Classic-Bike-Tour „Würmtal Stahl“„Das war nicht Technik, das war Kunst“

Lesezeit: 3 Min.

Stephan Kreipl mit einem Schweizer Armee-Rad.
Stephan Kreipl mit einem Schweizer Armee-Rad.
Foto: Alessandra Schellnegger
  • Der ADFC Neuried veranstaltete zum zweiten Mal die Classic-Bike-Tour „Würmtal Stahl“ mit etwa 50 Teilnehmern und historischen Fahrrädern.
  • Die Teilnehmer präsentierten Fahrrad-Oldtimer aus verschiedenen Epochen, von 1930er-Jahre-Damenrädern bis zu Schweizer Armee-Rädern von 1950.
  • Die meisten Radfahrer wählten die 100-Kilometer-Strecke, während ein kleiner Teil die zehn Kilometer Tour bevorzugte.
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Auf Einladung des ADFC Neuried treffen sich etwa 50 Classic-Bike-Fans zu einer Rundfahrt. Die meisten haben auch das passende Outfit zu ihren Fahrrad-Oldtimern.

Von Claudia Wessel, Neuried

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„Dieses Surren“, sagt Robert Hrasky und beugt sich über das Hinterrad seines Fahrrads. Das Bike hat er an einer vom ADFC Neuried eigens mitgebrachten Holzkonstruktion auf dem Marktplatz am Sattel aufgehängt. Er hält sein Ohr nahe an die Kassette mit den Ritzeln, den Zahnkränzen, aus der das Geräusch dringt. „Das ist der Freilauf“, sagt Hrasky. „Da sind so kleine Haken drin, die das Surren verursachen.“

Die „Liebe zu dieser schönen Technik“, verrät der Neurieder Bürgermeister, habe ihn zum Fan alter Rennräder gemacht. Hrasky ist selbst Gründungsmitglied der ADFC-Ortsgruppe und an diesem Sonntag Schirmherr der Classic-Bike-Tour „Würmtal Stahl“, die die der Ortsgruppe zum zweiten Mal veranstaltet hat. Den Charme seines etwa 40 Jahre alten Gefährts machen laut Hrasky außerdem der Sattel aus echtem Leder und der Stahlrahmen aus.

Und natürlich die Schalthebel, die bei diesem Modell „noch am Unterrohr befestigt“ sind. „Das war nicht Technik, das war Kunst“, schwärmt Hrasky und weist auch noch auf das Kleeblatt hin, das in den Stahl gestanzt wurde. Ein Rennrad aus Stahl? Ist das nicht zu schwer? „Heben Sie mal hoch“, sagt Hrasky und hat recht: „Die haben damals schon gewusst, wie man leicht baut. Da waren die Rohre eben dünner.“

Neurieds Bürgermeister Robert Hrasky mit seinem Colnago-Rennrad.
Neurieds Bürgermeister Robert Hrasky mit seinem Colnago-Rennrad.
Alessandra Schellnegger

Am Sonntagmorgen konnten sich Liebhaber der alten Technik auf dem Neurieder Marktplatz austauschen, bevor sie gemeinsam losfuhren. Die meisten der etwa 50 Teilnehmerinnen und Teilnehmer trauten sich die 100-Kilometer-Tour zu. Für die zehn Kilometer blieb noch ein kleines Häuflein übrig. Dabei unter anderem Maria Chucholowski aus Icking mit ihrem Albrecht-Dürer-Damenrad aus den 1930er-Jahren. „Das habe ich in den 1960er-Jahren von einer Tante geerbt und bin lange damit gefahren, in den 1970er-Jahren sogar zur Arbeit“, berichtet sie.

Die Bremsen sind nicht die besten

Dann stand es allerdings ziemlich lange im Keller, bis ihr Mann Michael es für Classic-Bike-Touren wieder hergerichtet hat. Er hat das Vorderrad mit neuen Speichen versehen, auf beiden Rädern neue Reifen montiert. Die Bremsen seien leider etwas schwach, sowohl der Rücktritt als auch die Vorderbremse, sagt die Besitzerin. „Aber ich fahre ja nicht schnell.“ Ihr Mann hat sein altes Schulfahrrad mitgebracht, mit dem er in den 1960er-Jahren unterwegs war. Es ist ein Modell der Firma Le Taureau. Die Stuttgarter Firma Stier hatte sich den Namen auf Französisch gegeben, um die Räder besser zu verkaufen, erzählt Michael Chucholowski. „Früher war das ein Rad für Profis“, sagt er mit Blick auf den ziemlich angegriffenen Stahlrahmen.

Maria und Michael Chucholowski mit den Rädern, die sie schon in ihrer Jugend genutzt haben.
Maria und Michael Chucholowski mit den Rädern, die sie schon in ihrer Jugend genutzt haben.
Alessandra Schellnegger

Das Fahrrad von Josef Hausner aus Germering hat eine weithin leuchtende Farbe: „Ramato“. Er hat das Zweirad an einem ganz besonderen Ort gekauft: in Gaiole in Chianti in Italien. Dort habe man 1997 die Classic-Bike-Touren ins Leben gerufen, sagt sein Freund Markus Herz, der findet: „Ramato ist die schönste Farbe, in der je ein Fahrrad lackiert wurde.“ Dass das Gefährt so gepflegt und wie neu aussieht, liegt wohl auch daran, dass Hausner quasi mit seinen Rädern zusammen im Haus lebt. „Bei mir steht in jedem Zimmer ein Rad, nur nicht im Schlafzimmer“, sagt er. Außer der Farbe hat sein Modell übrigens noch eine Besonderheit: „Eine Campagnolo-C-Record-Deltabremse.“

Josef Hausner mit seinem Wilier-Rennrad in der Farbe Ramato.
Josef Hausner mit seinem Wilier-Rennrad in der Farbe Ramato.
Alessandra Schellnegger

Stephan Kreipl ist aus Berg am Laim nach Neuried geradelt. „Meine ersten 17 Kilometer habe ich schon geschafft“, sagt er. Während alle anderen in sportlichen Retro-Outfits an den Start gehen, ist er in einer Arbeitsuniform der Schweizer Armee erschienen. Das Outfit passt zu seinem Ordonnanz-Fahrrad, einem Dienstrad der Schweizer Armee. „Die Konstruktion ist von 1904, in den Dienst gestellt wurde es 1905“, berichtet Kreipl. Sein Rad habe das Baujahr 1950. Erst in den 1990er-Jahren seien die Fahrradtruppen abgeschafft worden.

Es geht auch ohne Ständer: Rennrad-Oldtimer vor dem Start der Rundfahrt.
Es geht auch ohne Ständer: Rennrad-Oldtimer vor dem Start der Rundfahrt.
Alessandra Schellnegger

Das Rad macht jedenfalls einen sehr stabilen Eindruck, es glänzt wie neu. Und es hat eine kleine Werkzeugtasche aus dickem Leder. „Da ist alles drin, damit könnte ich das ganze Rad auseinandernehmen“, versichert er. Trotzdem geht er an dem Tag lieber nur auf die zehn Kilometer Tour. Relativ gemütlich sind allerdings alle unterwegs. „Im Durchschnitt fahren wir 24 bis 30 Kilometer die Stunde“, sagt Hrasky.

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