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Landshut:Unentschieden

Landshuts Kultursenat berät über Fritz Koenigs Ganslberg

Von Sabine Reithmaier, Landshut

Die Zukunft des Ganslbergs bleibt ungewiss. Genau ein Jahr ist es her, dass ein Treffen bei Kunstminister Bernd Sibler (CSU) mit dem Beschluss einer Machbarkeitsstudie endete. Sie soll klären, ob sich das ehemalige Anwesen des Bildhauers Fritz Koenig, einige Kilometer nordwestlich von Landshut gelegen und seit dessen Tod im Februar 2017 verwaist, in ein multimediales Museumsprojekt verwandeln lässt. Ein Konzept dazu hatten Percy und Eleonore Adlon, Filmemacher und Drehbuchautorin, vorgelegt.

Doch die Studie lässt auf sich warten. Daher haben ehemals persönliche Freunde Koenigs, neben Adlon auch der Kunsthändler Alexander Rudigier, der Dokumentarfilmer Dieter Wieland und der Historiker Michael Wolffsohn, einen offenen Brief an Oberbürgermeister Alexander Putz und Sibler geschrieben mit der Bitte, endlich das Startzeichen für die Studie zu geben.

Bereits im Juni hatte die Landesstelle für nichtstaatliche Museen, von Sibler um Mithilfe gebeten, Putz als Vorsitzenden der Fritz-und-Maria-Koenig-Stiftung umfangreiche Ausschreibungsunterlagen geliefert, die Aufgaben und Ziele der Studie definieren. Allerdings plädiert die Landesstelle dafür, sich darin nicht ausschließlich auf den Ganslberg zu konzentrieren, sondern das Landshuter "Museumsquartier" ganzheitlich zu betrachten und die einzelnen Museumsstandorte zu evaluieren, also auch das Stadtmuseum, das bereits teilweise ins ehemalige Franziskanerkloster gegenüber dem Koenig-Museum gezogen ist. Nur mehr ergänzend soll geprüft werden, ob und inwieweit der Ganslberg sich für eine museale Nutzung eignet und in das städtische Museumskonzept eingebunden werden kann. So steht es in der Sitzungsvorlage für den Kultursenat der Stadt, der an diesem Donnerstag tagt.

Das sorgt für Irritationen im Freundeskreis Fritz Koenig, einem 2018 gegründeten Verein, der den Ganslberg als Schaffensort Koenigs authentisch bewahren möchte. "Dass der Prantlgarten ins Zentrum gerückt ist, finde ich seltsam", sagt Wolfgang Conrad, Vorsitzender des Freundeskreises, zumal das geschehen sei, ohne den Verein einzubinden. Für Oberbürgermeister Putz hingegen stellt sich die Frage, wer die Studie denn jetzt überhaupt beauftragen kann. Wenn deren Umfang auch auf die Museen der Stadt Landshut erweitert werden soll, könne dies nicht mehr, wie vorgesehen, die Koenig-Stiftung tun.

Dirk Blübaum, Leiter der Landesstelle, erinnert daran, dass der Ganslberg von Koenig nie als Museum gedacht war. Ihm falle es schwer, sich dort oben einen Museumsbetrieb vorzustellen. Außerdem bestünde die Gefahr, dass sich zwei Koenig-Museen gegenseitig kannibalisierten, sagt er. Die Funktion des Ganslbergs zu klären, sei Aufgabe der Studie, die Blübaum auch als Chance begreift, die verfahrene Koenig-Debatte wieder in "adäquate Bahnen" zu bringen. Er hält es für zwingend notwendig, im Koenig-Museum künftig Strukturen zu schaffen, die der Sonderstellung des Hauses gerecht würden und den Bildhauer als großen internationalen Künstler erscheinen lassen. Reine Koenig-Ausstellungen genügten nicht, das Werk müsse im Kontext des 20. Jahrhunderts eingeordnet werden. Damit meint Blübaum aber nicht die lokalen oder regionalen Dialoge, die die derzeitige Museumsleitung bevorzugt.

Letztere wollen die vier Autoren des offenen Briefs auch nicht. Angesichts der Finanzlage Landshuts halten sie es für illusorisch, regelmäßig Sonderausstellungen auf gleicher Höhe mit Koenigs Kunst zeigen zu wollen. Daher schlagen sie vor, die letzte vom Bildhauer im Museum hinterlassene Aufstellung seiner Werke wieder herzustellen. Und endlich die Machbarkeitsstudie zu starten: "Die Zeit drängt, die öffentlichen Ausgaben steigen von Tag zu Tag."

© SZ vom 26.11.2020
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