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Leihräder:Obikes in München: Imageschaden im Eiltempo

oBike

Manchmal finden sich Dutzende Obikes in Reih und Glied.

(Foto: Nina Bovensiepen (OH))

Die rasante Ausbreitung von 7000 Leihrädern aus Singapur regt die Menschen in München auf. Ein Krisenmanager gelobt nun schnelle Besserung.

Sharing-Systeme sind die Zukunft der Mobilität, heißt es oft. Im Englischen Garten zum Beispiel liegt die Zukunft der Mobilität allerdings öfter mal im Gebüsch. Es sind die gelben Leihräder des Anbieters Obike, von denen es inzwischen schon 7000 Stück in der Stadt gibt - das sind mehr als doppelt so viele, wie die Konkurrenten Call-a-Bike und MVG-Rad zusammen auf die Straße bringen.

Seit Anfang August sind die Räder von Obike zu sehen. Zunächst waren es 350, schnell stieg die Zahl auf mehr als 1000, dann auf 4000. Und nun auf 7000. Ein breiteres Angebot an Bikesharing ist zunächst eine gute Sache, betont auch der Radbeauftragte von München, Florian Paul. Vor allem weil das Angebot von Obike sich nicht aufs Zentrum beschränkt, sondern weil es im ganzen Stadtgebiet gilt. Doch kaum ein Tag vergeht derzeit, an dem in sozialen Medien oder Mails nicht Fotos von auf Haufen geworfenen oder zu Dutzenden am Straßenrand stehenden Rädern verbreitet werden. Vielen Menschen sind es einfach zu viele Obikes in ihrer Stadt.

Fahrrad O mei, Obike
Leihräder

O mei, Obike

Für manche sind sie die "Gelbe Gefahr", andere machen sie so wütend, dass sie handgreiflich werden - die Obikes gehören derzeit zu den größten Aufregern in der Stadt.   Kolumne von Andreas Schubert

Zum Beispiel gibt es noch immer keine telefonische Hotline

Mehr als 7000 Stück sollen es nun vorerst aber nicht mehr werden, erklärt das Unternehmen. Die Firma verspricht zudem, den Verhau im ganzen Stadtgebiet in den Griff zu bekommen. Der Anbieter aus Singapur arbeitet in verschiedenen Ländern mit jeweils eigenen Tochterfirmen zusammen. In Deutschland ist das die OBG Germany GmbH, mit Sitz in den Hackeschen Höfen in Berlin. "Country Manager Germany", also Leiter des operativen Geschäfts, ist seit einer Woche Marco Piu. Er arbeitet derzeit dem eigenen Bekunden nach rund um die Uhr - um den Imageschaden, den die gelben Räder im Eiltempo angerichtet haben, zu reduzieren. "Wir kennen die Probleme, die wir dort haben. Ich kann bestimmte Beschwerden nachvollziehen", sagte Piu am Freitagnachmittag der SZ. "Deswegen haben wir bereits entsprechende Maßnahmen in die Wege geleitet, um diese schneller zu lösen."

Piu verfügt über internationale Erfahrung als Manager in verschiedenen Bereichen, etwa im E-Commerce. Jetzt ist er zunächst einmal Krisenmanager. Bevor er "Country Manager Germany" wurde, steuerte die Zentrale in Singapur die Expansion nach Deutschland, offenbar, ohne sich vorher um lokale Strukturen wie einen funktionierenden Verteil- und Reparaturservice zu kümmern. Jetzt, einen Monat nachdem Proteste aus der Politik und in den sozialen Medien immer lauter geworden sind, reagiert das Unternehmen. Und so beschwichtigt Piu nun: "Es ist nicht so, dass uns die Situation egal ist." Gerade sorge er dafür, dass der Service verbessert werde. Zum Beispiel gibt es noch immer keine telefonische Hotline. Das, verspricht Piu, werde sich sehr bald ändern.

München ist derzeit der einzige Obike-Standort in Deutschland. Man wolle zunächst sehen, wie die Räder angenommen werden. Eine Zahl der registrierten Nutzer will Piu nicht nennen. Die für die Ausleihe nötige App sei aber bereits 20 000 mal heruntergeladen worden.

Manchmal finden sie sich als Verhau im Gebüsch - und manchmal beides nebeneinander, wie hier in der vergangenen Woche beim Englischen Garten.

(Foto: Catherina Hess)
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