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Wohnbaupläne der Stadt München:Goldgräberstimmung gefährdet Haarer Schulcampus

München, Trudering, Gewerbegebiet Rappenweg, Foto: Angelika Bardehle

Auf dem wild gewachsenen Gewerbegelände könnten Wohnungen gebaut werden.

(Foto: Angelika Bardehle)

Weil Baufirmen am Truderinger Rappenweg Grundstücke aufkaufen, könnte eine Realschule in Gronsdorf scheitern.

Nachdem mehrere Immobilienunternehmen auf Flächen des wild gewachsenen Gewerbegebiets am Rappenweg in Trudering in großem Stil Wohnungen errichten wollen, wachsen die Zweifel, dass der Schulcampus in Gronsdorf wie geplant entstehen kann. Denn die Umsetzung der kompletten Schulbaupläne hängt von einer neuen Straßenanbindung ab.

Seit Bekanntwerden der Wohnbaupläne ist in Haar die Angst groß, dass der sogenannte Durchstich zum Rappenweg, also eine Straßenverbindung von Haar-Eglfing über Gronsdorf bis nach Trudering, massiv Verkehr in den Ort zieht. In Haar möchte jedoch niemand die Büchse der Pandora öffnen.

Schon bisher galt es wegen der vielen Interessen, die an der Grenze der Stadt München zur Gemeinde Haar zusammenfallen, als äußerst ambitioniert, einen Schulcampus am Bahnhof in Gronsdorf anzusiedeln. Aktuell führt dort von Süden nur die Bahnstraße in Trudering hin und von Norden auf Haarer Flur die Schneiderhofstraße. Anlieger laufen schon jetzt regelmäßig wegen der Verkehrsbelastung Sturm. Dennoch werden gerade zwei Wohngebiete mit 200 Apartments am S-Bahnhof in Gronsdorf hochgezogen. Als gerade noch verkraftbar gelten eine Fachoberschule und eine Pflegeschule, heißt es in Verkehrsgutachten; eine Realschule aber nicht mehr.

800 Wohnungen in Gronsdorf - und weitere am Rappenweg

Je länger die Stadt München, der Landkreis und die Gemeinde Haar über die Schulbaupläne diskutieren, desto komplizierter wird die Lage. Denn es kommen Stück für Stück neue Wohnbaupläne auf den Tisch, deren Umsetzung neuen Verkehr produziert. So hat unlängst die Stadt München, der das Grundstück gehört, auf dem der Campus auf Haarer Flur entstehen soll, die Abtretung dieses Areals mit Wohnungsbau auf den übrigen Flächen verknüpft. Die Rede ist von 800 Wohnungen auf dem elf Hektar großen städtischen Areal. Dazu kommt nun ein mögliches, bisher in seiner Ausdehnung nicht zu erfassendes Wohngebiet auf der 25 Hektar großen Fläche am Rappenweg.

Die Bayerische Hausbau hat, wie ihr Pressesprecher Mathias Weber am Montag bestätigte, ein Drittel der Fläche am Rappenweg erworben. Auch die Immobilien-Gruppe Ten Brinke, die Büschl-Unternehmensgruppe, die KM-Wohnbau und die Caritas sind nach SZ-Informationen beim Aufkauf der Grundstücke mit von der Partie. Die Bayerische Hausbau denkt laut ihrem Sprecher Weber an Wohnungsbau, aber auch Gewerbe sei möglich. "Nächstes Jahr sollte es losgehen mit einem Bebauungsplanverfahren."

Vor diesem Hintergrund sieht man in Haar die Aussichten schwinden, in absehbarer Zeit einen Schulcampus samt Realschule in Gronsdorf zu platzieren. Der Gemeinderat beschloss daher in der jüngsten Sitzung, nur noch eine Straßenverbindung von der Richard-Reitzner-Allee in Eglfing bis zur Keferloher Straße planerisch weiterzuverfolgen. Den Bau eines weiteren Teilstücks bis zum Bahnhof Gronsdorf, also bis zur Schneiderhofstraße und zur Bahnstraße und damit zum möglichen Campus, will man sich offen halten. Mehr aber nicht. Wie all das, was gerade diskutiert wird, verkehrlich abgewickelt werden soll, kann sich in Haar derzeit keiner vorstellen.

Der Landkreis hält derweil am Bau der Fachoberschule in Gronsdorf fest und stellt sich in einer Stellungnahme darauf ein, einen langen Atem zu benötigen. Es werde geprüft, nötigenfalls das FOS-Provisorium an der Hans-Pinsel-Straße in Haar zu erweitern und länger zu nutzen. Von einer Realschule ist keine Rede.

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