Zugangskontrollen:Oft rigoros, manchmal ziemlich nachlässig

Dover Quartet und Pavel Haas Quartet spielen Konzert in Grünwald

Auch beim Konzert des Dover Quartetts im Grünwalder August-Everding-Saal galt die 3G-Regel.

(Foto: Sebastian Gabriel)

Beim Konzert, in der Sporthalle und im Altenheim wird die 3G-Regel strikt angewandt, im Café nehmen es die Angestellten nicht ganz so genau. Erfahrungsberichte aus dem Landkreis

Von SZ-Autoren, Landkreis

Geimpft, getestet, genesen - das ist der Dreiklang der neuen Freiheit im zweiten Corona-Herbst. An Schilder mit dem Hinweis "Hier gilt die 3G-Regel" hat man sich im Landkreis längst gewöhnt. Wer ins Restaurant, zur Sportveranstaltung, ins Kino oder ins Konzert will, sollte seinen Nachweis dabei haben, der bestätigt, dass man zu 3G gehört. Oder neuerdings auch zu 2G (geimpft und genesen) oder zur Gruppe der 3G-Plus, die neben den 2G auch PCR-Getestete einschließt. Entschließt sich ein Veranstalter freiwillig für eine dieser Regelungen, dann darf man näher zusammenrücken, die Masken abnehmen und in größeren Gruppen Alkohol trinken. Doch sind damit genaue Kontrolle verbunden, und für die Veranstalter und Gastronomen eine Menge Arbeit. Schauen sich aber tatsächlich alle die Impfnachweise ihrer Kunden an?

Das zu kontrollieren, obliegt dem Landratsamt. Dort heißt es: "Entsprechende 3G(plus)-/2G-Nachweise sind vom Betreiber zu kontrollieren. Dies bedeutet eine Zugangskontrolle samt Identitätsfeststellung in Bezug auf jede Einzelperson." Wer das nicht macht, riskiert ein Bußgeld. Kontrollen sowohl durch Mitarbeiter des Landratsamt als auch der Polizei könnten "jederzeit und unangemeldet stattfinden".

Bislang habe das Landratsamt zu 2G-/3G-Verstößen keine Anzeigen der Polizei erhalten, teilt eine Sprecherin mit. "Ganz vereinzelt haben sich Bürger mit Hinweisen an uns gewandt, etwa dass Impf- oder Testnachweise nicht verlangt wurden", berichtet sie. Tipps dieser Art werde vom Landratsamt nachgegangen. Landrat Christoph Göbel (CSU) geht davon aus, dass die meisten Veranstalter die Kontrollen ordentlich erledigten, zumindest seien das seine Erfahrungswerte bei Großveranstaltungen oder bei seinem Sportverein, dem TSV Gräfelfing. "Da gibt es überall Einlasskontrollen", sagt er.

Im Café

Die Kellnerin in einem Café in Grasbrunn fragt: "Haben Sie einen Impf- oder Testnachweis?" "Ja, klar", antwortet man und fingert nach dem Smartphone, um ihn vorzuzeigen. "Das ist nicht nötig", kommt die Antwort. "Wir müssen nur danach fragen." So darf man sich an einen Tisch setzen und die Maske abnehmen. Und man fragt sich: Ob wohl irgendjemand auf die Frage mit Nein antwortet?

Im Möbelhaus

Vor dem Möbelhaus mit dem großen roten Stuhl in Aschheim steht ein Container. Corona-Schnelltests in nur 15 Minuten sollen hier möglich sein. Nur ist er an diesem Vormittag geschlossen. Geschlossen sind auch die beiden Drehtüren am Haupteingang. Ein neuer Lockdown? Nein, vor und in dem Möbelhaus wird nur gerade renoviert. Für Kunden steht an der Seite eine schmale, unauffällige Tür offen, ein Notausgang als Eingang. Der Eingang ist aber zugleich auch der Ausgang, vorbei an zwei Kassen. Abstand halten ist da schwer, auch wenn auf Schildern darauf hingewiesen wird. Ebenso wie auf die 3G-Regel.

