Lehel "Ohne die beiden ist es keine Schule"

Will weitermachen: das Hausmeister-Ehepaar Emilia und Otto Tartler.

(Foto: Stephan Rumpf)
  • Das Hausmeisterehepaar Tartler der St.-Anna-Grundschule in Lehel muss in Rente gehen, obwohl es gar nicht will.
  • Eltern und Schüler sammeln schon Unterschriften, damit das Paar bleiben darf.
  • Das städtische Personalreferat prüft jetzt den Fall.
Von Birte Bredow

Ein Kind hat einen schwarzen Wasserhahn gemalt, aus dem filzstiftblaue Tropfen fallen. "Emmi und Otto Tartler müssen bleiben, ohne die beiden ist es keine Schule", steht in unbeholfener Schreibschrift daneben. Das Hausmeisterehepaar Tartler hat einen dicken Ordner, gefüllt mit ähnlichen Zeichnungen von den Schülern der St.-Anna-Grundschule.

Seit elf Jahren kümmern sie sich um alles, was im Alltag anfällt - ganz gleich, ob Kratzer, kaputte Reißverschlüsse oder Reparaturen am Gebäude. Nun ist Emilia Tartler 65 geworden, und soll nach dem Willen der Stadt in Rente gehen. Auch ihr vier Jahre älterer Mann, der noch auf 450-Euro-Basis beschäftigt ist, müsste seine Tätigkeit aufgeben. Doch damit sind sie nicht einverstanden. "Wenn es gesundheitlich möglich ist, verstehe ich nicht, warum es nicht geht, dass wir weiterarbeiten", sagt sie.

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Als bekannt wurde, dass sie die Schule verlassen sollen, sei ihnen Unglaube entgegengeschlagen. Lehrerinnen, Eltern, Baufirmenvertreter und Schüler haben gefragt, warum sie gehen wollen, berichtet Emilia Tartler. "Aber wir wollen ja nicht", sagen beide fast synchron. Ein Antrag auf Verlängerung der Arbeitszeit, den sie bereits im vergangenen Juni gestellt haben, ist abgelehnt worden.

Die Kinder von Isabella Bruhn, Christina Christodoulides-Erhardt und Marion Rouette gehen auf die St.-Anna-Grundschule. Sie wollen sich mit der Entscheidung nicht abfinden und haben eine Petition unter dem Titel "Das Hausmeisterehepaar Tartler soll bleiben!" gestartet. Mehr als 320 Unterschriften sind schon zusammengekommen. Im Bezirksausschuss Altstadt-Lehel hat Bruhn um Unterstützung geworben. Mit Erfolg: Die Politiker wollen sich dafür einsetzen, dass das Paar weiterarbeiten darf.

Die Mütter haben erlebt, was passieren kann, wenn kein neuer Hausmeister gefunden wird - am benachbarten Gymnasium ist der Posten seit Anfang des Schuljahres vakant und wird von wechselnden Vertretern besetzt. "Vor allem kleine Kinder brauchen Kontinuität", sagt Rouette, doch darum alleine geht es ihr nicht - die Tartlers seien auch "die Seelen der Schule". Als ihr Sohn in der ersten Klasse war, habe er so viel von dem Hausmeister erzählt, dass sie irgendwann gefragt habe: "Wer ist eigentlich dieser Otto? Der steht ja gar nicht auf der Klassenliste." Zum Abschied umarmen die Frauen das Ehepaar; die beiden sind zu Freunden geworden.

"Zwei Jahre möchten wir schon noch weitermachen"

Die Tartlers mögen ihre Schule, aber sie wollen nicht nur deshalb weiterarbeiten; auch finanzielle Gründe spielen eine Rolle, denn nur von der Rente könnten sie in Zukunft nicht leben. "Wir müssen sowieso arbeiten, warum denn nicht da, wo wir uns auskennen?" fragt sich die 65-Jährige. Beim Sozialamt Unterstützung zu beantragen, kommt für sie nicht in Frage.

Aus dem Referat für Bildung und Sport heißt es, grundsätzlich sei eine befristete Beschäftigung über das gesetzliche Rentenalter hinaus möglich. Laut Sprecherin Ursula Oberhuber wird der Fall Tartler zurzeit vom städtischen Personalreferat geprüft, eine Entscheidung ist noch nicht gefallen. Das Hausmeisterehepaar hofft auf eine Verlängerung: "Zwei Jahre möchten wir schon noch weitermachen", sagt Emilia Tartler. "Oder drei...", wirft ihr Mann ein und schmunzelt.

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