Das ist schön:Zum Kugeln

Das Münchner Lenbachhaus betreibt seit Neuestem einen digitalen "Open Space". Der ist offen für alle und für Vieles.

Von Jürgen Moises, München

Als es vor ein paar Tagen losging mit "Collaboratory", da wurde das von der Kulturstiftung des Bundes geförderte Projekt auf der Webseite des Lenbachhauses groß mit Bild und Worten beworben. Es sei der "digitale Open Space des Lenbachhauses". Ein "Raum für Austausch und gemeinsame Aktionen", der "neben Altbau, Neubau, Kunstbau und Garten zum fünften Teil des Ensembles Lenbachhaus werden" soll. Und groß ist Collaboratory. "Open Space" heißt es zum einen, weil der Zugang allen offen steht. Das heißt allen, die über Computer und Internet verfügen. Die müssen nur auf collaboratory-lenbachhaus.de gehen und nach ein paar Klicks, dem Aussuchen eines Namens und einer Farbe geht es rein. Zum anderen ist der Raum aber auch in dem Sinne "offen", dass man ihn, verwandelt in eine bunte Kugel, frei in alle Richtungen erkunden kann.

Man kann mit Maus- und Pfeiltasten nach rechts und links, vorne und hinten rollen und mithilfe der Leertaste sogar fliegen. Man kann andere Kugeln anstoßen und mit ihnen chatten. Es gibt eine "Bühne", wo aktuell die Videos von der Eröffnung laufen. Es gibt "interaktive Soundelemente": verpixelt aussehende "Ruinen", die man anfahren kann. Man hört Klänge, die unter anderem vom Elektronikduo Mouse on Mars stammen. Es gibt weiße Klötze zum Einfärben und dann ist da noch der "Laden 2021", wo man Bilder von "lustigen, geliebten, gehassten...oder unnützen Alltagsobjekten" ansehen oder selbst hochladen kann. Das Ganze ist inspiriert vom Kuriositäten-Laden, den Hans-Peter Feldmann 1975 bis 2015 in Düsseldorf betrieb und der sich wiederaufgebaut als Installation im Lenbachhaus befindet.

Und sonst? Unendliche Weiten, bestehend aus geometrischen, grünweißen Gittern. Das kennt man so ähnlich von "Open-World-Games" wie "Grand Theft Auto", "Zelda" oder "The Crew", wo man teilweise mehr als 1000 Kilometer zurücklegen kann. Nur während es dort recht viel zu sehen und erleben gibt, passiert in "Collaboratory" nichts. Man hüpft, rollt oder fliegt endlos. In der richtigen Stimmung geradezu meditativ. Das Nirvana könnte man sich in etwa so vorstellen.

Aber Gemach, es soll ja noch so Einiges stattfinden im Collaboratory. Ein Projekt mit Schulklassen, die dort digitale "Zines" gestalten sollen. Ein neues "Modul" zum Thema "Safe Spaces", ein weiteres, bei dem Kinder Texte zu Kunstwerken verfassen können sowie einen Programmierworkshop für Jugendliche. Alles soll partizipativ sein und einen offenen Austausch auch in Pandemiezeiten ermöglichen. Klingt gut, nur ob man damit auch junge "Grand Theft Auto"- oder "Zelda"-Fans beeindrucken kann? Aber vielleicht hilft es ja, dass sich ein paar über den "Open Space" ins reale Lenbachhaus verirren. Und das wäre doch auch ganz schön.

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