Wer am Königsplatz aus einer U-Bahn steigt, sieht den Kunstbau des Lenbachhauses mal etwas anders: Wo sonst Ausstellungen zeitgenössischer Kunst gezeigt werden, spielen nun Kinder in dem geräumigen Zwischengeschoss. Da wird gebastelt, gebaut, musiziert und getanzt. Jeder darf kommen und kreativ werden – oder auch einfach nur einen Kaffee trinken. Im hinteren Teil des Raumes haben Besucher es sich zum Lesen auf Sitzsäcken bequem gemacht, während weiter vorn Kinder und Erwachsene eifrig töpfern. Mit dem Projekt „Hallo, mein Name ist Kunstbau“ hat sich der Ausstellungsraum des Lenbachhauses in einen temporären Ort der Begegnung und der kreativen Möglichkeiten verwandelt.
„Für die Zukunft brauchen Museen Räume, in denen die Leute Mitsprache haben und mitgestalten können“, erklärt die Kunstpädagogin und Programmleiterin Mona Feyrer. Ein Museum müsse mehr sein als ein reiner Konsumort. „Wir wollen herausfinden, wie Räume und Programme so gestaltet werden können, dass jeder Lust hat mitzumachen, zu lernen und sich im Museum willkommen fühlt.“ Um dieser Frage nachzugehen, laden die Projektleiterinnen Künstler und Kollektive ein, um mit ihnen Workshops und Veranstaltungen zu organisieren.
Der Kunstbau wird dadurch auch zum Experimentierfeld und zur Inspiration, um die Vermittlungsräume des Lenbachhauses neu zu gestalten. Auf dem Plan stehen offene Tanz- und Spielangebote genauso wie Musik- und Bastel-Workshops oder abendliche Konzerte. Eine hohe Priorität hat immer eine weitgehende Barrierefreiheit sowie der spielerische Zugang zur Kunst. Möglichst jeder soll diesen öffentlichen Raum mitgestalten können.
Durch die täglichen Aktionen wandelt sich der Kunstbau ständig. „Anfangs war die Halle noch ziemlich leer“, sagt Annabell Lachner, die gemeinsam mit Mona Freyer und Wen-Ling-Chung das Projekt leitet. Inzwischen stehen im gesamten Raum Werke aus Holzbalken und Brettern. An manchen hängen Instrumente und Lautsprecher, während andere durch Rollen mobil gemacht wurden. Es sind Ergebnisse des Workshops „No Rules just Tools“ des Vereins „Raumfragen“.
Dessen Mitglieder sind Künstler, die sich bereits seit Jahren mit kollaborativen, soziokulturellen Projekten im Stadtraum beschäftigen. Jetzt laden sie zum Nähen, Bauen oder Formen in den Kunstbau ein – ganz ohne Anmeldung oder Eintrittskosten. Zuletzt drehte sich dabei alles um Ton: Gemeinsam töpferten Kinder und Erwachsene ein Kunstwerk, das ein bisschen wie eine kleine Stadt aussieht.
„Das gemeinsame Arbeiten mit den Händen erleichtert es Menschen aller Altersklassen und Gesellschaftsschichten, ins Gespräch zu kommen“, sagt Mona Feyrer. Von Dienstag bis Sonntag ist hier jeder eingeladen, spontan vorbeizuschauen und mitzugestalten – oder sich einfach mit einem Tee oder Kaffee auf den Sitzsäcken zu entspannen.
Hallo, mein Name ist Kunstbau, Königsplatz, bis 3. August

