Süddeutsche Zeitung

Wohnungspolitik:Gartenstadt statt S-Bahn-Viertel

Höhenkirchen will eine zu starke Nachverdichtung in der Waldsiedlung verhindern

Von Patrik Stäbler, Höhenkirchen-Siegertsbrunn

Viel Grün, schmucke Häuser, weitläufige Gärten mit alten Bäumen und hier und da ein Swimmingpool: Wer in Höhenkirchen-Siegertsbrunn durch die Waldsiedlung spaziert, dem scheint der Großraum München mit seinem zunehmenden Siedlungsdruck und der immer dichteren Bebauung weit weg. Doch das täuscht. Denn auch an der Englwartinger und Wagerstraße ist der Baugrund teuer und begehrt, und gibt es ein steigendes Interesse an Nachverdichtungen, um auf den üppigen Grundstücken zusätzlichen Wohnraum zu schaffen. Diese Entwicklung kann die Gemeinde bislang kaum steuern, da der Bebauungsplan für das Areal aus dem Jahr 1957 stammt und heillos veraltet ist. Daher hat die Kommune eine Veränderungssperre für das Gebiet erlassen und erarbeitet nun - unter Beteiligung der Bürgerinnen und Bürger - einen neuen Bebauungsplan, dessen Vorentwurf kurz vor der Vollendung steht.

Zwar lehnte der Bauausschuss des Gemeinderats in seiner jüngsten Sitzung einen Beschluss ab, da einige Details noch geklärt werden müssen. Doch im März oder April wolle man eine Entscheidung treffen, kündigte Bürgermeisterin Mindy Konwitschny (SPD) an. "Weil wir wegen der Veränderungssperre etwas unter Zeitdruck stehen." Die wichtigste Frage, die der Bebauungsplan beantworten soll, lautet: Wie dicht darf in der Waldsiedlung gebaut werden? Hier herrscht inzwischen weitgehender Konsens im Ausschuss, der eine Grundflächenzahl von 0,2 festlegen will, sodass 20 Prozent des Areals überbaut werden dürfen. Zudem soll die Zahl der Wohneinheiten begrenzt werden - auf eine Wohneinheit je angefangene 400 Quadratmeter Fläche.

"Es gibt die einen, die alles so lassen wollen, wie es ist. Und die anderen, die sagen, sie wollen das Grundstück nutzen zur Nachverdichtung", sagt Oliver Prells vom Planungsverband Äußerer Wirtschaftsraum München. Zwischen diesen beiden Polen gelte es, einen Mittelweg zu finden. Ein wichtiges Ziel des Bebauungsplans ist laut Prell der Erhalt des Gartenstadtcharakters der Siedlung. So wird der Plan einen Katalog mit erhaltenswerten Bäumen umfassen und eine fünf Meter breite Begrünung an der Südgrenze der Siedlung festlegen. Zudem sollen auch an den Straßen neue Bäume gepflanzt werden - zum einen, um den Verkehr "psychologisch ein bisschen zu bremsen", so Prell; zum anderen, um "Begegnungsräume im öffentlichen Raum zu schaffen", sagte die Bürgermeisterin. Mit Blick auf die Grundstücke wird der Bebauungsplan eine Vorgartenzone festlegen, die begrünt und frei von Parkplätzen und Garagen bleiben muss. Im Weiteren sollten auch Schottergärten untersagt werden, regte Janine Schneider (Grüne) an.

"Wir liefern hier, dem Zeitgeist entsprechend, eine deutliche Nachverdichtung. Aber wir müssen aufpassen, dass wir den Gartenstadtcharakter erhalten", sagte Otto Bußjäger (Unabhängige Bürger) abschließend. Er forderte, dass sich dies in der Begründung des Bebauungsplans widerspiegeln müsse. Ähnlich sah das Bürgermeisterin Konwitschny: "In der Begründung soll klar werden, dass wir hier ein tolles Waldviertel haben - und nicht ein dichtes, enges S-Bahn-Viertel."

Bestens informiert mit SZ Plus – 4 Wochen kostenlos zur Probe lesen. Jetzt bestellen unter: www.sz.de/szplus-testen

URL:
www.sz.de/1.5197348
Copyright:
Süddeutsche Zeitung Digitale Medien GmbH / Süddeutsche Zeitung GmbH
Quelle:
SZ vom 06.02.2021
Jegliche Veröffentlichung und nicht-private Nutzung exklusiv über Süddeutsche Zeitung Content. Bitte senden Sie Ihre Nutzungsanfrage an syndication@sueddeutsche.de.