Lehel Zeus & Co. am Giebel

Schule mit Profil: Im Wilhelmsgymnasium freut sich Direktor Michael Hotz über ganz besondere Dauerleihgaben - große Figuren aus der Welt der Antike.

(Foto: Florian Peljak)

Göttlicher Zuwachs für das sanierte Wilhelmsgymnasium

Von Nicole Graner, Lehel

"Ein Traum", sagt Michael Hotz. Und der Schulleiter des neu sanierten und erweiterten Wilhelmsgymnasiums wiederholt es gleich noch einmal. "Ein Traum!" Und schon beginnt er zu schwärmen: von der unterirdischen Turnhalle, von der neuen Aula, den neuen Räumen für die Naturwissenschaften, von 1700 Quadratmetern mehr Fläche und einer komplett neuen Ausstattung. Ein Unterricht nach modernen Kriterien sei nun möglich, sagt Hotz. Doch sein ganzer Stolz und zugleich der der ganzen Schule sind 21 Figuren - aus Gips und sehr göttlich. Denn im dritten Stock thront neben Zeus auch Apollon, der Gott des Lichts und der Künste. Mehr als 560 Kilo schwer.

Der Schule ist es gelungen, die Abgüsse der Giebelfiguren des Zeus-Tempels aus Olympia an die Thierschstraße zu holen. Durch einen Zufall, wie Hotz sagt. Ein ehemaliger Schüler und Archäologe habe ihn vor vier Jahren auf die Figuren im Museum für Abgüsse klassischer Bildwerke aufmerksam gemacht. Und dass es schön wäre, sie im Haus zu haben. Nach dem Motto "Fragen kostet nichts" kam es tatsächlich zu vielen Gesprächen und - schneller als gedacht - zu einer Einigung. Das Museum gab die Figuren als Dauerleihgabe für das Wilhelmsgymnasium frei. Doch wer sollte den Umzug der Figuren in den Lehel bezahlen? 100 000 Euro sollte das Ganze kosten. Aber die Schule half zusammen, sammelte mit vielen Aktionen Geld. 60 000 Euro kamen zusammen, den Rest übernahm die Stadt. Durch ein einziges Fenster im dritten Stock wurden dann mit einem Kran die Figuren an Ort und Stelle gehievt. Weil sie so groß waren, manchmal sogar zweigeteilt. "Herren ohne Unterleib", wie sich Hotz lachend erinnert, schwebten kurz in der Luft und wurden dann später an der richtigen Stelle zusammengefügt.

An diesem Dienstag nun wird die Fertigstellung des neuen Wilhelmsgymnasiums in einem Festakt mit Bürgermeisterin Christine Strobl (SPD) gefeiert. Die 600 Schüler werden dann noch stolzer sein auf ihre Schule, die, wie viele sagen, so hell geworden ist. Die Balance zwischen Bewahren und Modernisieren sei einfach gelungen. Ein Schüler, so Hotz, habe es zwar weniger humanistisch, aber dafür in seiner Sprache klar auf den Punkt gebracht: "Affengeil" sei seine neue Schule. Drei Jahre haben die Bauarbeiten gedauert, 54 Millionen Euro hat alles gekostet. Und das Beste: Michael Hotz hat viele Wetten gewonnen. "Wir sind auf den Tag genau mit den Bauarbeiten fertig geworden und haben das Budget eingehalten. Wo gibt es denn so was?" Allein mit seinen Wetterlösen, sagt er lachend, könnte am Dienstag der "flüssige Teil des Caterings" übernommen werden.