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Lange Nacht der Museen:Wenn die Nacht zum Tag wird

Lange Nacht der Museen 2012: Lichtinstallation in der Theatinerkirche.

(Foto: Stephan Rumpf)

Das Deutsche Museum lässt Leonardo da Vinci auferstehen, im Olympiaturm gibt es ein Überraschungskonzert und Kinder können auf Schatzsuche gehen: 90 Museen und Sammlungen öffnen am Samstag zur Langen Nacht der Museen. Am Sonntag geht es im Umland weiter.

Das herbstliche Großereignis in Kunst und Kultur steht wieder an: Am Wochenende findet zum 15. Mal in München die Lange Nacht der Museen statt. 90 Häuser nehmen mittlerweile daran teil, von der Alten Pinakothek über die unlängst nach der Sanierung erst wiedereröffnete Pinakothek der Moderne bis hin zu sonst eher wenig beachteten Museen wie dem Feuerwehrmuseum, dem Lapidarium im alten Südfriedhof oder einem Kartoffelmuseum am Ostbahnhof.

Dazu schmuggeln sich mittlerweile auch immer mehr Galerien und kleine Kunstvereine ins Programm. Im Grunde ist das riesige Angebot in einer einzigen Nacht gar nicht mehr wahrnehmbar - selbst wenn diese längst schon bis in den nächsten Tag um 2 Uhr in den ganz frühen Morgen hineinreicht.

Mut zur Lücke kann das Motto also nur lauten. Zumal diese Lange Nacht sich erstmals "Lange Nacht Plus" nennt. Mit vier den Himmelsrichtungen zugeordneten und von Shuttlebussen versorgten nächtlichen Stadttouren ist es diesmal nämlich nicht getan. Die Lange Nacht der Museen umfasst in diesem Jahr zum ersten Mal das gesamte Wochenende.

Lange Nacht der Museen 2012

Entdeckungstour mit dem bösen Wolf

Hinaus ins Umland

Am Sonntag geht es weiter mit 44 weiteren Museen im Umland. Dafür braucht man kein eigenes - übrigens nicht nur im Vorverkauf, sondern auch in allen teilnehmenden Häusern vor Ort zu erwerbendes - Ticket mehr. Wobei dieses Ticket 15 Euro kostet und nicht nur zum Eintritt in die Museen berechtigt, sondern auch die Fahrten mit den Shuttlebussen beinhaltet. Das Ticket gilt von 12 Uhr am Samstag bis 8 Uhr am Sonntag für das gesamte MVV-Netz.

Wer also vom klassischen Kulturmarathon am Samstag noch nicht hinlänglich befriedigt ist, der kann am nächsten Tag von Mittag an durch 15 Landkreise im Münchner Umland tingeln und sich dort die musealen Sehenswürdigkeiten ansehen oder zeigen lassen - bei freiem Eintritt.

Auch hier gilt wieder das Motto vom Vorabend, denn es wird wohl kaum jemandem möglich sein, an einem Nachmittag den Bogen zu schlagen vom Deutschen Hopfenmuseum in Wolnzach im Norden bis zum Schlossmuseum von Murnau im Süden und vom Nähmaschinenmuseum nahe Landsberg im Westen bis zum Museum für Wald und Umwelt im ziemlich weit östlich gelegenen Ebersberg. Wie also umgehen mit diesem unglaublich aufgebauschten Monstermuseumsrummel?

Am besten ganz entspannt bleiben, sich das Programm besorgen und nach Lust und Laune vorgehen. In der einen Nacht schafft man nur einzelne Höhepunkte wie etwa das Deutsche Museum, das mit Theaterszenen und Taschenlampenerkundungen quer durch das ganze Haus lockt. Was man aus Zeitgründen nicht wahrnehmen kann, lässt sich ja unter Umständen übers Jahr bis zur nächsten Museumsnacht 2014 nachholen. Dafür bietet das kleine Programmheft nachhaltig und langfristig Hilfestellung. Zur Orientierung vielleicht noch wichtig: Geografischer Dreh- und Angelpunkt am Samstag ist der Odeonsplatz, von wo aus die Busse zu den verschiedenen Touren starten.

