Leistungsüberblick:So teuer wären Kultur und Kita ohne städtische Subventionen

Stadtteilbibliothek in München Hadern, 2011

Attraktiv gestaltet ist die Leselounge in der Stadtteilbücherei Hadern der Münchner Stadtbibliothek.

(Foto: Alessandra Schellnegger)
  • Einmal im Jahr macht die Kämmerei deutlich, was die Münchner bezahlen müssten, wenn es keine Zuschüsse gäbe.
  • 104 Euro für den Eintritt im Stadtmuseum. Ein Konzertbesuch ist mit rund 100 Euro subventioniert.
  • Die Kita-Gebühren decken gerade mal 14,3 Prozent der Ausgaben.

Von Dominik Hutter

Was wäre München ohne seine Kammerspiele, seine Orchester, seine Bibliotheken und seine sozialen Einrichtungen? Kämmerer Ernst Wolowicz will deshalb erklärtermaßen keine Institution an den Pranger oder gar in Frage stellen, wenn er einmal pro Jahr seinen Bericht über Leistungen und Gebühren vorstellt. Es geht um die Zuschüsse, die München für sein Kulturleben, für Bildung und Kinderbetreuung, aber auch für Unterhaltung ausgibt.

Ohne dieses Geld würden viele Eintrittskarten, ins Stadtmuseum etwa oder zu einer Vorstellung der Kammerspiele, mehr als 100 Euro kosten. Die folgende Aufzählung ist nicht vollständig, die Zahlen stammen - da die von 2016 noch nicht vorliegen - aus dem Jahr 2015. Wichtige Kulturtempel wie das National- und Residenztheater oder die Pinakotheken tauchen in Wolowiczs Auswahl nicht auf, sie gehören dem Freistaat Bayern und werden aus staatlichen Kassen bezuschusst.

Stadtmuseum

Die Sammlung am Jakobsplatz zählt aus der Perspektive des Kämmerers zu den Sorgenkindern des Rathauses. In manchen Jahren muss das Rathaus jede Eintrittskarte mit mehr als 100 Euro sponsern - vermutlich wären nur wenige Besucher bereit, kostendeckende 104 Euro Eintritt (ermäßigt 102) zu bezahlen. Aktuell hat sich die Situation verbessert: Wolowicz schießt "nur" 86,62 Euro je Ticket zu, der Kostendeckungsgrad liegt bei (immer noch mageren) 6,4 Prozent. Ein wesentlicher Grund für die insgesamt positive Entwicklung dürfte das gestiegene Interesse sein: 172 201 Leute besuchten die Dauerausstellung oder eine der 14 Wechselausstellungen, das ist ein Plus von mehr als 20 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Künftige Investitionen nicht berücksichtigt, erhält das Stadtmuseum knapp 15 Millionen Euro Zuschuss.

Philharmoniker

Weltberühmt - und ähnlich teuer wie das Stadtmuseum. 100,43 Euro schießt die Stadt für jeden der 187 597 Konzertbesucher zu. Das Interesse ist im Vergleich zum Vorjahr leicht gesunken, der Kostendeckungsgrad daher auch: auf nunmehr 27,9 Prozent. Dafür bot das städtische Orchester 95 Auftritte in München und 15 in anderen Sälen im In- und Ausland. Alles in allem beträgt der jährliche Zuschuss 18,7 Millionen Euro.

Tierpark, Kammerspiele und Volkstheater

Tierpark Hellabrunn

Kleine Tiere, das zieht immer. Vor allem bei den Kleinen. Finanziell betrachtet, ist der Tierpark daher nahezu ein Selbstläufer. 1,02 Euro je Zuschauer hat die Stadt nach Hellabrunn überwiesen, macht bei 2,08 Millionen zahlenden Tierfans eine Jahressumme von 2,1 Millionen Euro. 97,2 Prozent seiner Betriebskosten deckt der Tierpark durch eigene Einnahmen. Das ist etwas weniger als im Vorjahr, da gab es mit 117,3 Prozent sogar einen Gewinn. Etwas weniger rosig wirkt die Bilanz, wenn auch die Investitionen mitberücksichtigt werden. Fürs Bauliche hat die Stadt nämlich noch einmal fünf Millionen Euro gelöhnt.

Münchner Kammerspiele

Das kommunale Vorzeigetheater wird mit 33,6 Millionen Euro bezuschusst, rund 500 000 mehr als im Jahr zuvor. Denn die eigenen Eintrittspreise, die vier bis 44 Euro betragen, reichen nur aus, um 15,3 Prozent der Unkosten zu decken. Wie viel die Kämmerei je Zuschauer zuschießt, lässt sich nicht auf den Cent genau ermitteln, der Zuschuss kommt nicht nur den Kammerspielen selbst, sondern auch dem Theater der Jugend in der Schauburg am Elisabethplatz und der Otto-Falckenberg-Schauspielschule zugute.

