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Laubholzbockkäfer:Stadt knöpft sich Käfer vor

Asiatischer Laubholzbockkäfer in Neubiberg, 2014

Spürhunde sollen den Käfer aufspüren wie in Neubiberg.

(Foto: Angelika Bardehle)

Verwaltung soll den Kampf gegen den Laubholzbock selbst stemmen

Er ist drei bis vier Zentimeter klein, zieht im Stadtrat aber große Diskussionen nach sich: der Asiatische Laubholzbockkäfer. Seit er im Riemer Wäldchen und damit erstmals im Stadtgebiet gesichtet wurde, sind vor allem die Stadträte der Grünen und der ÖDP in Wallung. "Wir haben Angst", sagte Tobias Ruff (ÖDP) im Stadtrat, "es reicht ein Käfer, und schon muss man in einem großen Umkreis aus Gründen der Prävention einen Kahlschlag machen". Diese Angst hat auch mit den Erfahrungen in Feldkirchen und Haar zu tun, wo der Käfer schon vor zwei Jahren aufgetaucht war. Von dort ist er vermutlich nach Riem weitergezogen - obwohl die Förster dies verhindern wollten, indem sie in den betroffenen Gemeinden Hunderte Bäume gefällt hatten.

Um nun wiederum zu verhindern, dass der Käfer sich weiter in Richtung Stadtzentrum ausbreitet und auch dort abgeholzt werden muss, rief die Grünen-Fraktion zu schnellem Handeln auf. "Es drohen massive Veränderungen im Stadtbild, wenn wir das nicht in den Griff bekommen", warnte Herbert Danner (Grüne) und forderte die Stadt in einem Antrag dazu auf, "die Koordination und Abwicklung aller erforderlichen Maßnahmen zur Gefahrenabwehr" selbst in die Hand zu nehmen, statt die Käferbekämpfung wie bisher dem Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten in Ebersberg zu überlassen. Am Ende der Debatte stimmte die Mehrheit der Stadträte diesem Grünen-Antrag zu - gegen den Willen von SPD und Oberbürgermeister Dieter Reiter, der zwar von einer "durchaus nennenswerten Bedrohung" sprach, aber auch sagte, er sehe "keinen Hinweis darauf, dass sich das Landesamt dieser Aufgabe nicht stelle".

Zwar liegt der Kampf gegen den Käfer nun bis auf Weiteres in den Händen der Stadt, doch bezahlt wird er von jenen 100 000 Euro, die der Freistaat der Stadt München zur Verfügung gestellt hat. Der Freistaat zahlt allerdings nur, wenn auf städtischen Flächen gefällt werden muss. Taucht der Käfer auf einem Privatgrundstück auf, muss der Eigentümer die Fällung, Entsorgung und Ersatzpflanzung aus eigener Tasche zahlen. SPD-Fraktionschef Alexander Reissl hält dies für richtig, schließlich zahle die Stadt ja auch nicht für Sturmschäden, die auf Privatgrundstücken entstehen. Die Mehrheit des Stadtrats sieht das anders und setzte am Mittwoch durch, dass die Stadtkämmerei die Einführung eines Sonderfonds prüft, um auch Privatleute im Kampf gegen den Käfer zu unterstützen.

In Neubiberg hat sich der Käfer unterdessen deutlich stärker ausgebreitet als bisher angenommen. Die Landesanstalt für Landwirtschaft hat an 60 weiteren Laubgehölzen einen Befall festgestellt: Gefunden wurden 22 Larven und 2600 Larveneier. Nun müssen im Umkreis von jeweils 100 Metern alle bedrohten Baumarten gefällt werden. Nach dem ersten Fund waren im Februar und März 400 Bäume und Sträucher gefällt worden. Damals waren 30 Bäume befallen.