Im anderen Möbelhaus

Die 3G-Regel gilt auch in der Brunnthaler Filiale des schwedischen Konkurrenten, wie an den Schiebetüren zwischen Parkgarage und Rolltreppe zu lesen ist. Es steht auch ein Mann mit gelber Weste daneben, der zwar nicht kontrolliert, ob die Regel beachtet wird, aber wie viele Menschen das Möbelhaus betreten oder wieder verlassen. In der Cafeteria wird es dafür ganz genau genommen: Impf- oder Teststatus werden abgefragt, wer nicht die Luca-App auf dem Handy hat, muss ein Kontaktformular ausfüllen. Anschließend gibt es auf dem Rollwagen mit Tablett eine Nummer, die den Tisch zuweist.

Beim Wirtschaftsforum

Das Kulturamt der Gemeinde Neubiberg überprüft die 3-G-Regeln bei seinen Veranstaltungen gewissenhaft. So sieht sich Kulturamtsleiterin Andrea Braun beim Wirtschaftsforum in der Aula der Grundschule in einem Vorraum genau den QR-Code über den Impfnachweis der Reporterin an, so dass auch der Name zu sehen ist. Auch die Nachweise der anderen Gäste lassen sich Braun und ihre Kollegin zeigen. Oft zeigen Besucher den Impfnachweis auch in Papierform, wie die Kulturamtsleiterin berichtet. Hätte sie Zweifel, würde sie sich zusätzlich den Personalausweis der Gäste zeigen lassen. Langfristig möchte die Gemeinde Neubiberg bei ihren Veranstaltungen auf die erweiterte 3G-plus-Regel - umsteigen, damit es innerhalb der Veranstaltung mehr Freiräume gibt. Dann genügt kein Schnelltest von einer Teststation mehr, dann muss ein PCR-Test vorgelegt werden.

Im Altenheim

Wer jemanden im Altenheim besuchen will, der braucht mindestens ein G. Um den Nachweis dafür wird der Gast sofort gebeten, wenn sich gleich nach dem Klingeln die automatische Glastür öffnet: Entweder genesen, geimpft oder frisch getestet, ohne eins von den dreien kommt keiner in die Einrichtung hinein. Das Unterföhringer Seniorenzentrum bietet an Ort und Stelle kostenlose Schnelltests an, kontrolliert das Impfzertifikat genauestens und wirft einen intensiven Blick auf die Genesenen-Bescheinigung. Wer nichts von alledem vorweisen kann und sich zu allem Überfluss auch nicht testen lassen will, muss eben draußen bleiben.

Beim Sport

Beim Handballspiel der C-Jugend der HSG B-One gegen den TSV Herrsching wird die 3G-Regelung charmant, aber rigoros durchgesetzt. Florian Besel, der Hygienebeauftragte der Handballspielgemeinschaft von Brunnthal, Ottobrunn und Neubiberg, und der Vater einer Spielerin stehen am Eingang zur Sporthalle des Gymnasiums Höhenkirchen und kontrollieren die Gültigkeit der vorgezeigten Impfzertifikate, auch bei allen Spielerinnen und Trainern. Eine Mutter muss nach Hause eilen und ihr Handy mit dem Impfzertifikat noch holen. Dann erst kommt sie im Einbahnstraßensystem auf die Zuschauertribüne, wo Sitzplätze im Abstand von 1,5 Metern markiert sind. Zahlreiche Schilder in der Halle mahnen, die Maske erst am Sitzplatz abzunehmen. Jeder Verstoß hat dann auch einen nachdrücklichen Hinweis zur Folge. "Wir wollen Handball spielen und den Spielbetrieb gemäß den Vorgaben des Bayerischen Handballverbandes sichern", so Besel.

In Theater und Konzert

Im Pullacher Bürgerhaus wird beim Einlass zur Theatervorstellung der (digitale) Impfnachweis kontrolliert und gescannt. Die Besucher werden so geleitet, dass sie nicht unkontrolliert ins Gebäude können. Im August-Everding-Saal wird zur Auftaktveranstaltung der "Grünwalder Konzerte" ebenfalls genau kontrolliert. Es gibt diesmal nur einen Zugang ins Gebäude, durch den jeder Besucher muss - ein Kontrolleur vom Kulturamt lässt sich den Impfnachweis oder Genesenen-Nachweis respektive negatives Testergebnis zeigen, die Tickets werden gescannt.

Zur SZ-Startseite
Süddeutsche Zeitung
  • Twitter-Seite der SZ
  • Facebook-Seite der SZ
  • Instagram-Seite der SZ
  • Mediadaten
  • Newsletter
  • Eilmeldungen
  • RSS
  • Apps
  • Jobs
  • Datenschutz
  • Kontakt und Impressum
  • AGB