ObdachlosigkeitSchulden treiben immer mehr Mieter in Not

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Die Suche nach einer Wohnung ist nervenaufreibend. Umso wichtiger ist es, die eigene Wohnung auch in schwierigen Zeiten zu halten.
Die Suche nach einer Wohnung ist nervenaufreibend. Umso wichtiger ist es, die eigene Wohnung auch in schwierigen Zeiten zu halten.
Peter Kneffel/dpa
  • Die Awo beriet 2025 im Landkreis München 1412 Menschen mit Wohnungsproblemen, wobei Verschuldung als Hauptursache von 52 auf 72 Prozent anstieg.
  • Durch die Wohnungsnotfallhilfe konnte bei 1961 Menschen der Verlust der Wohnung verhindert und den Kommunen 2,68 Millionen Euro Unterbringungskosten erspart werden.
  • Der angespannte Wohnungsmarkt verschärft sich durch 16,4 Prozent weniger fertiggestellte Wohnungen 2025 und den Wegfall von Sozialwohnungen aus der Bindung.
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Mehr als 1400 Menschen suchten zuletzt im Münchner Umland Hilfe bei der Arbeiterwohlfahrt, weil ihnen der Verlust ihrer Wohnung drohte. Immer häufiger ist Verschuldung der Grund.

Von Bernhard Lohr, Landkreis

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Schulden und Wohnungslosigkeit gehen oft Hand in Hand: Eine Rentnerin verliert in ihrer verwahrlosten Wohnung den Überblick. Eine schwer kranke Witwe gerät wegen wachsender Schulden bei der Miete in Verzug und eine Alleinerziehende weiß trotz mehrerer Jobs nicht mehr weiter. Der angespannte Wohnungsmarkt im Münchner Umland setzt Menschen mehr und mehr unter Druck. Die Wohnungsnotfallhilfe der Arbeiterwohlfahrt (Awo) wird mit diesen Fällen konfrontiert und unterstützt Betroffene. Sie beriet 2025 im Landkreis München in 1412 Fällen Menschen in Not. In 258 Mal Fällen lag bereits eine Kündigung vor, 110 Mieter hatten eine Räumungsklage erhalten und 94 die Zwangsräumung vor Augen. Ein zentrales – und wachsendes – Problem ist dabei die Verschuldung.

Der Wohnungsmarkt in München und im Umland ist weiterhin extrem angespannt. So wurden laut dem IVD-Marktforschungsinstitut 2025 im Freistaat 16,4 Prozent weniger Wohnungen fertiggestellt als im Vorjahr. Zugleich fallen Sozialwohnungen mehr und mehr aus der Bindung, während der Zuzug ins Umland der Landeshauptstadt wegen der nach wie vor recht stabilen Wirtschaft und der hohen Nachfrage nach Fachkräften anhält. Doch die nötigen Wohnungen fehlen.

Während die Einen verzweifelt Wohnraum suchen, drohen andere abgehängt zu werden. Alter, Krankheit, Jobverlust und zunehmend Verschuldung bringen Menschen in Nöte. Stefan Wallner, Fachbereichsleiter der Wohnungsnotfallhilfe der Awo München-Land, kennt – wie seine Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter – die Schicksale hinter den nackten Zahlen. Er sagt, die Fälle spiegelten die Probleme einer Gesellschaft wider, die in weiten Teilen auf Pump lebt.

So suchten im Jahr 2021 bei der Wohnungsnotfallhilfe noch 31 Prozent der Betroffenen Hilfe, weil sie aufgrund einer Kündigung wegen Eigenbedarfs ihr Zuhause räumen sollten. Schulden spielten damals in 52 Prozent die Hauptrolle. 2025 ging es nur noch bei 20 Prozent um Eigenbedarf, dafür hatten 72 Prozent mit Schulden zu kämpfen. Für die Wohnungsnotfallhilfe bedeutete das, zunächst die Kommunikation zwischen Mieter und Vermieter wieder in Gang zu bringen. Eine einvernehmliche Lösung ist das Ziel – was oft auch gelingt.

