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Lehrerin erniedrigt Azubis:"Lust an der Machtausübung"

In einer Münchner Ausbildungsstätte sind fünf Jugendliche über Monate hinweg von ihrer Lehrerin sexuell erniedrigt und geschlagen worden. Sie forderte die 19 bis 21 Jahre alten Betroffenen auf, sich gegenseitig Schmerzen zuzufügen. Ins Gefängnis muss sie dafür nicht.

In einer Ausbildungsstätte des Kolping-Bildungswerks in München sind Jugendliche über Monate hinweg von einer weiblichen Lehrkraft sexuell erniedrigt und geschlagen worden. Eine 32-Jährige musste sich deswegen am Donnerstag am Amtsgericht verantworten. Die Staatsanwaltschaft warf der Frau sexuellen Missbrauch von Schutzbefohlenen in elf Fällen vor. Warum die geständige Angeklagte die aus sozial schwachen Familien stammenden jungen Leute auf übelste Weise erniedrigt und gequält hatte, sagte sie nicht. Für Amtsrichterin Karin Jung, die von einer "grausamen Vorgehensweise" sprach, blieb nach der Beweisaufnahme als wahrscheinlichstes Motiv die Lust an "Machtausübung" übrig.

Die Angeklagte lehrte Hotelfach in der Einrichtung, deren Träger die Erzdiözese München und Freising ist. In der betroffenen Klasse befanden sich im Tatzeitraum vom 14. September 2010 bis 31. August 2011 sieben Schüler. Die benachteiligten Jugendlichen sollten zu Fachkräften im Gastgewerbe ausgebildet werden. Vier Buben und ein Mädchen wurden schließlich Opfer von Barbara K.

Sie forderte die Betroffenen im Alter von 19 bis 21 Jahren auf, sich gegenseitig Schmerzen an den Genitalien zuzufügen. Die Schüler sollten sich an die Hoden greifen, und auch die Schülerin in der Klasse wurde von K. zu einem gezielten Schlag aufgefordert. Offenbar als gelungenen Scherz empfand es die Lehrerin, den männlichen Schülern die Unterhosen derart hochzuziehen, dass deren Genitalien gequetscht wurden. Dabei legte die gelernte Hotelbetriebswirtin auch selbst Hand an. In einem Fall streichelte sie zudem den Penis eines Schülers, in mehreren anderen Fällen gab sie Schülern eine Ohrfeige. Und allen Schülern zeigte sie einen Pornofilm, in dem auch Tiere eine Rolle spielten.

Die Taten kamen erst ans Licht, als die korpulente Angeklagte die Bildungseinrichtung verlassen hatte. Die Schüler informierten daraufhin die Leitung der Einrichtung über die Vorfälle. Zuvor hatten sie sich aus Angst vor Repressalien niemandem anvertrauen wollen.

Nach einem Geständnis, das den betroffenen Schülern eine Aussage bei der Gerichtsverhandlung ersparte, kam Barbara K. mit einer zweijährigen Bewährungsstrafe davon. 5500 Euro muss sie außerdem an den Kinderschutzbund bezahlen. Weil die Frau nicht mehr als Ausbilderin mit Jugendlichen arbeitet, sah das Gericht keine Wiederholungsgefahr. Die Angeklagte muss sich aber weiter einer Therapie unterziehen, die sie bereits freiwillig begonnen hat.