Alle Informationen zur Langen Nacht der Museen finden Sie hier.

Text: Christoph Wiedemann

SZ-Extra 17.10.

Wie lang war der Schnauzbart des Hausherrn? Diese Frage wird beim Kreativworkshop in der Villa Stuck beantwortet.

Kinderprogramm mit Schatzsuche

Bevor die Erwachsenen einen ganzen Abend lang von einer Kunststätte zur nächsten pilgern können, werden am Samstagnachmittag erst einmal die kleinen Kunstkenner bedient. Nach dem Motto "Die Kinder von heute sind die Besucher von morgen" bietet das Kinderprogramm der Langen Nacht der Museen von 14 bis 18 Uhr Märchenstunden, Schatzsuchen, Malkurse und kindergerechte Führungen durch die großen Museen.

Wer lieber mehr Action will, der kann im Museum für Völkerkunde beim Capoeira-Training aktiv werden. Die kleinen Nachwuchsdesigner können sich im Münchner Künstlerhaus am Lenbachplatz mit Mode und im BMW-Museum mit den Autos der Zukunft beschäftigen. Auch die Münchner Pinakotheken bieten nachmittags ein speziell für Kinder ausgerichtetes Programm. So gibt es etwa in der Pinakothek der Moderne eine Einführung in die Welt der abstrakten Malerei.

Die Götter im Olymp

Geschichten, Sagen und Mythen über die Götter im Olymp, Riesen, Zwerge oder Könige gibt es im Staatlichen Museum Ägyptischer Kunst in der Gabelsbergerstraße, in der Antikensammlung am Königsplatz oder im Kartoffelmuseum in der Grafinger Straße. Ein Kreativworkshop findet in der Villa Stuck statt.

Im Kinderforum van de Loo (Schellingstraße 69) können sich die Entdecker auf Schatzsuche begeben, im Bayerischen Nationalmuseum in der Prinzregentenstraße eine eigene Tasche für die persönlichen Schätze nähen und sie in der Lithografiewerkstatt des Münchner Künstlerhauses vielleicht auch gleich selbst bedrucken.

SZ-Extra 17.10.

Zu einem Berg aufgetürmte Fotografie zeigt Philipp Schönborn im Alpinen Museum.

Tour Ost: Ballett im Takt der Dampfmaschine

Das Staatstheater am Gärtnerplatz wird noch bis 2014 generalsaniert, deshalb muss das Ballett-Ensemble des Hauses zurzeit auf andere Spielstätten ausweichen. Ein sehr ungewöhnlicher Ort für eine Aufführung ist die Werkzeugmaschinenhalle im Deutschen Museum, wo das Corps de Ballett in der Langen Nacht der Museen ab 20 Uhr zum Takt der Dampfmaschine tanzen wird.

In "Tanz - bewegte Körper und Maschinen" stellt das Ensemble die Frage nach der Stellung des Menschen in einer hoch industrialisierten Welt. Das größte Technikmuseum der Welt lässt mit Leonardo Da Vinci und Oskar von Miller zudem zwei Koryphäen der Wissenschaft auferstehen und mit dem Publikum über das Thema Fliegen diskutieren. Wer eine Taschenlampe mitbringt, kann auch noch das Bergwerk unter realistischen Bedingungen erkunden.

Passend zu der seit April laufenden Ausstellung über Taschen gibt es im Bayerischen Nationalmuseum in der Prinzregentenstraße mehrere Vorträge und Führungen zur Kulturgeschichte der Tasche. Im Kartoffelmuseum beim Ostbahnhof werden zur Ausstellung "Frau Holle, Wagner und die Kartoffeln" Chips und Kartoffel-Lebkuchen serviert.

Das Alpine Museum des Deutschen Alpenvereins auf der Praterinsel zeigt die aktuellen Serienbilder-Tableaus und Installationen aus Fotografien in Leuchtkästen des Vorarlberger Künstlers Philipp Schönborn, und in der Villa Stuck werden Führungen durch die Privaträume des Malers Franz von Stuck angeboten, der vor 150 Jahren geboren wurde.

