Ein Gartenhaus, eine Garage, ein Dachboden – die Orte, an denen Kunst entsteht, liegen meist im Verborgenen. An den kommenden zwei Wochenenden öffnen 37 Künstlerinnen und Künstler erstmals im Würmtal ortsübergreifend 25 Ateliertüren von Lochham bis Stockdorf und werden damit sichtbar. Sie erlauben Einblicke in ihr Schaffen und zeigen, wo und wie Kunst entsteht. Das neue Format, das sich der Kunstkreis Gräfelfing ausgedacht hat, soll die lebendige Kunst- und Atelierszene im Würmtal sichtbar machen.
Ateliertage ermöglichen eine ganz andere Art von Kunstrezeption, findet Ingrid Gardill vom Kunstkreis. Besucher können den Künstlerinnen und Künstlern über die Schulter schauen, tauchen in deren Arbeitsumfeld ein und kommen mit ihnen ins Gespräch. Aber auch die Kunstschaffenden selbst profitieren davon: Sie lernen sich untereinander kennen und können sich vernetzen. Das ist ganz im Sinne des Veranstalters, der sich auch als Kunstförderer versteht. So gibt es statt der üblichen Herbstausstellung dieses Jahr offene Ateliertüren.
Das Format ist offenbar gefragt, denn die große Resonanz auf den Aufruf des Kunstkreises, sich an den Ateliertagen zu beteiligen, hat die Organisatorinnen dann doch überrascht, berichtet Gardill. Viele dem Kunstkreis bisher unbekannte Kunstschaffende hätten sich gemeldet. Interesse gezeigt haben aber auch etablierte Künstler, von denen der Verein gar nicht wusste, dass sie im Würmtal arbeiten – wie der Fotograf Enno Kapitza oder der Maler und Fotokünstler Florian Thomas.
Laut Gardill bewarb sich auch eine bislang nicht im Würmtal in Erscheinung getretene „Künstlerkolonie“ im Gewerbegebiet Steinkirchen in Planegg. Das Organisationsteam traf eine Auswahl: Das Atelier muss mindestens ein eigens ausgewiesener Raum sein und es soll dort Qualität entstehen – „das Publikum erwartet gute Kunst“.
Kunstinteressierte können sich zu langen Spaziergängen aufmachen, um Malerei, Fotografie, Bildhauerei, Keramik und Schmuck im Würmtal zu entdecken. Dabei offenbart der Kunstrundgang auch „eine Misere“, wie Gardill sagt: „25 Ateliers sind ordentlich, aber nicht üppig.“ Es gebe einfach zu wenige Räume für Kunstschaffende.
Das gelte einmal mehr, seitdem die Kunstbaracke in der Steinkirchner Straße in Gräfelfing vor mehr als zwei Jahren aufgelöst worden sei und sich bis heute kein adäquater Ersatz für die Kunstschaffenden gefunden habe. Für die Ateliertage seien in einigen Studios Gast-Künstler untergeschlüpft, weil sie selbst keinen eigenen Schaffensort hätten.
Der Kunstkreis hat den Start gemacht, jetzt sollen die Künstlerinnen und Künstler die Ateliertage selbst in die Hand nehmen und das Format dauerhafte etablieren, meint Gardill. Zu zeigen gibt es im Würmtal jedenfalls genug.
Die Ateliertage finden jeweils am Samstag und Sonntag, 17. /18. und 25./26. Oktober jeweils von 11 bis 17 Uhr statt. Der Eintritt ist frei. Einige Ateliers sind nur an bestimmten Tagen geöffnet. Informationen dazu, sowie alle Adressen der Ateliers und eine interaktive Karte gibt es online unter www.kunstkreis-graefelfing.de.

