alt und jung, von Mann und Frau. Es ist aber vor allem ein Stück über das Spielen: das Spiel ums Überleben, das Spiel zum Zeitvertreib - und das Spiel, das nie enden wird. Ein Thema, das in Martin Kušejs letztem Jahr als Intendant des Residenztheaters immer wieder auf der Bühne auftaucht.

Endspiel, Freitag, 16. November, 19.30 Uhr, Residenztheater, Max-Joseph-Platz 1, t 21 85 19 40

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