Tour Schwabing: Es geht hoch hinaus

Lange Nacht der Museen, Staatliches Museum Ägyptischer Kunst-'Abschied von der Residenz', 20.Oktober 2012, Foto : C : Stephan Rumpf

(Foto: Stephan Rumpf)

Die alten Ägypter hatten einen unerschütterlichen Glauben an das Leben nach dem Tod, deshalb wurde den Toten neben zahlreichen Beigaben auch immer eine kleine Statue mit ins Grab gelegt. Diese "Uschebtis" (zu deutsch: Antworter) sollten dem Verstorbenen im Jenseits helfend zur Seite stehen. Im Staatlichen Museum Ägyptischer Kunst werden in der Langen Nacht der Museen äußerst lebendige Uschebtis für Fragen der Besucher zur Verfügung stehen. Wer die im Mai eröffneten unterirdischen Ausstellungshallen noch nicht besichtigt hat, sollte die Gelegenheit nützen. Stündlich wird in einem Vortrag das Konzept der Dauerausstellung erklärt.

Auch in der Neuen und Alten Pinakothek, der vor kurzem erst wiedereröffneten Pinakothek der Moderne sowie im Museum Brandhorst werden am Samstag auskunftsfreudige Mitarbeiter unterwegs sein. Hier nennt man sie "Ciceroni" - wie die im 19. Jahrhundert tätigen Kunstvermittler in Anlehnung an Cicero.

Die Tour durch Schwabing beschränkt sich aber nicht nur auf die großen Museen im Kunstareal, sondern erstreckt sich bis hinaus zum Olympiapark, wo das BMW-Museum ebenso geöffnet ist wie das Rockmuseum im Olympiaturm, in dem ein Sammelsurium an Fotos, Schallplatten und handsignierten E-Gitarren zu sehen ist. Die letzte Station der Rundfahrt ist die Denkstätte Weiße Rose im Lichthof der Ludwig-Maximilian-Universität, wo das Junge Schauspiel Ensemble zum 70. Todestag der Mitglieder der Widerstandgruppe aus dem Briefwechsel und den Flugblättern der Geschwister Scholl liest.

Tour Innenstadt: Operette mit Wagner

SZ-Extra 17.10.

Das Spielzeugmuseum nimmt zum ersten Mal an der Museumsnacht teil.

Die Party geht zu Ende. Im Deutschen Theatermuseum in der Galeriestraße wird die Lange Nacht der Münchner Museen zum Anlass genommen, sich von der Ausstellung "Von der Welt Anfang und Ende" zum 200. Geburtstag von Richard Wagner zu verabschieden. Im Rahmen der Finissage machen sich Mitglieder der Bayerischen Theaterakademie um 20 und 22 Uhr musikalische Gedanken zum "Ring der Nibelungen" und zeigen unter anderem einen Querschnitt aus Oscar Straus' Operette "Die lustigen Nibelungen".

Im Max-Planck-Haus am Hofgarten führt der Künstler Andreas Kuhnlein ab 19 Uhr durch seine Skulpturenausstellung "Bilder des Menschen". Wer seinen Gang von Tür zu Tür fortsetzen möchte, könnte auch noch im Museum für Völkerkunde in der Maximilianstraße auf einen Caipirinha vorbei- und den Sambatänzern dort zuschauen. Die ganze Nacht steht unter dem Motto Brasilien - so auch der Vortrag von Klaus Schönitzer ab 20 Uhr über die legendären Reisen der Forscher Johann Baptist von Spix und Carl Philipp von Martius nach Brasilien. Wer es eher fernöstlich mag, hat zudem die Möglichkeit, die seit Juni laufende Sonderausstellung über Burma zu besichtigen.

