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Lehel:Isarlust geht leer aus

Lokalpolitiker stoßen sich an der Anmeldung als Demonstration

Von Julian Raff, Lehel

Dass Bezirksausschüsse keine parteipolitischen Veranstaltungen sponsern, versteht sich von selbst - in normalen Zeiten. Die Stadtviertelvertreter im Bezirk Altstadt-Lehel (BA 1) bleiben bei dieser Linie, auch dann, wenn eine Kulturveranstaltung als Demonstration angemeldet wird, um überhaupt stattfinden zu können. Einen Förderantrag des Vereins "Isarlust" über 2500 Euro für Veranstaltungen des "Kulturlieferdienstes" hat der BA daher einstimmig abgelehnt.

Der Verein, hinter dem der stadtweit tätige Kulturaktivist Benjamin David steht, hat unter dem "Lieferdienst"-Motto seit Beginn des ersten Lockdowns 119 Konzerte und Kleinkunstveranstaltungen unter freiem Himmel organisiert, mit strengem Hygienekonzept und angemeldet als politische Demonstration. Dass es sich dabei nicht um ein Trojanisches Pferd handelt, zeigt ein Veranstaltungskonzept, das Auftritte politischer Redner ebenso vorsieht wie künstlerische Darbietungen mit Bezug zum Stadtviertel und zur aktuellen Misere freier Künstler und Gastronomen. Im Bezirk will David das Lehel bespielen, bevorzugt die dicht bewohnte Gegend um St. Lukas, um hier möglichst viele Zuhörer am Fenster und auf dem Balkon zu erreichen, wie schon bei früheren Veranstaltungen in anderen Stadtvierteln. Der BA 1 stellt den kulturellen Wert nicht in Abrede, will aber einen Präzedenzfall für andere politische Veranstaltungen vermeiden, auch wenn andere Bezirksgremien für den "Kulturlieferdienst" eine Ausnahme gemacht haben. Mit dem Hinweis auf den möglichen Demonstrationscharakter hatte der BA im Sommer 2019 bereits einen Zuschuss zu Davids seinerzeitigem Projekt eines "temporären Isarboulevards" abgelehnt, auch wenn dieser nicht als Kundgebung angemeldet werden sollte.

© SZ vom 12.04.2021
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