Oberhalb der 100-Euro-Marke liegt er aber in jedem Fall, bestätigt Kämmerer Wolowicz. Dafür gab es allein im Schauspielhaus 269 Aufführungen, in der Spielhalle waren es 181, im Werkraum 175. Die Zahl der Zuschauer in der großen Jugendstilbühne an der Maximilianstraße ist gesunken - von 130 371 in der Spielzeit 2014/15 auf 117 561 in der Saison 2015/16.

Volkstheater

Das zweite kommunale Sprechtheater, das Volkstheater an der Brienner Straße, ist im Vergleich zu den Kammerspielen geradezu ein Schnäppchen. 8,2 Millionen Euro kostet es die Kämmerei, was allerdings trotzdem einen Zuschuss von 74,21 Euro je verkauftem Platz bedeutet. 216 Vorstellungen gab es im Jahr 2015 in der umgebauten Sporthalle nahe des Stiglmaierplatzes in der Maxvorstadt, die in einigen Jahren geräumt werden muss. Die Bühne erwirtschaftet 23,7 Prozent ihrer Ausgaben selbst. Die Zahl der Zuschauer ist leicht auf 110 000 gestiegen.

Bibliotheken, Musikschulen und Campingplatz

Stadtbibliothek

Mehr Besucher hat keine Kultureinrichtung in München: Fast 12,7 Millionen Buch-, Hörbuch- und DVD-Fans kamen in die Zentrale am Gasteig oder eine der 21 Filialen, nützten den Bücherbus oder den Service der Krankenhausbibliothek. Die relativ geringen Jahresgebühren reichen nur aus, um 8,6 Prozent der Unkosten zu decken, die Stadt muss deshalb der größten Stadtbibliothek Deutschlands mit 41 Millionen Euro unter die Arme greifen. Macht stolze 3,23 Euro für jedes ausgeliehene Medium. Der Zuschuss für die Stadtbibliothek steigt seit Jahren immer weiter an, wobei der Kostendeckungsgrad in etwa konstant bleibt. Vor einigen Jahren reichte noch ein Zuschuss von 35 Millionen Euro, 2,67 Euro je ausgeliehenem Medium.

Sing- und Musikschule

Die absolute Höhe des Zuschusses hält sich noch im Rahmen: 4,3 Millionen Euro ist dem Rathaus die Sing- und Musikschule wert. Umgerechnet auf jeden einzelnen Schüler ist der kommunale Geldsegen aber rekordverdächtig: 469,34 Euro je Anmeldung. Obwohl der städtische Obolus im Vorjahr noch 4,9 Millionen Euro betrug, ist der Kostendeckungsgrad von 28,8 auf 29,9 Prozent gestiegen. Dafür dürfte maßgeblich die höhere Attraktivität der Sing- und Musikschule verantwortlich sein. Die Zahl der Schüler stieg nämlich im gleichen Zeitraum von 8707 auf 9213.

Campingplatz Thalkirchen

Das sichtlich in die Jahre gekommene Zelt- und Wohnwagenareal in den Isarauen kann unter den städtischen Einrichtungen mit einem einsamen Rekord punkten. Der Kostendeckungsgrad des für einen Campingplatz ziemlich zentral gelegenen Unternehmens beträgt traumhafte 394 Prozent. Diese Zahl lässt sich ganz einfach mit "Gewinn" übersetzen. Die Stadt musste daher nichts zuschießen, damit in den Isarauen weiterhin campiert werden kann. Die Unkosten in Höhe von 263 000 Euro trägt der Campingplatz mühelos selbst. Allerdings stehen in den nächsten Jahren Ausgaben in Millionenhöhe an: Die teilweise mehr als 50 Jahre alten Bauten sollen auf den neuesten Stand gebracht werden - vor allem die Sanitärhäuschen.

Kinderbetreuung

Kindertagesstätten

Im Vergleich zu den 380 städtischen und 800 nicht-städtischen Kitas sind die Zahlungen der Stadt an die Kultureinrichtungen geradezu ein Klacks. Allein für die kommunalen Häuser (Krippen, Kindergärten, Horte und Häuser für Kinder) überweist die Stadt 195,9 Millionen Euro, Bund und Land legen noch einmal 102,6 Millionen drauf. Die von den Eltern gezahlten Gebühren, 49,7 Millionen Euro sowie sonstige Einnahmen reichen nur für 14,3 Prozent der Gesamtkosten.

Für die nicht-städtischen Einrichtungen zahlt die Stadt noch einmal 340,1 Millionen, in der Summe sind allerdings Zuschüsse von Bund und Land in Höhe von 166 Millionen enthalten. Den Kostendeckungsgrad der privaten Einrichtungen kennt die Kämmerei nicht, die Zahlen liegen im Rathaus nicht vor.

Ebenfalls nicht veröffentlicht werden übrigens die Zahlen des städtischen Verkehrsunternehmens MVG. Dies wünsche das Unternehmen aus Wettbewerbsgründen nicht, so die Kämmerei. Das gilt für den gesamten Konzern, die Stadtwerke München, und damit auch für die Münchner Schwimmbäder. Der MVV ist da weniger zurückhaltend. Die Verbundorganisation erhält von der Stadt 2,86 Millionen Euro, Bund und Land geben 330 000.

© SZ vom 05.01.2017/mmo
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