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Französisches Restaurant Lehel "Le Barestovino":Wie Gott in Frankreich

Jaja, Klischee, schon recht. Wenn's aber nun mal stimmt und man in dieser dreigeteilten Bar-Restaurant-Vinothek tatsächlich einfach göttlich isst und trinkt?

Jahrelang marschierten hier Japaner rein und raus. Genauso sicher wie sie Hofbräuhaus, Marienplatz und Frauenkirche finden, so zielsicher steuern sie auch jene Restaurants an, deren Kost ihnen behagt - neben all der Schweinshaxn-Gaudi-Esserei für die Fotokameras. Das Lokal liegt nicht im Touristenstrom, sondern in einer der ruhigen Ecken des Lehel: zwischen Isartor und Max-Monument, in der Thierschstraße. Vor dreieieinhalb Jahren versiegte der Japaner-Strom. Ein Jahr lang stand das Restaurant leer. Bis Joel Bousquet kam. Und mit ihm das Le Barestovino.

Bereiten das göttliche Essen zu: Die Köche im "Le Barestovino".

(Foto: Foto: Große-Harmann)

Was fast nach Konzeptkunst klingt, ist vielmehr gelebter Pragmatismus. Die Namens-Trias entstand schlichtweg aus den räumlichen Gegebenheiten: eine kleine Bar samt Theke und Bistrotischen im Eingangsbereich, ein Speisesaal mit 65 Plätzen ein paar Stufen tiefer Richtung Innenhof und schließlich ein Weinkeller für 16 Personen am ausladenden Holztisch für Degustationen oder auch private Feiern. Der Schwerpunkt im Barestovino liegt allerdings ganz klar auf der Abteilung "Resto". Und diese Abteilung ist absolut vorzüglich.

Chefkoch Guido Witt und Inhaber Joel Bousquet haben sich der französisch-mediterranen Küche verschrieben. Bousquet ist kein Unbekannter in der Münchner Gastro-Szene. Jahrelang hatte er in Haidhausen in der Rablstraße das L'ocean und das Tire-Bouchon geleitet, bis es ihn ins Lehel zog. Auch im Les cuisiniers, seinem zweiten Restaurant in der Reitmor- Ecke Liebigstraße, steht er am Kochtopf. Alles, was seine Küche verlässt, ist ein Gedicht. Und er hat viele Gedichte auf Lager.

Auf Lager stimmt natürlich nicht: Es ist alles frisch, klar. Es gibt keine feste Speisekarte. Jeden Tag werden die großen Schiefertafeln neu beschriftet, die Kellner erklären dem Gast die Kreationen gern am Tisch. Es klingt aber auch beim Lesen schon wunderbar: Gebratener Rochenflügel. Lauwarmes Rehcarpaccio mit Schwarzwurzelcreme. Waller in der Kartofelkruste. Duett vom Rind. Marmoriertes Nugatmousse mit Cassis-Sorbet. Und so weiter. Eine sehr lange Liste. Und so wie einem schon beim Bestellen das Wasser im Mund zusammenläuft, so delikat ist auch alles, was schließlich auf dem Tisch landet.

Das Drei-Gänge-Menü kostet 33 Euro, vier Gänge sind für 38 Euro zu haben. Wer lieber a la carte isst, muss für eine Vorspeise etwa zehn Euro veranschlagen, für ein Hauptgericht etwa 19 und für Nachspeisen etwa acht Euro. Dazu die Weine! 160 europäische Tropfen sind im Angebot - da bleiben kaum Wünsche offen. Auch hier beraten die Kellner fachkundig, ohne den Gast zu überfordern. Die Flaschenpreise beginnen bei 27 und enden bei 150 Euro. Für alle Zahlen gilt: Jeder Cent ist gut angelegt.

Das angenehm unaufdringliche Ambiente rundet das Gesamterlebnis Barestovino ab. Mit dem Architekten Max Morhammer hat Inhaber Bousquet vom Besteck bis zu den edlen Hölzern der Sitzmöbel stilsicher eine Atmosphäre geschaffen, in der alte Schwarz-Weiß-Fotografien neben farbkräftiger moderner Kunst hängen können. Befreundete Künstler stellen in loser Folge wechselnd ihre Exponate aus, im Speisesaal prangt über den Köpfen der Gäste eine Art Fotobanderole - und auf dem Teller geht es gleich weiter mit der Kunst. Manche Kreationen sind fast zu schade zum Wegessen. Aber auch nur fast.

© sueddeutsche.de/wib

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