Rettung des Legal-Clubs„Es ist überwältigend, zu merken, wie viele hinter uns stehen“

Lesezeit: 3 Min.

Tanzend in den Tag starten: Vor Kurzem fand im Legal die erste Early Bird Party statt.
Tanzend in den Tag starten: Vor Kurzem fand im Legal die erste Early Bird Party statt. (Foto: Stephan Rumpf)

Vor nicht mal einem Monat stand das Legal am Sendlinger Tor vor dem Aus. Jetzt wird es voraussichtlich gerettet, von Fans und Kollegen. Was diese Geschichte über den Zustand der Münchner Subkultur verrät.

Von David Kulessa

Aus Sicht seiner Betreiber ist die Geschichte des Legal-Clubs eine Erfolgsgeschichte, allen Schwierigkeiten zum Trotz. Genauer gesagt: den 44 000 Euro zum Trotz. Vor einem knappen Monat wandten sich Almedina Hadzic, Oliver Schmitt, David Schmied und Philipp Fritz über Instagram mit einem Spendenaufruf an die Öffentlichkeit: „Wir brauchen euch jetzt“, hieß es dort in Versalien. „Wir sind auf eure Unterstützung angewiesen.“ Insgesamt 44 000 Euro seien notwendig, wegen Nachzahlungen für die Indexmiete und die Nebenkostenrechnung: „Wenn wir diese Kosten nicht kurzfristig decken können, steht das Legal vor dem Aus.“

Das klang dramatisch, doch inzwischen sieht es wohl so aus, als könne das Ende des Legal vorerst abgewendet werden. Knapp 32 000 Euro wurden bereits gespendet, am Wochenende soll das Ziel bei einem Fundraiser Open Air im ehemaligen Gasteig endgültig erreicht werden.

Deswegen, weil voraussichtlich 44 000 Euro innerhalb eines Monats zusammenkommen werden, ist die Geschichte des Legal Clubs eine Erfolgsgeschichte, findet Almedina Hadzic: „Es ist überwältigend, zu merken, wie viele hinter uns stehen.“ Und ihr Kollege Oliver Schmitt erzählt, dass sie als Betreiber sich in den vergangenen zwei Jahren immer wieder gefragt hätten: „Wie wichtig sind wir für die Szene, die wir ansprechen wollen?“ Jetzt sei klar: „Wir sind anscheinend sehr wichtig.“

Beim Publikum kommt das Legal gut an. Wieso reicht das nicht zum Überleben?

Bei der Eröffnung im März 2023 habe man die Vision gehabt, einen authentischen Ort für elektronische Musik, „eher House als Techno“, zu schaffen, sagt Schmitt. Elektronische Musik befinde sich in einer „Kommerzialisierungswelle“, meint er – was bei ihm gleichbedeutend ist mit: Sie befindet sich in einer Krise, befeuert durch Social Media. „Es gibt aber auch eine Subkultur dahinter, die sich extrem mit dieser Musik und ihrer Geschichte identifiziert“, betont er. Für diese Menschen habe man ein Angebot machen wollen. „Bei uns wird zum Beispiel noch sehr viel Vinyl aufgelegt.“ Dazu die Einrichtung: „Wir wollten nicht das Industrielle und Kühle, das man von anderen Techno-Clubs kennt“, sagt Hadzic, „sondern wir wollten ein Wohnzimmer-Gefühl schaffen.“

Beim Publikum kommt das augenscheinlich gut an. An den meisten Freitagen und Samstagen ist der Club in der Thalkirchner Straße voll, auf Instagram folgen dem Legal rund 23 500 Menschen. Und auch die große Spendenbereitschaft, knapp 800 Menschen haben sich bislang beteiligt, spricht dafür, dass ein mögliches Ende bei vielen Münchnern als Verlust wahrgenommen würde. Einer der Spender ist Charly Buzé, Gründer eines Münchner Künstlerkollektivs, der selbst schon Veranstaltungen in dem Club organisiert hat. „Im Legal finden Gäste einen Platz fernab des Mainstreams“, sagt er. „Und bei Künstlern hat es den Ruf der Stadt, dass in München alles aufs Kommerzielle ausgerichtet ist, völlig verändert.“

Bloß: Wie konnte es dann passieren, dass nach zwei Jahren plötzlich 44 000 Euro fehlen? Und wie soll verhindert werden, dass man nach einer potenziellen Rettung bald wieder vor dem Aus steht?

