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Lehrer an Münchner Schulen:Lehrer stoßen an ihre Grenzen

Alles zusammen bewirkt, dass Lehrer immer wieder an ihre Grenzen stoßen. "Wir sind nicht immer in der Lage, die Vielfalt der Aufgaben unter dem Deckmäntelchen des Unterrichts zu bewältigen", sagt Simone Fleischmann vom Bayerischen Lehrerverband (BLLV), die eine Grundschule in Poing bei München leitet. Um die Lehrer zu schützen, müsse sich ein Schulleiter manchmal auch eingestehen: "Wir schaffen das nicht."

Den Eltern eines autistischen Mädchens musste Fleischmann einmal erklären, dass ihr Kind nicht an der Schule bleiben könne. "Es ging einfach nicht mehr", sagt sie. Das Kind rannte ständig weg und versteckte sich im Keller. Die halbe Schule war regelmäßig auf der Suche, und wenn das Mädchen endlich gefunden war, durfte es niemand anfassen. Fleischmann ist überzeugt, dass an den Schulen eigentlich "multiprofessionelle Teams" aus Lehrern, Sozialarbeitern, Psychologen und Medizinern zusammenarbeiten müssten, um allen Kindern gerecht zu werden.

Förderung für jeden einzelnen Schüler

Im Team wäre auch leichter zu verwirklichen, was in der Bildungspolitik schon seit einiger Zeit als Allheilmittel gegen sämtliche Schulprobleme gilt: die individuelle Förderung. Wer Bastian Hubmann beim Unterrichten in seiner achten Klasse an der Simmernschule zuschaut, beginnt zu ahnen, was für ein Kraftakt das in der Praxis sein kann. "Komm, mach ein bisschen mit", fordert der Lehrer einen Schüler auf und klopft ihm freundschaftlich auf die Schulter. Der Junge, der bis dahin apathisch ins Leere geschaut hat, nimmt daraufhin wie in Zeitlupe seinen Stift in die Hand. Mehrere Kinder sprechen gebrochen Deutsch. Um sicherzugehen, dass alle verstanden haben, was zu tun ist, lässt Hubmann jeden einzelnen Arbeitsauftrag von einem seiner Schüler in eigenen Worten wiederholen.

Ein Mädchen in der dritten Reihe hat sich einen Finger gequetscht, arbeitet aber mit, weil Hubmann ihr erlaubt, alle zehn Minuten ein frisches Coolpack zum Kühlen zu holen. Hinten im Zimmer sitzen acht Jungen aus der Siebten, bei denen Sport ausgefallen ist. Sie sollen Matheaufgaben lösen, arbeiten aber nur, wenn sie einzeln dazu aufgefordert werden.

"Lehrer haben vormittags recht und nachmittags frei", heißt ein Spruch, über den sich Birgit Dittmer-Glaubig früher oft geärgert hat. Seit einiger Zeit bekommt sie immer öfter eine andere Reaktion, wenn die Sprache auf ihren Beruf kommt: "Ich möchte nicht mit dir tauschen."

Schlimme Schulklos

An vielen Münchner Schulen sind die Toiletten in einem desolaten Zustand. Sagen Sie uns, wo sich die schlimmsten befinden, und schreiben Sie an muenchen-region@sueddeutsche.de - am besten gleich mit einem Foto. Bitte geben Sie für mögliche Rückfragen auch Ihre Kontaktdaten an. SZ

© SZ vom 22.10.2014/vewo

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