Landtagswahl Für Zacharias hat nicht viel gefehlt

Isabell Zacharias war Kandidatin im Stimmkreis München-Schwabing (108) bei der Bayerischen Landtagswahl 2018.

(Foto: Alessandra Schellnegger)
  • Isabell Zacharias ist bei der Landtagswahl nach zehn Jahren knapp aus dem Parlament geflogen.
  • 209 Stimmen für sich selbst hätten ihr für den Wiedereinzug gereicht - oder 88 Stimmen mehr für die CSU.
Von Kassian Stroh

209 Stimmen. Was sind schon 209 Stimmen bei 3,2 Millionen Wahlberechtigten in Oberbayern? Hätte Isabell Zacharias (SPD) am Sonntag aber 209 Stimmen mehr bekommen - ob in ihrem Stimmkreis Schwabing oder irgendwo sonst her als Zweitstimme -, dann wäre sie jetzt nicht nach zehn Jahren aus dem Landtag geflogen. Dann wäre sie nicht auf dem achten Platz der oberbayerischen SPD-Kandidaten gelandet, von denen aber nur sieben ins Maximilianeum einziehen; dann wäre sie anstelle ihrer Münchner Abgeordneten-Kollegin Diana Stachowitz (SPD) die siebtbeste geworden und Abgeordnete geblieben. Die bekam insgesamt exakt 208 Stimmen mehr als Zacharias.

Bemerkenswert ist zudem: Isabell Zacharias hätten sogar nur 88 zusätzliche Stimmen in den Landtag verholfen - allerdings nicht für sie, sondern für die CSU. Und zwar im Stimmkreis München-Moosach: Dort unterlag im Ringen um das Direktmandat die CSU-Kandidatin Mechthilde Wittmann mit dem hauchdünnen Abstand von 87 Stimmen dem grünen Bewerber Benjamin Adjei - diese erwägt, wie sie am Mittwoch sagte, das Ergebnis anzufechten. Hätten dort 88 Bürger mehr für Wittmann votiert, so wären sie beide, Zacharias und Wittmann, nicht aus dem Parlament geflogen. Das klingt kurios, liegt aber an den komplizierten Feinheiten des bayerischen Wahlrechts, das möglichst viel Gerechtigkeit herbeiführen soll.

Direkt gewählte haben Vorrang

Und es erklärt sich folgendermaßen: Wegen ihres schwachen Gesamtergebnisses dürfte die CSU eigentlich nur 23 oberbayerische Abgeordnete stellen. Direkt gewählte haben aber Vorrang, sie dürfen in jedem Fall in den Landtag. Von diesen hat die Oberbayern-CSU seit Sonntag 26, mithin drei zu viel - das nennt man Überhangmandate. Damit die anderen Parteien nicht benachteiligt werden, bekommen sie nach einem komplizierten Rechenmechanismus sogenannte Ausgleichsmandate zugesprochen. Diesmal waren das in Oberbayern fünf: zwei für die Grünen und je eines für SPD, Freie Wähler und FDP.

Hätte nun die CSU-Kandidatin Wittmann in Moosach gewonnen, hätte die CSU ein weiteres Direktmandat errungen und damit vier Überhangmandate gehabt. Die Experten der Internetseite wahlrecht.de haben errechnet, dass in diesem Fall zwei weitere Ausgleichsmandate fällig geworden wären: eines davon wäre an die AfD gegangen und eines an die SPD. Die AfD hätte also einen weiteren Abgeordneten in den Landtag schicken können - und eben auch die oberbayerische SPD. Nämlich Isabell Zacharias, die auf Platz acht ihrer Liste gelandet ist. Mit nur 208 Stimmen Abstand.

Anmerkung der Redaktion: Dieser Artikel ist in Teilen überholt. Die Berechnung, dass Isabell Zacharias (SPD) eines von zwei Ausgleichsmandaten bekommen hätte, wenn die CSU den Stimmkreis München-Moosach gewonnen hätte, beruht auf Wahlergebnissen, die die Stadt München und der Landeswahlleiter in der Wahlnacht veröffentlicht haben. Diese sind in der Zwischenzeit aber teils drastisch korrigiert worden. Dadurch haben sich in ganz Oberbayern massive Verschiebungen ergeben. Die Experten von wahlrecht.de kommen nun zu dem Ergebnis: Ein solches Ausgleichsmandat wäre nicht der SPD zugutegekommen, sondern den Grünen. Das andere hätte weiterhin die AfD erhalten.

Die tapfere Isabell Zacharias

2000 Haustüren, 270 Plakate, 40 Infostände, 500 rote Rosen. Und was hat es gebracht? "Ein richtiges Scheißergebnis." Über den Untergang der SPD in Bayern, am Beispiel der Kandidatin aus München-Schwabing. Von Gianna Niewel mehr...