Bislang hat sich das Legal von Zwischennutzung zu Zwischennutzung gehangelt

„Wir haben keine Schulden“, sagt Schmitt. Aber weil der Umsatz in den warmen Monaten erfahrungsgemäß sinke, „müssen wir Geld anhäufen, um durch den Sommer zu kommen.“ Das hätte normalerweise auch geklappt, sagt er – wären da nicht, zusätzlich zum Anstieg der Nebenkosten, die unvorhergesehenen Forderungen des Eigentümers gewesen, der die Indexmiete um fast 900 Euro im Monat erhöht habe. Und zwar rückwirkend auf die vergangenen 26 Monate. „Wir haben das juristisch prüfen lassen“ so Schmitt, „aber es geht“. Tatsächlich dürfen Indexmieten – also Mieten, die an die Inflation gekoppelt sind – auch rückwirkend erhöht werden, wenn es sich um Gewerbeflächen handelt.

Hinzu kommt, dass sich das Legal bislang von Zwischennutzung zu Zwischennutzung gehangelt hat. Der aktuelle Untermietvertrag läuft noch bis Januar 2026. Anschließend soll ein fester Vertrag über fünf Jahre für mehr Planungssicherheit sorgen.

Ganz ohne Mehreinnahmen wird es aber wohl nicht gehen, wenngleich die Eintrittspreise gleich bleiben sollen. Man wolle, erklärt Hadzic, den Club in Zukunft noch stärker abseits der bisherigen Öffnungszeiten (Freitag und Samstag ab 21 Uhr) für andere Veranstaltungen öffnen. Geplant seien etwa Konzerte. Vor gut zwei Monaten fand im Legal die erste morgendliche „Early-Bird-Party“ statt, auch Flohmärkte, Kunstausstellungen und Firmen-Events gab es in den Räumlichkeiten schon.

„Ohne Subkultur fehlt München die Kreativität, das Andersdenken“

Ob das genügt und der Legal-Club wirklich Chancen auf ein langes Bestehen hat, wird sich weisen. Für David Süß, 60, geht es aber ohnehin nie um den einzelnen Club. Dem Grünen-Stadtrat und langjährigen Chef des 2023 geschlossenen Kultclubs Harry Klein geht es ums Prinzip: „Ohne Subkultur fehlt München die Kreativität, das Andersdenken“, sagt er am Telefon.

Es ist ziemlich genau acht Jahre her, dass Süß, damals noch Club-Betreiber, der Münchner Nachtkultur den Tod „in fünf bis zehn Jahren“ voraussagte. Die Probleme waren dieselben wie heute. Teure Mieten, wenig Raum, kaum finanzielle Unterstützung durch die Stadt. Seit 2020 sitzt Süß im Stadtrat. Und sagt heute: „Ganz unbedingt braucht es Förderungen.“ Nur eben nicht von der Stadt. „Das sind Forderungen, die müssen vom Bund getragen werden.“

Das könnte schwierig werden. Weder das Wort „Club“, noch der Begriff „Subkultur“ kommen im Koalitionsvertrag der schwarz-roten Bundesregierung vor und auch der neue Kulturstaatsminister ist bislang nicht durch seine Nähe zur Club-Szene auffällig geworden. Vermutlich müssen die lebenserhaltenden Maßnahmen für die Münchner Nachtkultur also woanders herkommen. Gut möglich, dass die Spendenaktion des Legal-Clubs nicht die letzte seiner Art war.

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