Wohnungsbau Günstige Miete statt günstiges Eigentum

Die Gemeinde als Eigentümer: Die freien Flächen im Einheimischenmodell sollen mit Wohnungen und Reihenhäusern zur Miete bebaut werden.

(Foto: Florian Peljak)

Nach der Abkehr vom Einheimischenmodell setzt Unterföhring auf den Bau von Gemeindewohnungen. Neben größeren Blöcken sollen auch 21 Reihenhäuser für Familien entstehen

Von Sabine Wejsada, Unterföhring

Anders als einige Nachbarkommunen hat sich die Gemeinde Unterföhring vor anderthalb Jahren von ihrem Einheimischenmodell verabschiedet. Vor allem juristische Bedenken hatten die Lokalpolitiker davon abrücken lassen, vergünstigten Baugrund im Bereich der Aschheimer Straße an ihre Bürger zu vergeben. Seitdem überlegen Rathaus und Lokalpolitiker, wie es mit der Bebauung der noch freien Flächen in diesem Quartier weitergehen soll.

In der jüngsten Sitzung einigte sich der Gemeinderat nun mehrheitlich auf eine Variante, die vom Münchner Architekturbüro Goergens & Miklautz Partner entworfen wurde: So könnten dort nun weitere gemeindeeigene Wohnungen in mehreren Blöcken entstehen - und 21 Reihenhäuser, die gut zu den bestehenden Zeilen passen und zur Miete durch den Wohnungs- und Sozialausschuss des Gemeinderats vergeben werden sollen. Darüber hinaus soll geprüft werden, ob die Siedlung durch den Bau einer großen Tiefgarage, die mit den bereits bestehenden verbunden werden kann, autofrei werden könnte.

Die am Römerweg ursprünglich als Interimslösung gebaute Krippe, aus der längst ein Kinderhaus geworden ist, in dem 75 Buben und Mädchen betreut werden, soll am angestammten Platz neu errichtet werden. Über der Kita werden ebenfalls Wohnungen geplant. Die CSU-Fraktion stimmte gegen die Planungen. Sie hätte es gerne gesehen, die Tagesstätte auf die Fläche des Abenteuerspielplatzes umzusetzen, um den Grund ebenfalls für den Bau von weiteren 16 gemeindeeigenen Reihenhäusern zu nutzen. SPD, Grüne und Parteifreie Wählerschaft (PWU) lehnten das allerdings ab. Der Abenteuerspielplatz, in der Vergangenheit als mögliche Erweiterungsfläche für den benachbarten Parkfriedhof vorgehalten, dürfe nicht versiegelt werden, hieß es.

Insbesondere aus Gründen der Gleichbehandlung war es nötig geworden, die gültigen Vergaberichtlinien aus dem Jahr 2011 für das Unterföhringer Einheimischenmodell im Norden des Ortes zu überarbeiten. Auf diese Weise hatte die Gemeinde sicherstellen wollen, dass tatsächlich nur Unterföhringer Bürger Anspruch auf vergünstigte Grundstückspreise haben sollten. Der Rechtsbeistand der Kommune konnte Ende 2017 aber nicht garantieren, dass der vom Gemeinderat erstellte Kriterienkatalog des Einheimischenmodells für eine Zuteilung dem EU-Recht standhalten würde. Nach Angaben des Rathauses schloss er nicht aus, dass sich auch andere Interessenten in das Einheimischenmodell einklagen könnten. Zähneknirschend entschied die Mehrheit im Gremium damals, im Bereich der Aschheimer Straße subventionierte Eigenheime ad acta zu legen und gemeindeeigene Wohnungen zu errichten.

Derzeit entsteht am Germanenweg ein neues Gebäude mit 19 Wohnungen. Angesichts der gestiegenen Baupreise wird das Projekt deutlich teurer als erwartet. Die Ausgaben werden sich laut einer Kostenschätzung aus dem Dezember mit rund 8,5 Millionen Euro gegenüber den ersten Plänen fast verdoppeln. Was im Gemeinderat seinerzeit großes Unbehagen hervorrief und die Frage aufwarf, ob Unterföhring bei der Ausstattung des neuen Gemeindeblocks nicht den Rotstift ansetzen sollte, was am Ende dann so recht auch keiner wollte.

Die Gemeinde Unterföhring wird nicht zuletzt wegen besonderer Vorgaben aus Gründen des Erschütterungs- und Hochwasserschutzes wegen der nahen S-Bahnlinie und des Isarkanals wohl kaum viel Geld bei diesem Wohnungsprojekt sparen können.

Die aktuellen Vorschläge der Architekten zur künftigen Bebauung der verbliebenen Flächen in Gemeindebesitz an der Aschheimer Straße stießen im Gremium auf Zuspruch. "Es ist richtig, das Gebiet neu zu denken", sagte etwa SPD-Gemeinderat Thomas Weingärnter. Bei allem Bedarf an bezahlbaren Wohnungen sei es gefälliger, ebenfalls Reihenhäuser zu errichten, befand er. Auch SPD-Fraktionschef Philipp Schwarz war sich sicher, dass man auf diese Weise einen "tollen Mix" hinbekommen könnte. CSU-Sprecher Manfred Axenbeck wollte das nicht in Abrede stellen, angesichts der sich abzeichnenden Ablehnung, die Kita auf den Spielplatz zu verlegen, wie es seine Partei favorisierte, kritisierte er seine Kollegen aber massiv: "Wir vernichten damit 16 Reihenhäuser, die man an junge Unterföhringer Familien mit mehreren Kindern vermieten könnte", sagte er. "Wir verlieren wertvollen Boden."

Das Werben von Bürgermeister Andreas Kemmelmeyer (PWU), das Kinderhaus an Ort und Stelle zu belassen, um den großen Spielplatz mit Wiesen und altem Baumbestand zu erhalten, weil es in Unterföhring ja nicht so viele Grünflächen gibt, fand schlussendlich eine Mehrheit. Nun soll der Bebauungsplan für das Gebiet des früheren Einheimischenmodells entsprechend geändert werden.