Stefan Wallner von der Wohnungsnotfallhilfe der Arbeiterwohlfahrt.
Stefan Wallner von der Wohnungsnotfallhilfe der Arbeiterwohlfahrt.
Claus Schunk

Wallner sagt, die allermeisten Vermieter seien fair und an einem Ausgleich interessiert – auch weil sie wüssten, dass sie bei einer Eskalation am Ende nicht profitierten. Denn: „Wenn sie eine Räumungsklage einleiten, bleiben sie meistens auf Schulden sitzen“, sagt er. Vermietergesellschaften schätzen die Arbeit der erfahrenen Sozialarbeiterinnen und Sozialarbeiter. Zu den Partnern zählen etwa die Baugesellschaft München-Land, die Münchner Wohnen und die Wohnungs- und Siedlungsbau Bayern.

Die Awo rechnet sich an, mit ihrer Arbeit den Kommunen erhebliche Kosten erspart zu haben, weil diese deutlich weniger Obdachlose unterzubringen hatten. Mitarbeitende helfen im Austausch mit Vermietern, Schulden zu regulieren und Sozialleistungen zu beantragen. Ein Teil der Mieter kann selbst die Mietschulden abtragen oder findet mithilfe eines Darlehens über das Landratsamt einen Ausweg. Insgesamt 1276 Fälle habe man positiv abgeschlossen, berichtet Wallner. Dadurch sei bei 1961 Menschen den Verlust der Wohnung verhindert worden. Den 23 im Kooperationsprojekt beteiligten Kommunen im Landkreis München habe das – bei einer angenommenen durchschnittlichen Unterbringungsdauer von vier Monaten – 2,68 Millionen Euro an Unterbringungskosten erspart.

In lediglich 17 Fällen, berichtet die Awo, sei eine Unterbringung noch notwendig gewesen. Betroffen waren 202 Personen in 23 Kommunen, darunter 52 Kinder. Seit 2010 bleibt diese Zahl stabil, nachdem sie zuvor stark gestiegen war. 2015 waren noch 27 Personen ohne Obdach, davon elf Kinder.

Die Hochhaussiedlung Jagdfeld in der Stadt Haar. 
Die Hochhaussiedlung Jagdfeld in der Stadt Haar. 
Schunk Claus

Dicht besiedelte Kommunen wie Unterhaching oder Haar verfügen über einen großen Bestand an Mietwohnungen in größeren Wohnvierteln. Ihre Sozialstruktur unterscheidet sich deutlich von der in Gräfelfing oder Grünwald. Das spiegelt sich auch in den Zahlen wider. So gibt es dort eine höhere Zahl an Menschen in unsicheren Wohnverhältnissen. Die Awo zählte 2025 in Unterhaching 19 Obdachlose und 29 in Haar. In Garching waren es 16 und in Aschheim 24. In Straßlach-Dingharting gab es hingegen keine Obdachlosen. Fachbereichsleiter Stefan Wallner warnt vor Vorurteilen, etwa was vermeintliche soziale Brennpunkte angeht. Die Awo sei gerade in Kommunen mit einem bewegten Mietmarkt gut vernetzt.

Wallner betont, dass es mit Unterstützung der Obdachlosenhilfe schneller gelinge, Menschen wieder aus Notunterkünften zu vermitteln. Seine Mitarbeitenden gehen dafür auch in die Quartiere. Ohne Beratung, sagt er, sei es schwer, wieder auf dem Wohnungsmarkt Fuß zu fassen. Die Betroffenen würden dabei unterstützt, ihre Wohnungssuche gezielt anzugehen. Sie bekämen Rückendeckung – und mancher wundere sich, dass zwar vieles schiefgelaufen sei im Leben mit Krankheit, Jobverlust und Trennung vom Ehepartner – aber der Schufa-Eintrag dennoch positiv sei.

„Es macht auch Spaß, wenn man solche Fälle hat. Sonst könnte man den Job nicht machen. In jedem Menschen steckt was Positives, das muss man nur noch wecken“, sagt Wallner. 78 Personen konnten dem Bericht der Awo zufolge im Laufe des Jahres wieder aus ihrer Unterkunft ausziehen, darunter 19 Kinder. 37 Prozent zogen in eine Wohngemeinschaft oder eine reguläre Mietwohnung, 20 Prozent in eine Sozial- oder Gemeindewohnung. Seit 2012 bietet die Awo zudem Wohnungslosenhilfe für Menschen in besonderen Lebenssituationen an – häufig auch für Personen mit psychischen Problemen. Im Rahmen des unterstützten Wohnens können sie bis zu eineinhalb Jahre lang in der eigenen Wohnung begleitet werden. Ein besonderer Fall sind sogenannte Messie-Haushalte, in denen Menschen im Chaos zu versinken drohen.

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