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Leben in München:Was im Dorf fehlt, ist das Gefühl: Wenn ich nur wollte, könnte ich ...

Und jetzt? Ist alles ein bisschen anders. Man kocht immer noch viel und manchmal gut, man schaut nicht mehr so viel fern, und für den Edelvernatsch hat man jetzt einen Balkon vor dem kleinen Stück Fläche im Hinterhof, das als Garten zu bezeichnen ein wenig übertrieben wäre. Aber man liebt und liebt es immer mehr, dieses Gefühl: Ja, ich könnte, wenn ich wollte.

Ich könnte jetzt, sofort, ohne Vorwarnung, in die U-Bahn springen und zur Münchner Freiheit fahren, weil in der Lach & Schieß was läuft, was mich interessiert. Ja, ich könnte, wenn ich wollte, dann doch noch auf die Geburtstagsparty des Kollegen gehen, zwei Minuten zur U-Bahn plus Bus, plus 300 Meter zu Fuß, und ich dürfte dort sogar, wie man so sagt, "über den Durst" trinken, also mehr, als einem eventuell guttut. Nach Hause sind es ja nur 300 Meter zu Fuß, Bus, U-Bahn und dann zwei Minuten. Ja, ich könnte mit dem Hund eine kurze Runde um den Valley-Park drehen, oder eine mittellange am Isarkanal oder eine ganz lange rauf zum Hochufer. Meist reicht dem Hund dann der Valley-Park.

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Natürlich denkt man an das Dorf zurück (das sich offiziell Gemeinde nennt und aus drei weit auseinanderliegenden Teilen besteht). Zum Beispiel im Sommer, wenn das Thermometer die 35-Grad-Marke reißt und es auch in Untersendling nächtens nicht mehr abkühlt. Oder im Winter, wenn sich der Schnee, kaum gefallen, in graubraunen Matsch verwandelt, wogegen doch die Wiesen rund um die stolze Hohenschäftlarner Kirche in strahlendem Weiß glänzen. Aber dafür warten jetzt fußläufig gefühlt zehn Italiener, fünf Vietnamesen und ein bayerisches Wirtshaus darauf, dass man keine Lust zum Kochen hat.

Waren also die 13 Jahre auf dem Land verschenkte Zeit? Das nicht. Aber trotzdem bleibt der Eindruck haften, dass, wer als in der Stadt lebender und arbeitender Mensch irgendwann flieht in die dörfliche Idylle, sich diese etwas sperrig zeigt. Man ist und bleibt halt ein Städter, der zugezogen ist. Man hört deutlich die Schimpfworte, wenn sich ein benachbartes Ehepaar bei offenem Fenster bis aufs Messer streitet und grüßt tags darauf etwas verschämt, weil man allzu Intimes mitbekommen hat. In der Stadt wäre einem solches egal, ja, man würde es wohl gar nicht hören. Und wenn auf dem Dorf zum Straßenfest geladen wird, ist man natürlich willkommen, spürt aber, dass man bei den Unterhaltungen der wirklich Einheimischen nicht mitreden kann mangels Fachwissen über die Eigenarten der besprochenen Personen.

Im Haus zu Untersendling gibt es alljährlich ein Stockwerk übergreifendes Fest, nach welchem dann doch so etwas wie ein Nachbarschaftsgefühl bleibt. Ob dieses Gefühl reichen würde, eine Wasserschadenkatastrophe zu verhindern, wird sich nicht verifizieren lassen. Es gibt keinen Wasserhahn an der Außenmauer.

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