Die Zeit Richtung Jahreswechsel ist bekanntlich immer auch Jahresrückblickszeit, bevorzugt in Gestalt von einprägsamen Bildern. Nun mag das Leo Betzl Trio, das seit geraumer Zeit unter dem schnittigen Namen LBT firmiert, zwar keinen Jahresrückblick erstellt haben. Und doch fügt sich das, was Leo Betzl am Piano, Maximilian Hirning am Bass sowie Sebastian Wolfgruber und Tim Sarhan im Wechsel am Schlagzeug übers Tour-Jahr 2025 zusammen angestellt haben, in ihrer Facebook-Timeline zu einem derart beeindruckenden Live-Sammelsurium aus Handyvideos zusammen, dass man aus dem rückblickenden Staunen kaum mehr herauskommt.
Da ist etwa die entfesselte Meute, die sich vor der Bühne der Salzburger „Szene“ in einen kollektiven Rausch hineintanzt. Da ist die irre Energie, die die drei als volltönendes Klangexperiment samt Chor im Verbund mit der Bayerischen Philharmonie in der Isarphilharmonie entfalten, indem sie Carl Orffs „Carmina Burana“ dort zu neuen technoiden Ufern führen. Und da sind die flummihaft zum Beat hüpfenden Besucher, die beim LBT-Konzert im Rahmen des sommerlichen Edinburgh Jazz & Blues Festivals demonstrieren, dass den Schotten in Sachen Partylaune weiterhin niemand etwas vormacht.
LBT sind also ganz gewiss nicht das, was man sich so unter einem Jazz-Trio in klassischer Piano-Schlagzeug-Bass-Besetzung vorstellt. Dafür haut ihre Vision von einem Techno-Sound mit handgemachten Mitteln, die sie einst als Mitstreiter der Jazzrausch Bigband herausschälten, dann doch zu sehr auf die Zwölf. Andererseits wird man ihnen aber auch nicht gerecht, wenn man sie allein als analog agierende Techno-Rabaukentruppe einsortiert. Sind doch besonders die jüngsten LBT-Alben „Stereo“ und „Abstrakt“ wundervolle Beweise dafür, dass dieses Trio im Jazz wie im analogen Techno gleichermaßen zu Hause ist.
Hielten sie beides auf dem Doppel-Album „Stereo“ von 2020 noch sorgfältig auseinander, so flossen die romantisch bis impressionistisch geprägten Jazz-Kompositionen Leo Betzls und die kompositorischen Techno-Anverwandlungen des Bassisten Maximilian Hirning auf dem live vor Publikum im Studio 2 des BR aufgenommenen „Abstrakt“ erstmals auf schlüssige Weise zusammen. Auf einen Nachfolger dieser wunderbar weltenverbindenden Platte mag man bisher noch vergeblich warten. Doch die ganze lyrische Wucht dieser Musik entfaltet sich ohnehin am schönsten dort, wo auch „Abstrakt“ aufgenommen wurde: auf der Bühne.
Und so beginnt das Musikjahr 2026 mit gleich zwei LBT-Auftritten in der Unterfahrt, die beide Seiten dieses janusköpfigen Projekts hervorheben. Zum einen die (bei allem technoiden Spirit) tief im Jazz verwurzelte, die LBT mit der Aufführung von „Abstrakt“ am 2. Januar präsentieren werden. Und zum anderen jene als analoges Techno-Trio, als das sie tags darauf am 3. Januar zu sehen sind. Intensiv dürfte es freilich an beiden Abenden werden, auch wenn flummihafte Hüpf- und sonstige Tanzeinlagen angesichts der Enge in der bestuhlten Unterfahrt wohl erst mal den Jazz- und Technofreunden in Edinburgh und Salzburg vorbehalten bleiben.
LBT, Donnerstag, 2. Januar, und Freitag, 3. Januar, 20.30 Uhr, Unterfahrt, Einsteinstraße 42

