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Lebensmittel:So macht Amazon den Münchner Supermärkten Konkurrenz

Von der Erdbeere bis zur Spielekonsole: 15 000 Produkte werden über Amazon Prime Now in München angeboten, 4000 davon sind Lebensmittel des Familienunternehmens Feneberg.

(Foto: Robert Haas)
  • Prime Now liefert in München jetzt auch 4000 Produkte der Feneberg-Kette aus.
  • Während Edeka und Rewe eine Kooperation ablehnen, sieht das Allgäuer Familienunternehmen darin die Chance, mehr über die Kunden zu erfahren.
  • Der Handelsverband Bayern reagiert alarmiert auf den neuen Angriff des US-Konzerns.

Amazon oder Feneberg? Das ist an diesem Vormittag in der Lagerhalle für Lebensmittel an der Landsberger Straße gar nicht so einfach herauszufinden, "wenn der kleine Krämer aus dem Allgäu mit dem Weltkonzern ins Bett steigt", wie es Hannes Feneberg formuliert, der Geschäftsführer der Supermarktkette aus Kempten.

Auf den Namensschildchen der Menschen hier steht das Amazon-Logo gleich neben den Feneberg-Buchstaben, die meisten hier sind aber Mitarbeiter des Weltmarktführers beim Internet-Handel. "Die sind mehr als wir, gell", sagt Feneberg. Und diesen Umstand versucht das Allgäuer Familienunternehmen seit Mittwoch zu nutzen und kooperiert mit dem amerikanischen Internetversandhändler.

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4000 Lebensmittel aus dem Feneberg-Sortiment können von sofort an über Amazon Prime Now in München geliefert werden. Käse und Wurst aus eigener Produktion etwa oder Bio-Säfte von Bauern aus dem Allgäu. "Regionale Produkte passen sehr gut zur Auslieferungsstrategie von Amazon", findet Kai Rühl, Deutschlandchef von Amazon Prime Now.

Den schnellen Lieferservice gibt es in München seit einem Jahr: innerhalb einer Stunde, gegen einen Aufpreis von 6,99 Euro und ab einem Bestellwert von 20 Euro. 15 000 Produkte stehen zur Auswahl, von der Erdbeere bis zu Elektrogeräten. Denn im Unterschied zu "Amazon-Fresh", das in Berlin und Hamburg verfügbar ist, beschränkt sich Amazon Prime Now nicht auf Lebensmittel. Und wer soll das kaufen? "Wir glauben dass es in München Kunden gibt, die einen sehr schnellen Lieferservice goutieren", sagt Rühl. Jetzt auch mit Allgäuer Waren.

Bernd Ohlmann vom Handelsverband Bayern, der die Interessen der Einzelhändler vertritt, ist vom Amazon-Einstieg in die Münchner Lebensmittelbranche alarmiert: "Ich will nicht sagen: ein Beben, aber manch einer zittert." Und auch wenn in München im vergangenen Jahr nur etwa ein Prozent des Lebensmittel-Umsatzes online gemacht wurde - das sind etwa 40 Millionen Euro -, schauen die lokalen Einzelhändler laut Ohlmann "mit Argusaugen drauf", wenn der weltgrößte Internethändler einen neuen Angriff startet: "Amazon überlegt sich gut, was sie machen, und die mischen jetzt auch diesen Markt auf."

Der Umbruch in der Branche treibt auch Feneberg um, den seine Mitarbeiter scherzhaft den "Patron der Allgäuer Almbauern" nennen. Es ist gerade ein kritischer Zeitpunkt für einen Mittelständler wie ihn, der 76 Supermarktfilialen in Bayern betreibt, drei davon in München. Schließlich verschieben sich laut Schätzungen der Unternehmensberatung Oliver Wyman in den kommenden Jahren sechs bis acht Milliarden Euro Umsatz in Deutschland vom stationären Verkauf in den Online-Handel. Feneberg kann es sich nicht leisten, die Entwicklung zu verpassen. "Wenn der große Zug mal rollt, dann können wir nicht mehr aufspringen." Heißt die Alternative also: Kooperieren oder kapitulieren? Der 54-Jährige zuckt mit den Schultern. "Das kann heute noch niemand sagen."

Er gewinnt der Situation aber auch Positives ab: "Es könnte zum ersten Mal sein, dass Kleinsein sich als Chance erweist." Denn anders als die Handelsriesen Edeka und Rewe, die eine Zusammenarbeit mit Amazon bisher ablehnen, sind Kleine wie Feneberg flexibler. Von der Kooperation mit dem Konzern erhofft sich der Familienunternehmer nämlich vor allem eines: Informationen über das Verhalten seiner Kunden. "Wie Amazon auf die Kundenbedürfnisse reagiert und uns dann jeden Tag sagt: Das funktioniert, das müsst ihr besser machen, mit den Produkten müssen wir voranschreiten - das wird die große Herausforderung", sagt Feneberg. "Da verspreche ich mir eine ziemlich steile Lernkurve."

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Im Lager stehen die schwarzen Plastiktaschen zum Ausliefern. Darin gibt es Fächer für mobile Kühlelemente, damit die frischen Produkte die Fahrt per E-Bike oder Lieferwagen durch München überstehen. Hier steht Johannes Jörg, der bislang für den eigenen kleinen Online-Ableger von Feneberg arbeitet, "Freshfoods", bei dem man die Produkte des Familienbetriebs schon länger im Internet kaufen kann. "Pfirsiche, Augustiner-Bier und Sonnencreme" seien die bisherigen Topseller in diesem Sommer, sagt Jörg. Nun ist er dafür zuständig, dass die auch bei Amazon an den Kunden kommen. Viele Bestellungen sind an diesem Mittwoch noch nicht eingegangen, eines zeichnet sich aber bereits ab, wie Jörg sagt: Pfirsiche sind auch bei Amazon-Prime-Now-Kunden sehr gefragt.