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Zusammenarbeit mit dem Werkbund:Experimentelles Wohnen

Was passiert auf den Kegelfeldern? Der Gemeinderat will neben 40 Prozent Gemeinbedarf und Grünflächen auch 40 Prozent für die Wohnbebauung zulassen.

(Foto: Claus Schunk)

Taufkirchen will die Kegelfelder überplanen

Von Iris Hilberth, Taufkirchen

Für die Kegelfelder gab es schon viele Pläne. Vor allem solche, die für große Aufregung sorgten und dann wieder verworfen wurden. Seit zwei Bürgentscheiden in den Jahren 2007 und 2008 war zumindest erst einmal klar gestellt: Die Fläche nördlich der Realschule am Köglweg und östlich der S-Bahnlinie soll langfristig für Gemeinbedarf freigehalten werden. Wie das genau aussehen soll und inwieweit dann doch Wohnbebauung zugelassen wird, darüber wurde schon viel gestritten. Jetzt will die Gemeinde gemeinsam mit dem Deutschen Werkbund das Gebiet überplanen und gibt sich dabei offen für experimentelle Lösungen.

Nach dem Bau des Köglhauses nördlich der Realschule, das die Kindertagesstätte Tranquilla Trampeltreu beherbergt, war es zuletzt um den Bau einer Flüchtlingsunterkunft auf den Kegelfeldern gegangen. Auch eine Machbarkeitsstudie für alternative Standorte der Mittelschule und der Grundschule am Wald schließt die Grundstücke dort mit ein. Problem bei alledem ist nur: Die Kegelfelder befinden sich nicht im Eigentum der Gemeinde. Um Bürgermeister Ullrich Sander (parteifrei) für die Verhandlungen mit den Grundstücksbesitzern eine bessere Verhandlungsbasis zu schaffen, hatte der Gemeinderat im März beschlossen, bei der Überplanung neben 40 Prozent Gemeinbedarf und 30 Prozent Grünflächen auch 40 Prozent für die Wohnbebauung zuzulassen. Sehr zum Unmut der Initiative Lebenswertes Taufkirchen (ILT), auf deren Betreiben damals die Bürgerentscheide zustande kamen und die nun der Ansicht sind, der Wille der Bürger werde außer Acht gelassen.

Die Verwaltung weiß, wie heikel das Thema ist. Bauamtsleiterin Tanja Debes begründete in der jüngsten Gemeinderatsitzung die Kooperation mit dem Deutschen Werkbund auch mit der "besonders sensiblen Situation der Kegelfelder". Mit dem Werkbund hofft man einen guten Partner gefunden zu haben, da dessen Vertreter die Planung ohne finanzielle Interessen sähen, wie Debes betonte. Auch der Zweite Bürgermeister Alfred Widmann (SPD) ist überzeugt, dass der Werkbund kein bestimmtes Ergebnis anstrebe. Der Deutsche Werkbund ist ein 1907 gegründeter Verein, in dem sich Künstler und Architekten zusammengeschlossen haben, um nach eigenen Angaben durch ein "Zusammenspiel von Kunst, Industrie und Handwerk zukunftsweisende Impulse für Baukultur und Formgebung sowie übergreifende gesellschaftliche Prozesse zu geben".

Der Gemeinde Taufkirchen schwebt für die Kegelfelder ein ganz neues Konzept des Wohnens vor. "Wir wollen keine Ansammlung von Einfamilienhäusern", sagte Debes. Vielmehr kann man sich im Rathaus ein Experiment mit Wohnen in Gemeinschaft vorstellen. Wie ein solches Projekt aussehen kann, welche innovative Lösungen entwickelt werden, damit individuelle Wohnungen unter einem Dach gepaart mit geteilter sozialer Verantwortung verwirklicht werden können, darüber will sich der Gemeinderat bei einer Ausstellung im Deutschen Architekturmuseum in Frankfurt informieren.

© SZ vom 03.11.2015
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