Theater:Trauerarbeit

Lesezeit: 1 min

Lacrimosa

"Lacrimosa" - ein wild assoziatives Requiem für die darbende Kunst.

(Foto: Franz Kimmel)

Lea Ralfs und Jan Geiger tragen mit "Lacrimosa" im Pathos die Kunst zu Grabe.

Von Egbert Tholl, München

Vor einem Jahr begab sich Lea Ralfs, Ko-Leiterin des Pathos Theaters, auf die Suche nach ihrem Opa und fand ihn in Freddie Mercury - "Innuendo" war ganz großes, herrliches Theater. Nun gibt es von ihr wieder großes Theater, wieder in Zusammenarbeit mit dem Autor Jan Geiger, aber wo "Innuendo" eine fabulierende, fast kriminalistische Spekulation voller (erdachter) Wahrheiten war, ist nun "Lacrimosa" ein durchlässiges, inhaltlich überbordendes, theatralisch faszinierendes Requiem.

Natürlich Requiem. Immer wieder soll das Lacrimosa aus Mozarts Requiem erklingen, tut es auch, einmal sogar mit Klavier und Sopransaxophon, das muss man auch erst einmal aushalten, was gut geht, denn Michael Gumpinger und Hannes Endres sind die beiden Musikanten, und ihnen fällt mit Klavier, Saxophon, Flöte, Bassklarinette und Celesta-artigen Klängen Wundervolles ein. Das superdiverse Ensemble singt und summt dazu, oft überstrahlt vom leuchtenden Sopran Judith Hubers. Ebenso wundervoll sind die Kostüme von Marie Jaksch, opulente, glitzernde Variationen von Schwarz inklusive eines ausladenden Priesterkegels, in dem Jan Geiger selbst steckt.

Die Kunst selbst tritt auf, die faszinierende Drag-Queen Janisha Jones. In Zeiten wie diesen zieht es sie zum Friedhof, aber noch gibt sie nicht auf, und auch die anderen, die hier spielen, bemühen sich um die Relevanz von Schönheit und Miteinander, auf alle möglichen, mäandernden Arten, auch tänzerisch wie Leonard Burkhardt. Aber dafür ist Lea Ralfs viel zu klug, ein Abend nur als Requiem auf die in der Pandemie leidende Kunst wäre in selbstreferenzieller Larmoyanz zu wenig. Also erinnern sich die Spielenden an ihre Omas, in Glaskästen können sie mit ihnen telefonieren, erinnernde Momente voller Dankbarkeit. Und da ist ja noch die Welt da draußen, in der Menschen im Meer ertrinken, auf der Flucht in ein bisschen besseres Leben. Aber dieser Kontrast verrinnt ein wenig, ihm fehlt die Härte, vielleicht sind es auch einfach zu viele Themen. Doch dank Mozart finden diese immer wieder zusammen, voller irrlichternder Assoziationen.

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