Die Buslinie 91 verkehrt vom Odeonsplatz über die Theresienhöhe zum Marienplatz und bietet die Möglichkeit, unterwegs 35 Museen zu besuchen. Darunter auch das 1983 eröffnete Spielzeugmuseum im alten Rathausturm, das eine einmalige Sammlung historischer Spielsachen aus Europa und Amerika zu bieten hat. Lohnen könnte sich auch ein Zwischenstopp im Stadtmuseum am Sankt-Jakobs-Platz, dort sind nämlich alle Dauer- und Sonderausstellungen geöffnet. Zudem wird den ganzen Abend lang ein buntes Programm mit Musik und Geschichten geboten. So führt etwa Henning Rader von 19.30 Uhr an durch 855 Jahre Stadtgeschichte und erklärt, was warum und seit wann typisch für München ist.

Tour West: Ein Drink mit Ella

Als im Mai dieses Jahres die Städtische Galerie im Lenbachhaus wiedereröffnet wurde, schwebten die kunstbeflissenen Münchner sogleich im siebten Himmel. Der von dem britischen Stararchitekten Norman Foster konzipierte Umbau und der angefügte Neubau mit seinen markanten Fassaden aus gewölbten Gelbmetallblechen erlebten vom ersten Öffnungstag an einen Publikumsansturm, der sich bis heute kaum gelegt hat.

SZ-Extra 17.10.

Das Amerikahaus zeigt Eisbärfell mit Polarforscher.

Es ist also mit einiger Sicherheit davon auszugehen, dass das neue Lenbachhaus nur wenige Monate nach seiner Rückkehr in den Kunstbetrieb zu den ganz heißen Spots der Langen Nacht gehören wird, zumal es sich bei einem Drink unten an der Bar des Museumscafés "Ella", das einen schönen Blick auf die Propyläen gewährt, ganz gut aushalten lässt. Ella, das ist übrigens der Kosename, mit dem Wassily Kandinsky einst seine Lebensgefährtin Gabriele Münter bedacht hat.

Das Lenbachhaus ist aber nur eine bedeutende Adresse auf der Tour West, die vom Odeonsplatz über den Karolinenplatz, Königsplatz und das Schloss Nymphenburg bis zum Botanischen Garten führt. Die Reise könnte unter anderem Besuche in der Glyptothek, den Staatlichen Antikensammlungen, dem Paläontologischen Museum und dem Amerika-Haus beinhalten, wo eine Auswahl der faszinierendsten Fotografien aus der 125-jährigen Geschichte des Magazins der National Geographic Society zu sehen ist. Aber Achtung: Alleine das Lenbachhaus könnte schon sehr viel Zeit in Anspruch nehmen.

Museumsnacht plus: Raus aufs Land

Zum ersten Mal geht die Lange Nacht der Museen in diesem Jahr in die Verlängerung. Wer also am Samstag noch immer nicht genug von Kunst, Kultur und Party hat, kann tags darauf noch einen Ausflug ins Münchner Umland dranhängen. Das reicht in diesem Fall von Manching ganz im Norden bis Kochel im Süden und von Friedberg im Westen bis Wasserburg am Inn im Osten.

Insgesamt 44 kulturelle Einrichtungen in Oberbayern konnten die Veranstalter der Langen Nacht dafür gewinnen, sich an der großen Museumsaktion zu beteiligen. Das Zusatzangebot mit dem simplen Titel "Museumsnacht Plus" umfasst unter anderem die Schlösser in Schleißheim, das Franz Marc Museum in Kochel oder das Freilichtmuseum von Markus Wasmeier am Schliersee. Zahlreiche Häuser wie das Kloster in Benediktbeuern oder die Flugwerft des deutschen Museums in Schleißheim bieten den Besuchern am Sonntag sogar Sonderführungen an.

Mit alten Kirchweihbräuchen, Musik und Bauernmärkten bieten das Freilichtmuseum Glentleiten und das Bauernhofmuseum Jexhof in Schöngeising bei Fürstenfeldbruck ein attraktives Programm. Wer sich für zeitgenössische Kunst interessiert, ist im Kallmann-Museum in Ismaning gut aufgehoben. Besucht werden können die Museen zu den üblichen Sonntagsöffnungszeiten. Wer im Besitz eines Lange-Nacht-Tickets ist, hat freien Eintritt.