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Leerstand in der Innenstadt:Zu marode für Flüchtlinge

Ohne Atemschutz angeblich nicht zu betreten: Kommunalreferent Axel Markwardt vergangene Woche in der Pestalozzistraße 2.

(Foto: Robert Haas)

Eine Sanierung wäre zu teuer: Die Stadt will ein leer stehendes Haus in der Pestalozzistraße 2 nun trotz Protesten abreißen. Flüchtlinge könnten hier trotzdem unterkommen - auf dem dann freien Areal könnten Container aufgestellt werden.

Das seit Jahren leer stehende Gebäude an der Pestalozzistraße 2 beim Sendlinger-Tor-Platz steht kurzfristig nicht als Unterkunft für Flüchtlinge zur Verfügung. Dies hat der für die städtischen Liegenschaften zuständige Kommunalreferent Axel Markwardt bekräftigt. Eine Sanierung des 1955 erbauten Geschäfts- und Bürohauses, "die auch eine menschenwürdige Unterbringung von Flüchtlingen gewährleistet", käme teurer als ein Neubau. Die Stadtspitze und auch eine Mehrheit der Stadtratsmitglieder seien für den Abriss, sagt Markwardt. Auf dem dann freien Grundstück könnten relativ kurzfristig Container, beheizbare Zelte oder ähnliche Unterkünfte für Flüchtlinge errichtet werden.

Im November soll sich der Stadtrat mit dem Thema befassen. Auf dem Areal soll ein Wohngebäude entstehen, in das auch Flüchtlinge einziehen könnten. Diese Immobilie soll aber nicht erst in fünf oder sechs Jahren bezugsfertig sein, sondern viel früher. Nach dem Abriss, der im Frühjahr 2015 abgeschlossen sein soll, könnten die Planungen für den Neubau beginnen. Eineinhalb Jahre sind dafür veranschlagt.

Die ursprünglichen Planungen, den Altstadtring in Richtung Kreissparkasse zu verlegen, damit das Grundstück der Pestalozzistraße 2 für eine neue Bebauung größer wird, sind nun offensichtlich hinfällig. So kommt man nicht mehr der Großbaustelle am U-Bahnhof Sendlinger Tor in die Quere. Bislang hieß es immer, zwei Baustellen dieser Dimension an einer Stelle seien nicht möglich. Deswegen könne dort erst in einigen Jahren gebaut werden.

Jahrelang hat die Stadt den Leerstand des Hauses hingenommen und dies immer mit dem bevorstehenden Bau eines Altenheims für die Israelitische Kultusgemeinde München und Oberbayern (IKG) begründet. Als deutlich wurde, dass der Baustart für das Heim aufgrund der U-Bahnbaustelle lange in die Zukunft verschoben werden muss, entschied sich die IKG für ein anderes Grundstück.

Proteste gegen den Abriss

Im vergangenen Sommer habe der Stadtrat das Kommunalreferat erneut beauftragt, das Anwesen in der Pestalozzistraße abzureißen, sagte Markwardt. Dagegen wurden immer wieder Proteste laut, so forderte zum Beispiel die Satire-Gruppe Goldgrund, das Gebäude vorübergehend als Flüchtlingsunterkunft zu nutzen. Inzwischen ist die Entkernung laut Markwardt so weit abgeschlossen, dass der Abbruch starten kann. Erhalten ist nur noch das Treppenhaus, damit die Arbeiter gefahrlos in die oberen Stockwerke gelangen.

In jüngster Zeit erhobene Vorwürfe, die Stadt habe die Immobilie absichtlich heruntergewirtschaftet grenzten an üble Nachrede, sagte der Kommunalreferent. Bei dem Haus handele es sich um eine Baustelle, die wegen der Unfallgefahr zu sichern sei. Fenster und Türen seien geschlossen. Deswegen würden Einbrüche, wie einer der Goldgrund-Aktivisten, angezeigt.

Die drei Grünen-Mitglieder im Kommunalausschuss des Stadtrats haben sich am Donnerstag ein Bild vom Zustand des Hauses gemacht. In der Tat sei eine schnelle Zwischennutzung als Unterkunft nicht möglich, sagte Stadtrat Herbert Danner danach. Allerdings sei eine Sanierung des Hauses immer noch eine Option: "Es ist zwar ein großer Aufwand nötig, aber zu bewältigen ist das."

© SZ vom 17.10.2014/vewo
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